Zwar hatte Pipelinebetreiber NordStream Beeinträchtigungen der Meeresumwelt festgestellt, diese aber durchweg als unerheblich deklariert. Als Fazit der ersten zwei Anhörungstage fasst WWF-Ostseeexperte Jochen Lamp zusammen: „Der WWF erkennt an, dass NordStream mit grossem Aufwand qualitativ hochwertige Untersuchungen vorgelegt hat. Zugleich haben die bisherigen Erörterungen gezeigt, dass NordStream kein Konzept hat, wie die festgestellten Umweltbeeinträchtigungen im Meeresbereich ausgeglichen werden können.“ Dies sei jedoch für eine Genehmigung der Anträge zwingend notwendig. Auch die Folgen für die internationalen Schutzgebiete des NATURA 2000 Netzwerkes werden nach Angaben von WWF und BUND von erheblichem Ausmass sein. „Die Lebensräume und die Tier- und Pflanzenarten könnten langfristig in ihrem Bestand gefährdet sein“, warnt Jan Barkowski vom BUND. Insbesondere das Eingraben der Pipeline in den Greifswalder Bodden und die Einrichtung einer Klappstelle vor Usedom werden nach Angaben der Umweltverbände erhebliche Auswirkungen auf die Ökosysteme haben. Die vorgeschlagenen Massnahmen in diesem Bereich seien derart vage und unverbindlich formuliert, dass sie schon vor einer rechtlichen Überprüfung scheitern dürften. Teilweise wurden dort Pflegemassnahmen für die Schutzgebiete, zu denen das Land ohnehin verpflichtet ist, zu Ausgleichsmassnahmen deklariert. Nicht im Detail erörtert wurden die Bedenken, die den Gesamtverlauf der Pipeline von Russland bis Deutschland betreffen. Hier geht es vor allem um zusätzliche Nährstoffbelastungen der Ostsee in Folge der Bodenarbeiten, um Munition am Meeresboden und Veränderungen des Ostseegrunds. Diese Fragen wurden zuvor zwischen den staatlichen Stellen unter Ausschluss der Umweltverbände beraten. Schweden und Finnland hatten die Unterlagen als nicht zureichend zurückgewiesen und mehr Bearbeitungszeit gefordert. Vor allem die russische Umweltverträglichkeitsprüfung war der Öffentlichkeit erst zwei Tage vor den Anhörungen in Deutschland zugänglich gemacht worden.
Weitere Informationen: WWF Deutschland
Bild: Jasmunder Kreideküste an der Ostsee (Annika Magdorf, WWF) |