Während in Deutschland das Desertec-Konsortium gegründet wird, bauen die Spanier bereits Solarkraftwerke derselben Technologie in Marokko und Algerien. Desertec versteht man als Projekt der Mittelmeerunion. Und von der ist man im Maghreb wenig überzeugt.
Das in Mitteleuropa mit großer Euphorie gefeierte oder kritisierte Wüstenstromprojekt „Desertec” sieht man dort, wo es entstehen soll, gelassen. Die Gründung des Firmenkonsortiums, das die gigantischen Solaranlagen in den nordafrikanischen Wüsten bauen soll, um über Gleichstrom-Fernleitungen Europa mit Elektrizität zu versorgen, fällt mit dem Jahrestag der Gründung der Union für das Mittelmeer zusammen. Aus Sicht der Nordafrikaner kein sonderlich glückliches Zusammentreffen. Denn in der Mittelmeerunion aus 43 Staaten gehört neben der EU und arabischen Staaten ausser Libyen auch Israel an. Der Gazakrieg im Januar lähmte den Aufbau der am 13. Juni 2008 in Paris gegründeten Union, auch ihres „Solarplanes”, zu dem Desertec gehört. Ausbau der Gasproduktion
Die nordafrikanischen Mittelmeeranrainer haben ohnehin derzeit mehr den Ausbau ihrer schon bestehenden, exportierenden und damit Gewinn bringenden fossilen Energiequellen im Visier. Und da tut sich einiges. Die neue Gasleitung „Medgaz” von Algerien unter dem Mittelmeer hindurch an die Küste von Almeria in Südostspanien ist fertig gestellt. Im Herbst soll es heissen „First Gas”, wenn die Unterseepipeline in Betrieb genommen wird. Sie ergänzt schon bestehende Gasleitungen von Algerien durch Marokko durch die Enge von Gibraltar nach Spanien, durch das Mittelmeer nach Italien. Hinzu kommen Flüssiggasstationen, von denen aus nach Europa exportiert wird. Und natürlich der Export von Erdöl von Algerien bis Libyen. Gegen Solarkraftwerk hat man im Maghreb nichts einzuwenden. Allerdings setzt man da bisher auf bilaterale Vorhaben. So errichtet die spanische Firma Abengoa, die in Sanlúcar la Mayor bei Sevilla ein Solarkraftwerk betreibt, sowohl in Marokko als auch in Algerien derzeit zwei Hybrid-Kraftwerke. Sie kombinieren die Erdgasvorkommen in der Region mit Solarkraftwerken. In Algerien sollen bei Hassi-R’mel 20 Megawatt aus Sonnenenergie gewonnen werden, im marokkanischen Ain-Ben-Mathar ebenfalls. Die beiden Anlagen werden die ersten Solarkraftwerke in der Sahara sein. Diese Kraftwerke dienen der Stromversorgung des eigenen Landes. Das sollte aus Sicht der arabischen Mittelmeeranrainer vorrangig auch der Ansatz bei Dersertec sein, falls das Projekt verwirklicht wird, das zunächst einmal eine mehrjährige Planungs- und Vorbereitungsphase braucht. „Die Deutschen wollen durch Desertec ihre Technologie verkaufen. Wichtig aber ist, was die Regierungen in Nordafrika dazu sagen. Und die arbeiten in einigen Fällen schon mit spanischen Firmen, die ihre eigene Technologie verkaufen”, erklärt Cayetano Lopez, Generaldirektor des Forschungszentrums für Energien, Umwelt und Technologien (Ciemat), das in Europa als führend gilt. Lopez weiss bescheid, auch wenn sich die nordafrikanischen Regierungen nicht gern in ihre Planungskartyen sehen lassen. „Algerien ist das nordafrikanische Land, das am entschlossensten auf thermosolare Technologie setzt”, sagte Lopez. Das Land wolle bis 2020 solche Produktionsanlagen mit sechs Gigawatt Leistung installieren. Darunter könnten moderne Anlagen sein wie das am 1. Juli eingeweihte solarthermische Kraftwerk Andasol 1 in der spanischen Provinz Granada. Mit einer Leistung von 50 Megawatt zählt Andasol 1 zu den grössten Solarkraftwerken der Welt. Auf fast zwei Quadratkilometern stehen über 600 Parabolrinnen-Spiegel mit einer Fläche von über 500.000 Quadratmetern. Andasol 2 und 3 sind im Bau. Mittelmeerunion dümpelt vor sich hin Die kommerzielle Desertec-Gründung - die Desertec-Stiftung existiert längst und geht auf eine Idee des Club of Rome von 2003 zurück - ist für die französischsprachige Presse Nordafrikas nur eine Randnotiz. Die wichtige algerische Zeitung „El Watan” hat am Montag als Titelgeschichte die ausserordentlich gute Weizenernte. Dem Jahrestag der Gründung der Union für das Mittelmeer widmet sie im Innenteil zwei volle Seiten - überwiegend kritischen Inhalts. Der Solarplan der Union wird mit anderen Projekten erwähnt, aber nicht sonderlich beachtet. Besonders kritisch geht man mit der Politik Israels um. Die Bomben auf Gaza vom Januar hätten auch die Mittelmeerunion beschädigt heisst es. Immerhin haben auch die arabischen Staaten an den Unionstreffen der Umweltminister und der Finanzminister im Juni und Anfang Juli teilgenommen. Die marokkanische Zeitung „Le Matin” befasst sich allein mit der Frage, wer denn nun zum Jahresende Generalsekretär der Mittelmeerunion werden solle. Einen Sitz gibt es schon. Barcelona. Was daran erinnert, dass auch der „Barcelona-Prozess”, der Annäherung der EU und seiner Nachbarn südlich des Mittelmeers bringen sollte, nichts bewirkt hat. Bild: Solarkraftanlage Andasol in Süd-Spanien (Desertec).
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