Die neue Umweltschutzgesetzgebung in den USA gibt Entwicklern und Herstellern von Techniken für erneuerbare Energien oder Abgaskontrolle einen neuen Schub. Und die Risikokapitalgeber haben „saubere Technologien“ als neues Investitionsfeld entdeckt.
Üblicherweise stehen die Wasserversorgungsunternehmen in den USA nicht im Verdacht, die Protagonisten tief greifenden Wandels zu sein. Ganz anders in Los Angeles. Dort will das Wasser- und Energiedepartment der Stadt zunächst einmal viel Geld ausgeben und später noch mehr einnehmen. Bürgermeister Antonio Villaraigosa von Los Angeles gab bekannt, dass eine alte Transformatorhalle in Stadtbesitz mit 4,5 Millionen Dollar einen „grünen Nachrüstsatz“ erhalte. Dann soll dort, in Hafennähe, ein Forschungszentrum entstehen, mit dem Schwerpunkt erneuerbare Energien. Für die USA, die auf diesem Feld weit hinter Europa herhinken, eine Gewinnversprechende Investition. Los Angeles setzt auf moderne Techniken Los Angeles hat sich ganz der modernen Technik verschrieben. Schon arbeiten städtische Mitarbeiter Pläne aus, um mit dem Luft- und Raumfahrtunternehmen Caltech und dem NASA Jet Propulsion Laboratory zusammen zuarbeiten, wenn das „grüne“ Forschungszentrum fertig ist. Konkrete Vorhaben sind die genauere Erhebung von Schneefall-, Regen- und Winddaten in den Bergen östlich von Los Angeles, wo in jedem Sommer Busch- und Waldbrände ausbrechen. Ziel ist, bessere Vorsorge zu treffen. Aber das ist nur ein kleiner Ausschnitt des Arbeitsgebietes im neuen „Clean Tech Cluster“. Auf einer Fläche von zweieinhalb Quadratkilometern sollen sich Firmen ansiedeln, die sich mit „sauberen Technologien“ befassen, so hoffen die Stadtväter von Los Angeles. Das reicht von ökofreundlichen Vertriebsfirmen bis zu grünen Herstellern. Richtig und gewinnbringend starten wird das Zentrum wohl erst, wenn die gegenwärtige Rezession zu Ende geht. Verwandte Themen| { Amerika zapft die Sonne an, 02.07.09 } | | { Pelosi macht Druck, 24.06.09 } | | { Erneuerbare werden rentabel, 23.06.09 } | | { Erneuerbare brauchen Google, 22.06.09 } | | { Grünes Wissen sichert Stellen, 28.04.09 } | | { Auch Amerika soll handeln, 23.04.09 } | | { USA werden umweltbewusst , 18.02.09 } | | { Grün bleibt sexy, 21.01.09 } | | { Der Staat ist gefordert, 08.12.08 } | | { Obama setzt auf Erneuerbare , 07.11.08 } |
„Cleantech Clusters“ entstehen an der Westküste Die Idee, solche in den USA als „cleantech clusters“ bezeichneten Öko-Zentren einzurichten, gibt es an der amerikanischen Westküste seit einigen Jahren. Besonders Kalifornien ist traditionell für neue Technologien und verdankt seinen Wirtschaftsboom vergangener Jahre grössenteils diesen Sparten. Mit dem umfassenden neuen Klimaschutzgesetz Präsident Barack Obamas, das unter anderem die Einführung des Emissionshandels in den USA vorsieht, wächst dort die Erwartung, dass als Folge der neuen Regulierungen sich viele neue Geschäftsfelder eröffnen werden. „Gerade jetzt durchläuft eine Gesetzgebung für saubere Energie und Klimaschutz den Kongress. Sie wird neue Möglichkeiten schaffen, neue Arbeitsplätze bei den sauberen Energien und der Beschränkung der klimaschädlichen Abgase“, erklärt Wesley Warren erfreut, Programmdirektor bei der führenden amerikanischen Umweltgruppe Natural Resources Defense Council. Investoren entdecken neue Technologien Immer mehr Investoren interessieren sich weltweit für diese Zentren für saubere Technologien. Trotz der weltweiten Rezession sind immer mehr Geber von Risikokapital bereit, in solche „cleantech clusters“ zu investieren. Das geht aus dem soeben veröffentlichten gemeinsamen Bericht für 2009 über Globales Risikokapital von Deloitte Touche Tohmatsu und des Nationalen Verbandes für Risikokapital (NCVA) hervor. Bei den befragten 700 Risikokapitalgebern gingen 79 Prozent davon aus, dass die Investitionen in fast allen Bereichen in diesem Jahr stabil bleiben würden. Einzige Ausnahme waren die sauberen Technologien. 63 Prozent gingen davon aus, dass hier die Investition von Wagniskapital zunehmen werde. Die Branche kann also davon ausgehen, dass sie in diesem Jahr mehr Kapital bekommt, als die vier Milliarden Dollar, die 2008 in erneuerbare Energien, Emissionskontrolle und ähnliche Bereiche geflossen sind, schätzt man bei der NCVA. „Die Risikokapitalbranche wird sich in den nächsten Jahren wesentlich verändern“, befindet NCVA-Präsident Mark Heesen. Das liege an einer „darwinistischen Schrumpfung“ von Sektoren aufgrund der Rezession und dem Aufstieg innovativer Sektoren wie der sauberen Energie. Öffentliche Finanzen locken Privatkapital an Die Entwicklung bleibt nicht auf die Westküste der USA beschränkt, von der immer wieder technologische Entwicklungen ausgegangen sind. In Boston, im Bundesstaat Massachusetts an der Atlantikküste, haben das weltbekannte Massachusetts Institute of Technology (MIT), Harvard und weitere Universitäten im vergangenen Jahr rund 400 Millionen Dollar für grüne Projekte wie Windkraft- und Sonnenenergienutzung bekommen. Ein Anstieg der Gelder um sieben Prozent gegenüber 2007. Der NVCA-Bericht zeigt, wie wichtig öffentliche Finanzierungen sind, um privates Geld anzulocken. So gesehen, pflanzen die Stadtverwaltung von Los Angeles und die örtlichen Universitäten gerade das Samenkorn, um später viel privates Kapital anzuziehen. „Die Stadt stellt eine Plattform, um eine Menge Technologien zu testen“, sagt John Chen, Direktor beim Wasser- und Energiedepartment der Stadt. „Wir werden sehr, sehr wettbewerbsfähig sein.“ Bürgermeister Villaraigosa hat Kontakte zu dem italienischen Eisenbahnhersteller AnsaldoBreda geknüpft, um eine Fabrik für 70 Millionen Dollar zu errichten. Die italienische Firma verhandelt derzeit mit der Stadt über einen Vertrag zum Bau neuer Schienfahrzeug. Die Fabrik soll 2000 neue, mit mindestens 55.000 Dollar jährlich gut bezahlte Jobs schaffen. Silicon Valley als Mekka der sauberen Technologien San José in Kalifornien – die Kernstadt des Silicon Valley mit seiner Computerindustrie – gilt auch als Mekka der sauberen Technologien in den USA. Vor zwei Jahren hat San José einen Risikokapitalfonds mit drei Millionen Dollar eingerichtet, um grünen Firmengründern zu helfen. Bisher hat der Plan gewirkt. Anfang des Monats eröffnete mit Greenvolt die bisher letzte Firma in San Josés Umweltindustrie Cluster, dessen Anfänge bis 1994 zurückgehen. Mehr als 75 Firmen sind dort tätig. GreenVolts hat sich auf die Herstellung kleinerer Solarpaneele spezialisiert, gibt Eigentümer Bob Cart an. Noch gebe es keinen Markt für seine Entwicklung, gibt Cart zu. Aber er ist sicher, dass in Zukunft die Nachfrage nach keinen, aber ebenso leistungsfähigen Paneelen kommen wird – ein typischer Ansatz, der nur mit Risikokapital umgesetzt werden kann. Seine Risikokapitalgeber haben ihn mit 45 Millionen Dollar ausgestattet. In San José wird das als klare Investition in die Zukunft gesehen. „Wir wollen eben der Forschungs- und Entwicklungsarm unseres Landes sein“, kommentiert Collin O’Mara, in San José verantwortlich für alles, was mit sauberen Technologien zusammenhängt. Bild: Illustration des CleanTech Manufacturing Centers in Los Angeles (Community Redevelopment Agency of the City of Los Angeles).
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