Portugal setzt auf Windenergie

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Geschrieben von: Lisa Louis, Lissabon 15.07.09
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Portugal gehört zwar zu den kleineren westeuropäischen Ländern, aber in Sachen Windenergie ist es ganz gross: In fünf Jahren wurde die Kapazität der Anlagen verfünffacht. Dabei helfen der französische Atomkonzern EDF und die portugiesische Mentalität.

Portugal produziert jährlich so viel Windenergie wie Frankreich, das sechsmal so viele Einwohner hat. Im Jahr 2007 waren Windräder für 9,3 Prozent von Portugals Strom verantwortlich. Damit ergatterte das Land die europäische Bronzemedaille in dieser Kategorie und liegt gleich hinter Weltmeister Dänemark mit 21,3 Prozent und Spanien mit 11,8 Prozent. Das westlichste Land Europas besitzt Windanlagen mit einer Kapazität von rund 3000 Megawatt. „Die Geschichte der Windenergie in Portugal ist eine echte Erfolgsstory“, sagt Alvaro Rodrigues, Professor für erneuerbare Energien an der Universität Porto im Norden des Landes. Eine Erfolgsstory, die auch durch die portugiesische Mentalität ermöglicht wird.

Kein Widerstand gegen Windräder

„Die Menschen hier haben verstanden, dass die Zukunft in den erneuerbaren Energien liegt“, so Carlos Pimenta, ehemaliger Staatssekretär für Umwelt in Lissabon und nun Chef der Abteilung Portugal beim französischen Stromproduzenten EDF Energies Nouvelles (EDF EN), der viel Geld in Portugals Wind steckt. „Im Gegensatz zu Frankreich gibt es keinen organisierten Widerstand gegen Windräder.“ Französische Windenergie-Gegner versammeln sich in vielen Kommunen und beschweren sich über Lärm, Geruch und Anblick der Windräder. Nur ein Beispiel hierfür sind Proteste aus dem Umfeld um das „Collectif du 4 novembre contre l’éolien industriel“.

Dezentrale Einspeisung möglich

In Portugal ist es friedlich. EDF EN ist Hauptaktionär des Ventominho-Windparks, der im Norden des Landes liegt und mit 240 Megawatt die zweitgrößte Windanlage auf dem europäischen Festland darstellt. Dass Windenergie-Produzenten sich Portugal aussuchen, ist für Ana Estanqueiro vom „Instituto Nacional de Engenharia, Tecnologia e Inovação“ in Lissabon kein Zufall. Die Wissenschaftlerin im Bereich erneuerbarer Energien sagt: „Unser maritimes Land hat relativ viele Plätze, die für Windanlagen gut geeignet sind, wie zum Beispiel Bergspitzen.“
Die Infrastruktur ist ein weiterer Pluspunkt für den portugiesischen Wind, denn das Elektrizitätsnetz ist sehr dezentral aufgebaut, wie Strom-Experte Carlos Pimenta betont. So garantiert Portugals Gesetzgebung jedem Bürger das Recht, sich als Stromproduzent an das Netz anzuschließen und bis zu 6,68 Kilowatt zu produzieren. Zudem unterstützt die portugiesische Regierung die Windenergieproduzenten finanziell: 2001 führte sie einen Einspeisetarif von 88,2 Euro pro Megawatt-Stunde Strom ein. Dieser Betrag ist an die Inflationsrate gekoppelt und gilt für die ersten 15 Betriebsjahre mit einer Produktionsgrenze von 33 Gigawatt. 2005 senkte Lissabon den Tarif um 15 Prozent auf 76 Euro pro Megawatt-Stunde.

Portugals ehrgeizige Ziele

Hinter dem Wohlwollen Lissabons gegenüber erneuerbaren Energien stehen internationale Abkommen: Laut dem Kyoto-Protokoll muss Portugal seinen Treibhausgas-Ausstoß zwischen 2008 und 2012 um acht Prozent senken. Bis 2010 soll der Anteil erneuerbarer Energien im Strommix 39 Prozent betragen – ein Richtwert, den die Regierung freiwillig auf 45 Prozent erhöht hat.
Auf europäischer Ebene wurde der Klimaschutz im vergangenen Dezember durch eine Direktive festgeschrieben. Damit hat sich die europäische Union drei Ziele gesetzt: Bis 2020 soll der Ausstoß an Treibhausgasen um 20 Prozent gesenkt, die Energieeffizienz um 20 Prozent verbessert und der Anteil an erneuerbaren Energien auf 20 Prozent erhöht werden.

Eigene Produktion von Windrädern

Neben Windenergie produziert Portugal seit 2007 seine eigenen Windräder. Damals schrieb die Regierung Windinstallationen von 1200 Megawatt aus. Das beste Angebot machte das Konsortium Eólicas de Portugal (EP) und verpflichtete sich damit gleichzeitig, Produktionsstätten für Windräder zu bauen. Letztere muss Portugal deswegen heute nicht mehr aus dem Ausland importieren, das Land exportiert sogar Wind-Technologie.
„Auch das ist ein Baustein in der Erfolgsstory von Portugals Windenergie“, findet Alvaro Rodrigues. Für ihn ist sie noch längst nicht vorbei: Der Professor schätzt das Windenergie-Potenzial des Landes auf 7000 bis 7500 Megawatt. Ein Wert, der für Portugal erreichbar scheint und von dem andere europäische Staaten nur träumen können.

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