«Life» steht für «Liechtensteiner Initiative der Finanzbranche im Emissionshandel». Die auf Anfang des Jahres gegründete Stiftung will den Finanzplatz Liechtenstein mit Innovationen in der Klimapolitik profilieren. Für Regierungschef und Stiftungsratspräsident Klaus Tschütscher sind Ökonomie und Ökologie keine Gegensätze. Er setzt dabei verstärkt auf Partnerschaften zwischen Wirtschaft und Staat.Günther Fritz:Herr Regierungschef, Ende Mai wurde die anfangs 2009 ins Leben gerufene «Life Klimastiftung Liechtenstein» erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Warum gerade jetzt?
Klaus Tschütscher:Der Klimawandel ist und bleibt eine der zentralen Herausforderungen der Gegenwart, nicht nur global betrachtet, sondern auch für Liechtenstein als Kleinstaat. Wir haben uns dieser Verantwortung zu stellen, gerade auch in der jetzigen Zeit. Denn nicht unerwartet ist dieses Thema aufgrund der internationalen Wirtschaftskrise in der öffentlichen Wahrnehmung derzeit etwas in den Hintergrund gerückt. Hier nun ein Projekt zu präsentieren, das einerseits schon länger in Planung stand, und andererseits ein deutliches Zeichen der bewussten Sensibilisierung zu setzen, das war unser Ziel. Günther Fritz:Wie ist es dazu gekommen, dass Sie dieser gemeinnützigen Stiftung als Präsident vorstehen? Klaus Tschütscher:Während der letzten vier Jahre hat sich die Regierung intensiv mit der Klima- und Energiepolitik auseinandergesetzt, ein paar wesentliche Initiativen durfte ich als Wirtschaftsminister selbst mitbegleiten. Dabei haben wir erkannt, dass Ökonomie und Ökologie keine Gegensätze sind. Im Gegenteil. Wir haben deshalb die Strategie verfolgt, dass auch marktwirtschaftliche Mechanismen im Bereich des Klima- und Umweltschutzes genutzt werden sollten. Verwandte Themen| { Verantwortung mit Profit, 02.06.09 } | | { Klimagipfel der Wirtschaftsführer, 27.05.09 } | | { Heisse Luft als heisses Geschäft, 19.05.09 } | | { Wie eine Krise der anderen hilft, 13.05.09 } | | { Impulse kommen aus der Wirtschaft, 08.05.09 } | | { Nachfrage nimmt wieder zu, 08.05.09 } | | { Erneuerbares Liechtenstein, 09.04.09 } | | { Versichert in den Klimawandel, 31.03.09 } | | { Gegen den Klimawandel versichern, 30.03.09 } | | { Ab 2010 geht es weiter, 05.02.09 } | | { Klimaabkommen hat Vorrang, 28.01.09 } | | { Der Schock lässt nach, 04.12.08 } |
Vor diesem Hintergrund wurde das neu geschaffene Emissionshandelsgesetz derart ausgestaltet, dass auch die heimische Wirtschaft von diesen internationalen Mechanismen soll profitieren können. Mit der «Life Klimastiftung Liechtenstein» wird dieses Vorhaben nun konkret umgesetzt, was ich nicht nur als ehemaliger Wirtschaftsminister, sondern auch in meiner neuen Funktion als Regierungschef und Finanzminister voll und ganz unterstütze. Darin erkennt man meine Motivation, die «Life Klimastiftung Liechtenstein» zu präsidieren. Günther Fritz:Weshalb wurde die «Liechtensteinische Initiative des Finanzplatzes im Emissionshandel» gerade in eine gemeinnützige Stiftung nach liechtensteinischem Recht überführt? Klaus Tschütscher:Mit der «Life Klimastiftung» geben wir der Initiative klare Konturen und ein Gesicht, um nach aussen auftreten zu können. Dies ist mit dem Gefäss einer liechtensteinischen Stiftung am besten möglich. Gleichzeitig können wir damit gerade auch im Hinblick auf das teilweise verzerrt dargestellte Image der liechtensteinischen Stiftung einen positiven Akzent setzen und zeigen, dass sich die liechtensteinische Stiftung gerade für gemeinnützige Aufgaben sehr gut eignet. Günther Fritz:Und warum wurde die Stiftung in einer Partnerschaft mit der Wirtschaft aufgestellt? Klaus Tschütscher:Weil es im Leben keine Eindimensionalität gibt. Was ich soeben zur Ökonomie und Ökologie gesagt habe, kann ich eins zu eins auf die Beziehung von Politik und Wirtschaft übertragen. Es sind keine Gegensätze! So wie alle erwarten, dass wir zur Bewältigung der Folgen der aktuellen Wirtschaftskrise eine enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit pflegen, so werden wir in Zukunft nach meinem Dafürhalten für viele zentrale Aufgaben auf diese Art der Zusammenarbeit angewiesen sein. Erfolgreich wird es nur im gelebten Miteinander gehen. Günther Fritz: Sie sind also offenbar ein Anhänger von sogenannten Private Public Partnerships? Klaus Tschütscher:Ja, und deshalb freue ich mich auf die gemeinsame Arbeit mit dem Bankenverband, der Treuhändervereinigung, dem Anlagefondsverband und der Hochschule Liechtenstein in der «Life Klimastiftung». Diese Art des Zusammenwirkens könnte Modellcharakter für andere Bereiche haben. Wo immer sinnvoll, werde ich dies vorschlagen und einfordern. Günther Fritz:Worin bestehen die konkreten Zielsetzungen der von Ihnen präsidierten «Life Klimastiftung Liechtenstein»? Klaus Tschütscher:Unsere Zielsetzung ist eine klare und einfache zugleich. Wir wollen die mit dem Emissionshandelsgesetz zur Verfügung gestellten marktbasierten Klima- und Umweltmechanismen zum Erreichen der Kyoto-Ziele für Liechtenstein fördern und damit Innovationen unterstützen. Dazu setzen wir auf Bewusstseinsbildung und Wissenstransfer, indem wir Vertreter aus Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft an einen Tisch bringen wollen. Ich bin überzeugt, dass es uns mit diesem Vorgehen gelingt, die Ziele der Stiftung möglichst schnell zum Leben zu erwecken. Günther Fritz:Welche Standortvorteile kommen der Stiftung bei der Realisierung ihrer Ziele zugute? Klaus Tschütscher:Der offene Zugang zum EU-Emissionshandel, das auf dem Platz vorhandene Wissen sowie der Innovationsgeist der Finanz- und Fondsbranche, ein attraktives steuerliches Umfeld sowie rasche Bewilligungsverfahren für die Zulassung von neuen Produkten, das sind alles ideale Voraussetzungen. Zudem verfügen wir über ein im Vergleich mit anderen Staaten sehr effektives und günstigstes Emissionshandelsregister. Günther Fritz:Inwieweit kann Klimaschutz aus Sicht des Finanzplatzes wirtschaftlich attraktiv und damit auch für Sie als Finanzminister interessant sein? Klaus Tschütscher:Zugegeben, wir bewegen uns in einem neuen, bislang unbekannten Gebiet. Gleichzeitig befinden wir uns wirtschaftlich in einem tiefgreifenden Strukturwandel. Die Geschichte hat immer wieder gezeigt, dass genau in solchen Zeiten die genialsten Ideen geboren werden. Ideen, für die in fetten Jahren leider kaum jemand Gehör fand, bekommen plötzlich eine Chance. Deshalb bin ich überzeugt, dass der Finanzplatz im Bereich Klimaschutz und Emissionshandel neue, erfolgreiche Betätigungsfelder findet. Günther Fritz:Mit welchen Aktivitäten wird die Stiftung nun im Weiteren auf sich aufmerksam machen? Klaus Tschütscher:Wir beginnen in naher Zukunft mit einer Veranstaltungsreihe, welche sich der Thematik Finanzen, Klima und Energie widmen wird. Dabei werden liechtensteinische und internationale Experten aus der Finanz- und Umweltbranche mögliche Wege in einer von nachhaltigen Werten geprägten Finanzwelt aufzeigen. Die erste Veranstaltung findet am 9. Juli 2009 an der Hochschule Liechtenstein statt. Günther Fritz:Wo wollen Sie die «Life Klimastiftung Liechtenstein» in fünf Jahren positioniert sehen? Klaus Tschütscher:Als glaubwürdigen Partner, der in der Bevölkerung und bei den Finanzplatzteilnehmern fest verankert ist. Dies, indem wir die Bewusstseinsbildung konsequent vorantreiben und aufzeigen, dass Klimaschutz zwar eine globale Herausforderung darstellt, jedoch im Kleinen, also bei jedem zu Hause, ansetzen muss. Frei nach dem Motto: Think global and act local! Zur Person: Klaus Tschütscher ist seit Frühjahr 2009 Regierungschef des Fürstentums Liechtenstein. Zuvor war der Politiker der Vaterländischen Union Wirtschaftsminister. Der 1967 geborene Tschütscher hat an der Universität St. Gallen studiert und war später Leiter des Rechtsdienstes der Liechtensteinischen Steuerverwaltung. Bild: Regierungschef Klaus Tschütscher, Präsident des Stiftungsrats der «Life Klimastiftung Liechtenstein» Das Interview ist zuerst am 13. Juni im Liechtensteiner "Vaterland" erschienen.
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