Zürich will ein Juwel

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Geschrieben von: Holger Bazali, Dübendorf 09.06.09
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Dübendorf - Der Flugplatz Dübendorf ist ein Edelstein, der zum Juwel geschliffen werden müsse. So bezeichnete der Zürcher Baudirektor Markus Kägi die letzte grosse strategische Landreserve des Kantons Zürich, als er am Montag die ersten Resultate der Testplanung an der Medienkonferenz präsentierte. Doch noch ist offen, ob das Verteidigungsdepartement das Gelände überhaupt aus der Hand geben will.

Für den Flugplatz Dübendorf wird nach einer neuen Nutzung gesucht. Das 234 Hektar grosse zusammenhängende Gelände, welches durch die unmittelbare Nähe zur Stadt und Flughafen Zürich sowie durch die Glatttalbahn gut erschlossen ist, soll aber nicht durch eine übliche Mischnutzung von Dienstleistungs- und Wohnflächen vergeudet werden. „Nicht mehr vom Gleichen“ so die klaren Worte des Zürcher Baudirektors Markus Kägi. Vielmehr will die Kantonsregierung diese Fläche für „Sondernutzung im kantonalen und nationalen Interesse“ reservieren. Was konkret damit gemeint ist wurde aber nicht ausgesprochen. Dies herauszufinden war dann auch eine der Aufgaben der vom Kanton 2007 initiierten Testplanung.

Auslegeordnung für die Zeit nach 2014

Hierzu beauftragte der Kanton vier Planungsbüros aus der Schweiz und dem Ausland, welche je 100'000 Franken erhielten, um ihre Vorstellung bezüglich der zukünftigen Entwicklung des Areals zu erarbeiten. Der Prozess wurde von einem Begleitgremium unter der Führung von Bernd Scholl, Professor für Raumentwicklung an der ETH, beaufsichtigt. Das Resultat und die Empfehlungen sollen eine „saubere“ Auslegeordnung als Grundlage für verbindliche Rahmenbedingungen einer zukünftigen Nutzung schaffen. Weil aber immer noch unklar ist, ob die Luftwaffe 2014 das Land für eine neue Nutzung frei gibt und zum anderen in wie weit die aviatische Nutzung noch Bestand hat, mussten die Planungsbüros je eine Variante mit und eine ohne aviatische Nutzung erarbeiten.

"Einmalige Chance"

"Die Wirtschaftsinitiative Nachhaltigkeit Schweiz (SSI) begrüsst die heute kommunizierten Schlussfolgerungen des Zürcher Regierungsrates in Bezug auf die Testplanung um den Flugplatz Dübendorf. Sie stimmt mit dem Regierungsrat überein, dass das Areal ein ‚Juwel’ von strategischer Bedeutung darstellt und eine einmalige Chance bietet, die sorgfältiger Planung bedarf und nicht durch kurzsichtige Partikularinteressen vertan werden darf. Der Vorschlag, das Areal einer Sondernutzung zuzuführen steht ganz im Sinne der SSI Entwicklungsstrategie. SSI ist überzeugt, dass der von ihr vorgeschlagene Projektfokus, ein Innovationspark im Bereich Nachhaltigkeit/Clean Tech & Services, sowohl wirtschaftlich als auch sozial und ökologisch die attraktivste Nutzung für das Flugplatzareal Dübendorf darstellt."

aus der Stellungnahme der Wirtschaftsinitiative Nachhaltigkeit Schweiz

Bitte ohne Flugbetrieb

Aus der Sicht der Planer hat der Flugbetrieb allerdings keine Zukunft mehr. Alle Büros empfahlen denn auch eine Nutzung ohne Jet-Betrieb. Sie machten deutlich, dass für jegliches weiteres Vorgehen die bald geklärt werden müsse, ob auf dem bisherigen Flugplatz weiter geflogen werden soll. Diesen Entscheid will die Regierung noch bis Jahresende fällen, dann sollen die Grundlagen der Rahmenbedingungen formuliert sein. Während sich die Baudirektion mit der vertieften Fragestellung auseinander setzt, klärt die Volkswirtschaftsdirektion die zivile Flugnutzung ab und die Bildungs- und Gesundheitsdirektion prüft verschiedene Sondernutzungen. Diese Resultate sollen dann bis Ende 2009 in den kantonalen Richtplan einfliessen. Erst nach Vorliegen der planungsrechtlichen Rahmenbedingungen lässt sich mit dem Bund klären ob und welche Teile des Flugplatzes veräussert, im Baurecht abgegeben oder verpachtet werden.

"Positives Signal"

"Die Initianten eines nationalen Innovationsparks werten die Aussagen des Zürcher Regierungsrates als positives Signal: Die Zürcher fordern das VBS und Bundesrat Ueli Maurer auf, mit grosser Dringlichkeit und bis Ende 2009 zu klären, ob das Flugplatzareal künftig für flugbetriebliche Zwecke genutzt werden soll. Erst mit einem definitiven Entscheid des VBS kann die weitere Planung vorangetrieben werden. ... Zwar äusserte sich der Regierungsrat in der Medieninformation leider nicht konkreter hinsichtlich eines Innovationsparks, er bestätigt aber immerhin, dass er das Flugplatzareal als strategische Reserve ansieht; er will die Fläche für hochwertige Sondernutzungen mit kantonaler bzw. nationaler Ausstrahlung reservieren. Ein Schweizer Innovationspark mit internationaler Ausstrahlung erfüllt diesen Anspruch klar, kann er doch die gesamte Schweiz als Forschungs- und Wirtschaftsstandort weiter stärken."

aus der Stellungnahme des Vereins Machbarkeit Stiftung Forschung Schweiz

Zweimal Innovationspark

Bereits haben mehrere Gruppen ihr Interesse an diesem einmaligen Areal angemeldet. Das Spektrum ist gross und schliesst eine Formel-1 Rennstrecke ein. Am weitesten gediehen ist zum einen die Idee eines nationalen Innovationsparks, die vom Verein Machbarkeit Stiftung Forschung Schweiz um den Zürcher FDP-Nationalrat Ruedi Noser vorgebracht worden ist. Noser begrüsste gestern die Testplanung des Kantons als positives Signal. Er bedauerte aber, dass sich der Regierungsrat nicht hinter sein Projekt gestellt hat. Die Wirtschaftsinitiative Nachhaltigkeit (SSI) um Nick Beglinger schlägt zum andern vor, den Innovationspark auf die Themen Nachhaltigkeit und Umwelttechnologien zu konzentrieren. Sowohl der Verein Machbarkeit Stiftung Forschung Schweiz als auch die SSI forderten den Regierungsrat auf, Bern zu einer möglichst raschen Entscheidung zu drängen.
Denn was auf dem Gelände geschehen wird, hängt vor allem vom Bund als dem Eigentümer ab. Durchaus möglich, dass das Verteidigungsdepartement am Flugplatz festhält – selbst wenn dort nicht mehr geflogen wird.

 

Mehr Informationen:

Aufzeichnung der Pressekonferenz von Regierungsrat Markus Kägi durch die Staatskanzlei des Kantons Zürich

Stellungnahme des Vereins Machbarkeit Stiftung Forschung Schweiz

Stellungnahme der Wirtschaftsinitiative Nachhaltigkeit Schweiz

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