Klimawandel trifft Wirtschaft hart

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Geschrieben von: John Dyer, Boston 18.06.09
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Alle zehn Jahre erstellt die US-Regierung einen Bericht über die Folgen des weltweiten Klimawandels auf die USA. In der jetzt veröffentlichten Studie wird auf die Folgen der Erderwärmung für die Wirtschaft des Landes - nicht nur Landwirtschaft - hingewiesen.

In Alaska wird der Permafrost, der dauergefrorene Boden, rascher auftauen. Die amerikanische Ostküste mit New York wird regelmässig von schweren Überschwemmungen heimgesucht werden. In Kalifornien werden traditionelle Ernten wie Mandeln, Feigen oder Oliven verschwinden, wenn sich die Wüste im Westen immer mehr ausbreitet. Düstere Aussichten malt der jüngste Regierungsbericht über die Auswirkungen des globalen Klimawandels auf die USA. Neu ist allerdings die Erkenntnis, dass die Erderwärmung nicht nur - wie bekannt - Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion beeinträchtigen wird, sondern auch andere Wirtschaftszweige, vom Transport über Versicherungen bis zu Fremdenverkehr und Energieversorgung.

Drastische Massnahmen nötig

Der jüngste Bericht „Globaler Klimawandel und seine Auswirkungen auf die Vereinigten Staaten” ist am Dienstag in Washington veröffentlicht worden. Die 190 Seiten starke Studie hält fest, dass die USA unter den Treibhausemissionen zu leiden haben wird, auch wenn das Land sofort drastische Massnahmen zur Verringerung des Ausstosses von Schadgasen wie Kohlendioxid ergreifen sollte. Die Anpassungsfähigkeit der gesamten Gesellschaft werde gefordert, heisst es in dem Papier, besonders das schon jetzt angeschlagene Transportwesen, die Energieversorgung, aber auch die Sicherstellung der öffentlichen Gesundheit.

Erstellt wird der Bericht von einer Gruppe Wissenschaftlern in Regierungsdiensten, die zum „United States Global Change Research Program” zusammengefasst sind. Die Studie ist schon unter der Regierung von Präsident George W. Bush begonnen, aber jetzt erst fertig gestellt worden. Sie ist Bestandteil eines Beobachtungsprozesses weltweiter Entwicklungen, der in den USA in den 90er Jahren begonnen hat und alle zehn Jahre einen aktualisierten Bericht erstellt.

Kritiker widerlegt

Die Veröffentlichung kommt genau zu dem Zeitpunkt, zu dem Präsident Barack Obama mit dem US-Kongress über die Einführung eines Emissionshandelssystems verhandelt. Damit sollen in den nächsten Jahrzehnten die Schadstoffemissionen begrenzt werden. Das System, nach europäischem Vorbild, wird den Handel mit Rechten zur Abgabe von Schadstoffen voraussichtlich an einer speziellen Börse etablieren.

Noch immer gibt es in den USA viele Kritiker, die nicht an einen dauerhaften Klimawandel glauben. Professor William Gray von der Colorado State University hält ganz natürliche Schwankungen im Salzgehalt der Ozeane für den Auslöser aktueller Klimaphänomene. „Ich denke, wenn wir in zehn, 15 oder 20 Jahren zurückblicken, und wir dann mehr wissen, dann werden wir erkennen, dass alles eine masslose Übertreibung war”, meinte der emeritierte Professor.

Der Bericht der US-Regierung sollte solche Kritiker ruhig werden lassen. Die Durchschnittstemperaturen stiegen schon jetzt deutlich an, erklärt Mit-Autor Anthony Janetos von der Universität Maryland. „Das ist keine Theorie, was in 50 Jahren geschehen wird. Es passiert jetzt”, so Janetos.

Aufgrund der höheren Temperaturen gebe es bald regelmässig Wetterphänomene, die bisher als Ausnahmen galten. Etwa die so genannten „Jahrhundertstürme”. Sie und die damit einhergehenden Überschwemmungen führten zu Beeinträchtigungen und Gefahren für das Verkehrswesen. Dem müsse die Infrastruktur mit teuren Baumassnahmen angeglichen werden.

Wachsende Risiken

Neben dem Transportwesen werden weitere von den Auswirkungen des Klimawandels betroffene Wirtschaftszweige Versicherungen, Freizeit- und Tourismus sowie ganz besonders die Energiewirtschaft sein. Auf die Versicherungen, vor allem jene mit staatlichem Auftrag und staatlichen Garantien, kommen grosse Herausforderungen zu. „In einem durchschnittlichen Jahr sind 90 Prozent der weltweiten Versicherungsfälle bei Katastrophen auf das Wetter zurückzuführen”, heisst es in dem Report. Die grösseren Gefahren durch extremere Wetterlagen und der Rückzug der privaten Versicherer aus einem solchen Markt „bringen wachsende finanzielle Risiken für die Bundesregierung als Letzt-Versicherer mit sich.”

Fremdenverkehr und Freizeit sind längst zu einer milliardenschweren Industrie geworden. Sie werden voraussichtlich ebenfalls zu leiden haben - vor allem in den traditionellen Wintersportgebieten, aber auch an den immer stärker sturmgeplagten Stränden.

Die Energiewirtschaft wird sich umstellen müssen auf das Kühlen von Häusern und Betrieben und weniger auf das Heizen. Wobei die erwarteten Überschwemmungen ausgerechnet in den Ballungsgebieten an den Küsten eine besondere und teure Herausforderung werden könnten, weil Umspannwerke und Transformatoren umfangreicher geschützt werden müssen als bisher.

 

Bild: Der Wirbelsturm Katrina hat 2005 auch dieses schwimmende Kasino an der Küste des US-Bundesstaates Mississippi zerstört (Münchener Rück).

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