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Schweiz steigt aus Ilisu aus

Geschrieben von: Oliver Classen, EvB 13.07.09
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Die schweizerische Exportrisikoversicherung erklärte auf ihrer Website den Ausstieg aus dem Ilisu-Projekt. Erstmals in ihrer Geschichte wurde eine bereits bewilligte Bürgschaft wieder gekündigt. Dies lässt auf mehr soziale und ökologische Verantwortung hoffen.

Nun ist es offiziell: Die schweizerische Exportrisikoversicherung (SERV) erklärte auf ihrer Website den Ausstieg aus dem Ilisu-Projekt. Da die beteiligten drei Regierungen stets betonen einstimmig zu entscheiden, wird damit de facto auch der Rücktritt von Deutschland und Österreich von den 2005 geschlossenen Verträgen kommuniziert. Seit fünf Jahren macht sich die Erklärung von Bern (EvB) dafür stark, dass der von der SERV gedeckte Staudamm nur grünes Licht bekommt, wenn die internationalen Weltbank-Standards zum Schutz der 60.000 betroffenen Menschen, der einzigartigen Kulturgüter und der Umwelt gewährleistet sind. Da die türkische Regierung trotz mehrfachen Warnungen und der letzten, gestern abgelaufenen Frist zur Erfüllung von 150 Auflagen ihre Verantwortung nicht wahrgenommen hat, ist der endgültige Ausstieg das einzig richtige Signal.

 

"Mit diesem Schritt bekommt der Schutz von Menschen, Kulturgütern und Natur erstmals Vorrang vor kurzfristigen Wirtschaftsinteressen", freute sich Christine Eberlein von der EvB. Kaspar Haller von der Gesellschaft für bedrohte Völker Schweiz (GfbV) betonte, dass das schlecht konzipierte Projekt vor Ort vor allem deshalb auf massive Ablehnung stösst, weil es der türkische Staat bisher versäumt hat, die grundlegendsten Bedürfnisse der Bevölkerung genügend zu berücksichtigen. "Der Ausstieg der Europäer zeigt den Menschen der Region, dass sie mit ihrer Kritik an diesem Staudammprojekt richtig liegen", resümierte Haller.

Mit der Lösung der Bürgschaften der Exportrisikoversicherungen erlöschen auch die Kreditverträge mit drei europäischen Banken. Damit dürfte es der Türkei trotz gegenteiliger Beteuerungen vorerst nicht möglich sein, das umstrittene Wasserkraftwerk zu finanzieren. Überdies werden ihr damit wohl auch für den Bau weiterer Staudämme staatliche Gelder aus Europa verschlossen bleiben. Die EvB bedauert, dass sich die türkische Regierung nicht an die internationalen Vereinbarungen zur gerechten Entschädigung der betroffenen Menschen halten will und ihre eigene Bevölkerung, Kultur und Umwelt dem Energiehunger opfert. Zugleich herrscht aber auch Freude: "Wenn mit dem Rückzug der Baugelder aus Europa die antike Stadt Hasankeyf erhalten und 60.000 Menschen vor der Vertreibung bewahrt werden, ist das ein Riesenerfolg – auch für die türkische Zivilgesellschaft", so Eberlein

 

Weitere Informationen:

Erklärung von Bern (EvB)
Oliver Classen, Mediensprecher
Tel. 044 277 70 06

 

Bild Frontseite: Eröffnung des Infozentrums in Hasankeyf mit Popstar Tarkan am 14.05.2008. Tarkan unterstützt die Kampagne «Stop Ilisu - Rettet Hasankeyf!» (Stop Ilisu).

 

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