Die neue Internationale Agentur für Erneuerbare Energien wird ihren Sitz in der Ökostadt Masdar bei Abu Dhabi haben. Bonn und Wien haben ihre Bewerbung zurückgezogen und erhalten dafür Unterabteilungen der Agentur. Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten zuvor die Unterstützung zahlreicher Länder auch in Europa für ihre Bewerbung gesichert. Der Agentur gehören inzwischen 136 Länder an. Die Französin Hélène Pelosse wird die erste Generaldirektorin Irenas. Abu Dhabi hat sich ohne Abstimmung als Sitz der neuen Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (Irena) durchgesetzt. An der zweiten Vorbereitungskonferenz der Agentur im ägyptischen Sharm el Sheik zogen die beiden anderen Bewerber, Deutschland für Bonn und Österreich für Wien, ihre Bewerbungen zurück. Im Gegenzug sicherte ihnen Abu Dhabi Unterabteilungen der Agentur zu. Bonn soll künftig das Innovations- und Technologiezentrum erhalten, Wien ein Verbindungsbüro zu UN-Organisationen im Bereich Energie. Der deutsche Umweltminister Sigmar Gabriel, der diesen Kompromissvorschlag vorgebracht hatte, begrüsste denn auch die Einigung. „Eine Kampfabstimmung zwischen den Bewerberstädten hätte den fatalen Eindruck einer künstlich aufgeladenen Nord-Süd-Teilung hinterlassen.“ Deutschland werde den Aufbau des Zentrums in Bonn mit 4 Millionen Euro und den Betrieb mit 2 bis 3 Millionen jährlich unterstützen, hiess es in einer Mitteilung des Bundesumweltministeriums. Auch Österreich versprach, den Aufbau des Verbindungsbüros zu unterstützen, ohne auf die Höhe der Hilfe einzugehen. Keine europäische SolidaritätDer Aussenminister der Emirate, Sheik Abdullah bin Zayed Al Nahyan, begrüsste die Entscheidung. Die Emirate würden den Aufbau und den Betrieb der Organisation wie versprochen unterstützen. Bis 2015 wollen sie Irena 135 Millionen Dollar zur Verfügung stellen. Die Wahl Abu Dhabis war auch möglich geworden, weil in diesem Fall die europäische Solidarität nicht gespielt hat. Zu den Ländern, welche die Emirate offen unterstützt hatten, gehört unter anderem Frankreich, auf dessen Hilfe auch Deutschland gebaut hatte. Auch Spanien, dessen Kandidatur erwartet worden war, war gar nicht erst angetreten. Stattdessen unterstützten die Emirate mit dem „European Future Energy Forum“ in Bilbao Anfang Juni eine Branchenmesse auf spanischem Boden. Zu den Ländern, die Abu Dhabi unterstützt haben, dürfte auch Grossbritannien gehören. Dessen Premier Gordon Brown war im vergangenen Jahr nach Abu Dhabi gekommen, um Investitionen des Emirats in die Umwelt- und Erneuerbare-Energien-Industrie seines Landes zu erbitten. Nur Dänemark hatte Deutschland offen unterstützt und die Kandidatur Kopenhagens zugunsten eines europäischen Standorts zurückgezogen. Abu Dhabi war im Januar als Aussenseiter gestartet. Als die Vereinigten Arabischen Emirate im Januar die Bewerbung ihrer Hauptstadt als Sitz für die neue Internationale Agentur für Erneuerbare Energien bekannt gab, schienen sie kaum Aussicht auf Erfolg zu haben. Zu klar waren die Emirate mit Öl und Gas verknüpft. Der ökologische Fussabdruck der Emirate ist der grösste der Welt. Der einzige Trumpf: Masdar. Bereits Anfang 2006 hatte Abu Dhabi angekündigt, eine Ökostadt bauen zu wollen, die ihre Energie aus erneuerbaren Quellen bezieht, kein Kohlendioxid ausstösst und keinen Abfall produziert. Insgesamt sollen dabei in den nächsten Jahren 22 Milliarden Dollar, davon 15 Milliarden an staatlichen Geldern fliessen. Masdar soll zu einem globalen Zentrum der erneuerbaren Energien werden, mit Forschungs- und Produktionseinrichtungen. Das Emirat setzte dabei von vornherein auf Partnerschaften mit den führenden Unternehmen und Hochschulen. So wird die Universität von Masdar gemeinsam mit dem Massachusetts Institute for Technology aufgebaut. Zu den Unternehmen, die in Masdar bauen oder bauen wollen, gehören klassische Ölunternehmen wie BP ebenso wie klassische Anlagenbauer wie Siemens und ABB, Photovoltaikhersteller wie Applied Materials und Oerlikon Solar. Die Schweiz bemüht sich sogar, im Zentrum Masdars ein „Swiss Village“ zu errichten, ein Quartier für Schweizer Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Investitionen in aller WeltDer World Future Energy Summit, der im Januar bereits zum dritten Mal stattfinden soll, will das Davos der erneuerbaren Energien werden und ist zugleich eine der grössten Branchenmessen ausserhalb der Industrieländer. Masdar beschränkt sich nicht darauf, Unternehmen und Hochschulen anzuziehen. Es geht zugleich als Investor in die Industrieländer. Der erste Masdar-Beteiligungsfonds in Höhe von 250 Millionen Dollar, verwaltet von der Credit Suisse, ist bereits investiert. Nun kommt ein zweiter Fonds in ähnlicher Höhe. In Deutschland unterhält Masdar mit Masdar PV auch eine Tochtergesellschaft, die ab Herbst bei Erfurt Photovoltaikanlagen herstellen wird. Deutschland hatte lange damit gerechnet, als Initiator von Irena und als eines der eigentlichen „Heimatländer“ der erneuerbaren Energien eine Art Geburtsrecht auf den Standort der Agentur zu haben. Immerhin war Irena Ende Januar in Bonn gegründet worden. Bonns Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann tröstete sich nun mit dem Technologiezentrum. „Mit Hilfe der finanziellen Förderung des Bundesumweltministeriums und mit den Unternehmen, Institutionen und Forschungseinrichtungen, die in unserer Region zuhause sind, werden wir die internationale Technologieentwicklung für erneuerbare Energien kräftig voranbringen." Französin wird erste Generaldirektorin Für Frankreich hat es sich gelohnt, die Vereinigten Arabischen Emirate unterstützt zu haben. Seine Kandidatin Hélène Pelosse wurde am Dienstag zur ersten Generaldirektorin der Organisation gewählt. Die 39-Jährige ist bisher stellvertretende Kabinettschefin des französischen Energie- und Klimaministers Jean-Louis Borloo. Sie setzte sich gegen Wettbewerber aus Spanien, Griechenland und Dänemark durch. Nigeria hatte seine Kandidatur bereits zuvor offensichtlich zugunsten des Sitzes in Abu Dhabi zurückgezogen. Rechtzeitig zur Konferenz in Sharm el Sheik waren zwei Dutzend weitere Länder der Organisation beigetreten. Deren Mitgliedszahl erhöhte sich damit bis Montag auf 136 Mitglieder. Zu den Neuankömmlingen gehören Schwergewichte wie die Vereinigten Staaten, Japan und Grossbritannien. Von den grossen Staaten der Welt fehlen nun noch China, Russland und Brasilien. Auch auffallend viele Kleinststaaten traten kurz vor der Abstimmung am Montag bei, darunter Fidschi, Kiribati, Palau Samoa, Swasiland, Tonga und Vanuatu. Bild: Computersimulation der Ökostadt Masdar bei Abu Dhabi (Foster and Partners).
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