Der Tourismus wird zunehmend grün und geht mit dem Trend: hin zu Langsamkeit, Identität und Naturerlebnissen und einer Emotionalisierung des Angebots. Als Aushängeschild der Schweizer Wirtschaft ist die Tourismusbranche einer der grössten Arbeitgeber. Er bietet Aufgaben für Menschen unterschiedlicher Vorbildung und Herkunft. Dementsprechend ist das Ausbildungsangebot vielfältig, wenn auch im Bereich des naturnahen Tourismus noch recht übersichtlich.Am 1. April landete Schweiz Tourismus mit dem Werbespot der «Felsenputzer» in der Top 10-Liste der internationalen Medien. Als Folge der Image-Kampagne – ein Aprilscherz – bewarben sich Tausende Personen für das einwöchige Felsenputzer-Camp. Warum hat das Angebot eines Arbeitslagers im Fels eine solch immense Nachfrage? Diese Frage stellen sich Sportorganisatoren wie auch Touristiker. Denn beide Berufsgruppen wollen vor allem eines: ihren Kunden unvergessliche Erlebnisse anbieten. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Emotionalisierung des Angebots, ist Alfred Wittwer, Bereichsleiter Sport-, Freizeit- und Tourismusentwicklung bei sanu in Biel, überzeugt.
Entschleunigung als TrendUm dies zu erreichen, muss man zukünftige Trends und die sich stetig ändernden Ansprüche und Bedürfnisse der Menschen kennen. Sie suchen vermehrt die Gegenteile: Ortsbindung anstelle von Ortslosigkeit, Langsamkeit und Musse anstatt Geschwindigkeit, Biologische Nahrungsmittel und Slow Food anstelle von Fast Food. Die zukünftigen Statusgüter werden Ruhe, Zeit, intakte Umwelt, Sinn und Glück sein, der wahre Luxus von Morgen ein abendlicher Spaziergang entlang eines renaturierten Bachlaufs. Verwandte Themen| { Neustart nötig, 13.05.09 } | | { Klimawandel im Wald sichtbar, 06.05.09 } | | { Grünes Wissen sichert Stellen, 28.04.09 } | | { Mehr Wildnis, 01.04.09 } | | { Mit Bio durch die Krise, 25.03.09 } | | { Grüner Genuss, 02.03.09 } | | { Mode für den Müll, 23.02.09 } | | { Wir brauchen das kollektive Glück, 29.01.09 } | | { Christkind liebt die Umwelt, 09.12.08 } | | { Wohlstand dank Ökologie, 02.12.08 } | | { Immergrüne auf dem Vormarsch, 29.09.08 } | | { Palmen im Wald, 26.09.08 } |
Erfolgreiche touristische Anbieter treffen heute meist die Sehnsüchte nach wahren Werten wie Identität, Entschleunigung, Sicherheit und Ruhe. Ähnliche Wege gehen die neu entstehenden Pärke von Nationaler Bedeutung, wozu auch der Parc Chasseral gehört. Sie inszenieren kleine und feine touristische Angebote und tragen somit dazu bei, aussergewöhnliche natürliche Lebensräume oder Landschaften von besonderer Schönheit zu schützen und aufzuwerten. Die einzelnen Orte sind auf einen bescheidenen Tourismus angewiesen, der die Menschen, ihre Kultur, die Landschaft und die einheimischen Produkte ins Zentrum rückt. Gleichzeitig begünstigen die Pärke die wirtschaftliche Entwicklung einer Region. Denn die Tourismusbranche ist ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsmotor und Arbeitgeber. Der Tourismus in der Schweiz schafft über 300’000 Arbeitsplätze und generiert 46 Milliarden Franken an direkter und indirekter Wertschöpfung. Die meisten Arbeitsstellen sind in Hotellerie und Restauration zu finden, aber auch Reisebüros und andere tourismusrelevante Bereiche sind nicht zu vernachlässigen, wie beispielsweise die Touristinformationen, Meeting- und Eventkoordinatoren, Wellnessanbieter oder der Transportbereich mit Seilbahnen, Schiffahrt und Busbetrieben. Das Berufsfeld Tourismus bietet somit Aufgaben für Menschen mit ganz unterschiedlichen Vorbildungen und unterschiedlicher Herkunft, in grösseren Städten oder im ländlichen Gebiet. Dank hoher Durchlässigkeit können sich auch Quereinsteiger in vielen Bildungsinstitutionen das nötige Fachwissen aneignen. Im Gegensatz zu vielen anderen Berufszweigen ist ein möglicher Aufstieg nach oben meist unabhängig von einem Hochschulabschluss. Eine wichtige Anforderung für die Branche ist die Bereitschaft und die Lust, auf die Anliegen von Kunden einzugehen. Weiterbildung im TourismusDie Aus- und Weiterbildungsangebote in der Tourismusbranche sind sehr ausgeprägt. Es gibt die fünf renommierten Fachhochschulen - Bellinzona, Luzern, Samedan, Sierre und Zürich - mit mehrjährigen Ausbildungen und kürzeren Fortbildungen. Daneben finden sich zahlreiche Weiterbildungen von kleineren Anbietern. Im Bereich der Gastronomie und Hotellerie bietet die Schweiz Hotelfachschulen mit internationalem Renommé. Für das stark anwachsende Segment Naturtourismus sind die Bildungsangebote noch recht übersichtlich. Da ist der zweijährige Masterstudiengang «Erlebnismanagement» der Academia Engiadina in Samedan. Er richtet sich vor allem an Personen, die diesen Bereich von Grund auf kennenlernen und sich darauf spezialisieren möchten. Daneben bietet die Sanu mit Sitz in Biel einen sechstägigen, praxisorientierte Kurzlehrgang «Tourismus. Ganz natürlich» an. Der Sanu-Kurzlehrgang vermittelt Berufsleuten in touristischen Arbeitsfeldern den konzentrierten Überblick und die notwendigen Handwerkzeuge für die naturnahe Ausrichtung ihrer Tourismusangebote. Für naturverbundene Wanderer bietet sich die Ausbildung zum Wanderleiter an. Wanderleiter führen ihre Kundschaft sicher und erlebnisreich durch die Berge. Ihre Geschichten, Anekdoten und Kenntnisse verleihen der Landschaft eine vierte Dimension und machen das Wandern zum Erlebnis – ganz dem Trend der Emotionalisierung von touristischen Angeboten entsprechend. Zur Person: Sebastian Tomczyk ist Junior-Projektleiter von sanu - Bildung für nachhaltige Entwicklung in Biel.
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