Rund 170 Millionen Rinder, Schafe und Schweine werden in den USA gehalten. Ihre Mägen sind wandelnde Gäranlagen, die das klimaschädliche Treibhausgas Methan produzieren. Veränderte Fütterung und Züchtung abgasarmer Kühe sollen helfen.Die Vereinigten Staaten haben in ihrer neuen Begeisterung für „grüne” Politik die Viehhaltung als Klimakiller entdeckt. Die Führer der Welt sollten nicht nur auf Autos und Lastwagen gucken, sondern auch auf Rinder, Schafe und Schweine, verlangen die Umweltschützer in den USA. Aus dem jüngsten Klimaschutzgesetz, das gerade das Abgeordnetenhaus im US-Kongress mit knapper Mehrheit passiert hat und noch vom Senat behandelt werden muss, wurde ein Passus über die Einbeziehung der Landwirtschaft in die Abgasreduzierungsziele der Regierung Präsident Barack Obamas aber in letzter Minute wieder gestrichen. Kampf gegen Blähungen von Kühen erschien den Parlamentariern doch - noch - zu unpopulär. Farmerlobby stoppt Umwelt-EnthusiastenDie amerikanische Farmer-Lobby hat Obama und den demokratisch dominierten Kongress davon abgehalten, neue Regulierungen in das Klimaschutzgesetz zu schreiben, die den Ausstoß von Methan durch Rülpsen und rückwärtige Ventilation der Magen-Darm-Abgase mit Grenzwerten belegt hätten. Immerhin werden in den USA 170 Millionen methanproduzierender Rinder, Schafe und Schweine gehalten. Vor allem die Kühe mit einer Tagesproduktion von mehr als 200 Litern Methangas sind jetzt als potentieller Klimakiller entdeckt worden - eine Diskussion, die in Europa schon vor Jahren geführt worden ist. Immerhin ist Methan angeblich 20 Mal schädlicher fürs Klima als das jetzt auch in den USA per Gesetz bekämpfte Kohlendioxid. Vieh nicht ignorieren„Wir können den Viehbestand nicht ignorieren. Jeder Wirtschaftszweig hat seine Rolle zu spielen”, sagt Frank Mitloehner, Professor an der kalifornischen Universität Davis, der sich auf Abgase von Tieren spezialisiert hat. „Allerdings können die Gesetze, die für die Abgase aus Schornsteinen und Auspuffrohren gemacht sind, bei Rindern nicht funktionieren. Denen kann man keine Mechanismen zur Kontrolle der Umweltverschmutzung einbauen. Und diese Gase kann man nicht einfangen.” Mitloehner hat Kühe in luftdicht abgeschlossenen Räumen untersucht und herausgefunden, dass eine Kuh durchschnittlich bis zu 200 Kilogramm Methan pro Jahr ausstösst. Gemessen wurde das verdichtete, von Luft gereinigte pure Methan-Abgas. Laut Professor Mitloehner ist der beste Weg, diese Zahl zu verringern, den Kühen Futter zu geben, das weniger Gas verursacht, oder aber Rinder zu züchten, die auf natürliche Weise weniger Gas produzieren. Abgasfreundliches FutterIm kleinen Bundesstaat Vermont an der kanadischen Grenze haben 15 Farmen damit experimentiert, ihren Rindern Luzerne und Leinsamen als Futter zu geben, an Stelle der üblichen Fütterung mit Mais und Soja. Auf der Biofarm von Guy Choiniere in Highgate in Vermont haben Wissenschaftler herausgefunden, dass die Herde von 75 Milchkühen durch diese Fütterung 20 Prozent weniger Methan abgaben, die Milchproduktion aber gleich blieb. „Sie sind gesünder”, schwärmt Biobauer Choiniere von seinen Kühen. „Das Fell ist glänzender und ihr Atem ist lieblich.” Begonnen hatte das neue Fütterungsprogramm auf der Stonyfield Farm, dem kommerziellen Ableger eines Schul- und Musterbetriebs. Stonyfield arbeitet mit der Danone-Gruppe zusammen. Seit 2003 wird den Kühen mit Omega-3-Fettsäuren angereichertes Futter verabreicht, das ebenfalls zur Methangasreduzierung beiträgt. „Wenn jeder Milchfarmer in den USA die Abgase um zwölf Prozent reduzieren würde, käme das der Stilllegung von einer halben Million Autos gleich”, sagt Stonyfield-Vizepräsidentin Nancy Hirshberg. Die abgasarme Kuh aus Kanada
Mais und Soja werden aber schwer zu ersetzen sein. Die Regierung subventioniert beide Futtermittel und macht sie dadurch extrem billig. Wissenschaftler in Amerika versuchen auch, Kühe zu züchten, die natürlich weniger Methan absondern. Anfang des Jahres teilte Professor Stephen Moore von der Universität Alberta im kanadischen Edmonton mit, er habe eine Kuh gezüchtet, die 25 Prozent weniger Gas ventiliere. „Wir arbeiten an Diagnose-Markern für effiziente Tiere”, sagt Moore. „Wir hoffen auf die nächste Technologiegeneration, die uns ermöglichen wird, die Genetik eines Tieres durch einen Bluttest oder den eines Haares aus seinem Fell zu bestimmen.” Das jüngst verabschiedete Gesetz über Emissionshandel und Abgasreduzierung nimmt die Kuh-Blähungen von den Grenzwerten für klimaschädliche Gase aus. Vertreter der Landwirtschaftslobby in Washington sagten, solche Begrenzungen hätten die Farmer ruiniert und seien deshalb unpopulär. Die Vertreter der US-Umweltschutzbehörde EPA erläuterten, eine Regelung sei nicht eingeführt worden, weil es zu schwierig sei, diese Abgasproduktion zu kontrollieren. Der US-Senat befasst sich im September mit dem Gesetz. Bild: Yvonne von Hunnius
|