Mit Nabucco aus der Abhängigkeit

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Geschrieben von: Denis Meraru, Bukarest 07.07.09
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Nabucco, Gasleitung, OMV, Baumgarten an der MarchDie lange diskutierte Nabucco-Gasleitung von der Türkei nach Österreich wird gebaut. Die Verträge sollen am 13. Juli in Ankara unterzeichnet werden. Beteiligt sind Unternehmen aus Deutschland, Österreich, Ungarn, Polen, Rumänien und Bulgarien. Mit der Leitung will Europa unabhängiger von russischen Energielieferungen werden. Entsprechend versucht Russland das Vorhaben mit einer eigenen Leitung zu behindern.

Das Projekt der Nabucco-Gasleitung zur Energieversorgung Europas mit Erdgas aus dem Kaspischen Raum steht. Das entsprechende Abkommen soll am Montag kommender Woche, dem 13. Juli, in der türkischen Hauptstadt Ankara unterzeichnet werden, teilte der rumänische Energieminister Adreian Videanu in Bukarest mit. Rumänien ist eines der Transitländer der 3300 Kilometer langen Gasröhre von der Türkei ins österreichische Baumgarten an der March. Das Projekt ist von hohem politischem Interesse, weil es Europa von den russischen Energielieferungen unabhängiger machen soll.

Joschka Fischer als Gegenspieler Schröders

Das Haupthindernis sei überwunden worden, sagte Videanu. Dabei ging es um die so genannten 15 Prozent-Frage der Türkei. Die Türkei hat verlangt, dass ihr 15 Prozent der Endkapazität von 31 Milliarden Kubikmetern Erdgas für den Eigengebrauch oder auch Export gehören müssten. Das Problem sei gelöst, sagte der rumänische Minister, ohne allerdings Einzelheiten preiszugeben.
Politisch soll das Projekt, das grösstenteils durch die Türkei, dann durch Bulgarien, Rumänien und Ungarn nach Österreich führen wird, vom ehemaligen deutschen Aussenminister Joschka Fischer vertreten werden. Wie Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder für den Gegenspieler, die russische Gasprom, wird Fischer für das Konsortium unter der Führung des österreichischen Energieversorgers OMV und des deutschen Partners RWE tätig sein. Sein Vertrag ist zunächst auf Ende 2010 befristet, kann aber verlängert werden. Aufgabe Fischers soll den Angaben die Kontaktpflege und der Dialog mit der politischen Führungsebene der beteiligten Länder sein.

Das Nabucco-Konsortium will die Gasleitungen der Nachbarländer der Türkei an die grosse Transitleitung anschliessen. Vor allem Aserbeidschan kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Neben OMV und RWE gehören zum Konsortium: Botas aus der Türkei, die Bulgarian Energy Holding, Transgaz aus Rumänien und Mol aus Ungarn. Die ursprünglich mit knapp fünf Milliarden Euro angesetzten Kosten des Projekts sollen sich nach neuen Angaben auf inzwischen 7,9 Milliarden Euro (12,0 Milliarden Franken) belaufen.

Russland setzt auf North und South Stream

Ziel von Nabucco ist es, die Abhängigkeit Europas von den russischen Erdgaslieferungen zu verringern. Dagegen will Russland neben der Ostseegasleitung (North Stream), für die Schröder als Lobbyist tätig ist, ganz gezielt die South Stream-Röhre bauen lassen. Sie soll russisches Erdgas durch das Schwarze Meer nach Südost- und Südeuropa führen. Schon aufgrund der Unterwasserverlegung würde dieses Projekt etwa doppelt so teuer wie Nabucco.

Nabucco soll in Erzurum in der Türkei beginnen, wo wie mit der Tabriz-Erzurum-Pipeline verbunden werden soll. Ebenso soll eine Verbindung zu der Südkaukasus-Pipeline entstehen, die dann eine Verbindung zu der geplanten transkaspischen Erdgasleitung herstellt, welche Gas aus Mittelasien nach Westen transportiert. Auch die polnische Gasfirma PGNiG hat schon Interesse angemeldet, sich zur Eigenversorgung an die Nabucco-Linie anzuschliessen.

Erstes Gas soll 2014 fliessen

Baubeginn soll 2011 sein. Das erste Erdgas soll ab 2014 durch die 1,4 Meter dicke Röhren fliessen. Die Anfangskapazität soll bei jährlich acht Milliarden Kubikmetern (bcm) liegen und in einer zweiten Ausbauphase von 2017 bis 2019 auf 31 bcm gesteigert werden.

Die Vorarbeiten für Nabucco haben im Februar 2002 begonnen, mit Gesprächen zwischen der österreichischen Mineralölgesellschaft OMV und dem türkischen Energieversorger Botas. Im Oktober wurde ein Kooperationsabkommen der inzwischen fünf Firmen unterzeichnet.

Das Projekt wurde von Anfang an von der Europäischen Union gefördert. Sie stellte 2003 ein Darlehen in Höhe von 60 Prozent der erwarteten Vorbereitungskosten zur Verfügung. Im Juni 2005 schlossen die fünf Partnerfirmen das Nabucco-Konsortium, im Februar 2008 stiess RWE dazu. Die europäische Kommission entsandte Jozias van Aartsen, ehemaliger niederländischer Aussenminister und heute Bürgermeister von Den Haag, als Koordinator für das Nabucco-Projekt.

Aserbaidschan verdoppelt Produktion

Im Juni vergangenen Jahres wurde der erste Vertrag über die Lieferung von Erdgas aus Aserbeidschan durch die Nabucco-Pipeline nach Bulgarien unterzeichnet. Der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew hat am 29. Januar 2009 bestätigt, dass sein Land seine Gasproduktion in den kommenden fünf Jahren mindestens verdoppeln werde, um Nabucco zu speisen. Aserbaidschan liefert Erdgas aus dem Kaspischen Becken, einer riesigen Lagerstätte.

Der Name Nabucco für das Energieprojekt soll übrigens dadurch entstanden sein, dass die Verantwortlichen nach Unterzeichnung des ersten Vertrages 2003 gemeinsam in Wien Guiseppe Verdis Oper Nabucco angesehen haben sollen.

 

Bild: Gasstation in Baumgarten an der March, Endstation der geplanten Nabucco-Gasleitung (www.nabucco-pipeline.com).

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