Klimaschutz wird profitabel

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Geschrieben von: Katja Fenkart, Vaduz 13.07.09
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Der Finanzplatz Liechtenstein setzt auf Nachhaltigkeit und will im Emissionshandel Zeichen setzen. Die Klimastiftung Life soll Akteure zusammenbringen und den Klimaschutz im Bewusstsein des Fürstentums verankern.

Der Emissionshandel wird zu einem wichtigen Faktor in der Finanzwelt und hat sich seit 2007 trotz Krise jährlich im Volumen verdoppelt. Eine grosse Chance für einen Finanzplatz wie Liechtenstein, sagt Regierungschef Klaus Tschütscher: „Wenn wir nicht in den Emissionshandel einsteigen, machen wir einen grossen Fehler.” Das kleine Fürstentum geht mit grossen Schritten voraus. Die Einführung eines Emissionshandels- und eines Energieeffizienzgesetzes war nur der Anfang. Eine Stiftung soll nun Tempo in das Geschäft mit der Nachhaltigkeit bringen. Die „Liechtensteinische Initiative des Finanzplatzes im Emissionshandel” (Life) will nachhaltige Investitionen im Land etablieren. Die Klimastiftung Life könnte Schule machen.

Gemeinsam für das Klima

Dabei wird ganz Liechtenstein ins Boot geholt. Denn der Klimaschutz wird mehr und mehr zur Herausforderung für die ganze Gesellschaft, bei der die aktive Teilnahme eines jeden entscheidend ist. Eberhard Jochem, Klimaexperte von der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich und des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) bringt es auf den Punkt: „Wenn man einen Hochleistungssport betreibt, kann man dies nicht von der Couch aus machen.” Und genauso sei es auch mit dem Klimaschutz, die ganze Gesellschaft müsse sich engagieren, um etwas zu bewirken. Liechtensteins kleine Gesellschaft sitzt nicht auf der Couch, sondern wird aktiv. Die neue Stiftung setzt auf eine Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Bevölkerung. „Durch Life soll jeder Liechtensteiner ein nachhaltiges Denken entwickeln”, erklärte Simon Tribelhorn, der Geschäftsführer der Stiftung.

Wissen ist gefragt

Doch es geht auch darum, eine Vorreiterrolle einzunehmen. Stiftungsratspräsident Tschütscher setzt auf die Flexibilität des kleinen Landes: „Wenn wir auf globale Lösungen warten, dann warten wir noch lange.” Wer jetzt Impulse bei marktbasierten Klima- und Umweltmechanismen setzt, habe in diesem Markt später die Nase vorn. Stiftungsträger sind der Liechtensteinische Bankenverband (LBV), die Liechtensteinische Treuhändervereinigung (THV), der Liechtensteinische Anlagefondsverband (LAFV), die Hochschule Liechtenstein sowie die Regierung des Fürstentums. Ihr Ziel konkret: Interessierte Investoren, Anleger, Projektentwickler und Organisationen aus dem In- und Ausland zusammenbringen und eine massgebliche Position am Finanzmarkt einnehmen. Ein wichtiger Aspekt ist auch, die Studenten der Hochschule in viele Projekte miteinzubeziehen. Neue Lösungen und Strategien im Nachhaltigkeitsbereich made in Liechtenstein könnten bald schon heiss begehrt sein.

Banker werden Klimaexperten

Auch die Kompetenz im Land wird in Zukunft wohl immer wichtiger. Denn der Emissionshandel ist komplex und nachhaltige Anlagen nicht immer nachhaltig. Somit müssten Finanzdienstleister in immer stärkerem Masse auch kleine Klimaexperten sein, sagt Reto Ringger, der Gründer und ehemalige Generaldirektor von SAM Sustainable Asset Management. „Es gibt noch viel zu wenig Know How in der Finanzindustrie bezüglich der Analyse von CO2-Risiken und -Strategien.” Wer sich den Markt genau anschaue, der könne erfolgreiche Strategien entwickeln. Auf der Gewinnerseite der nächsten Jahrzehnte sieht er beispielsweise kleine, innovative Unternehmen, die auf niedrigen CO2-Ausstoss setzen. Und kleine, innovative Finanzplätze.

Fürstentum der kurzen Wege

Die Voraussetzungen für Liechtenstein, in der Nachhaltigkeitsnische zu punkten, sind gut: Der Finanzplatz Liechtenstein verfügt über eine ansehnliche Grösse. Etwa 2.214 Finanzintermediäre haben hier ihren Sitz. Mit 16 Prozent der Beschäftigten wird von der Finanzdienstleistungsbranche 29 Prozent des Bruttoinlandproduktes erwirtschaftet. Das Land rühmt sich, dass die Wege kurz sind und die Infrastruktur perfekt für innovative Produkte geeignet ist. Schnell sei ein Bewilligungsverfahren für die Zulassung neuer Produkte durchlaufen und es bestünde ein effektives und günstiges Emissionshandelsregister mit niedrigen Gebühren. Zudem hat die Hochschule Liechtenstein ein internationales Renommee.

 

Foto: Tourismus Liechtenstein

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Alain Schilli
«Eine Low Carbon Society nutzt Ener­gie- und Natur­res­sourcen ef­fizient. Es geht um dauer­hafte Wirt­schaft­lich­keit im Wert­schöpf­ungs­kreis­lauf. Der Klima­wan­del for­dert uns, jetzt zu han­deln und zu in­ves­tieren. Nach­hal­tig­keit.org ist dabei ein wich­ti­ger Ka­ta­ly­sa­tor.»
Alain Schilli,
Stv. Geschäfts­führer myclimate

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