Der Energiemix der Zukunft

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Geschrieben von: Jean Ryan, KBC 08.06.09
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Wasser, Wind, Solar, Erdwärme – aus diesen Quellen wird in Zukunft ein großer Teil der benötigten Energie stammen. Weltweit fördern Staaten die Entwicklung bei nachhaltiger Stromerzeugung und setzen sich ehrgeizige Klimaziele. Für Unternehmen aus diesen Bereichen birgt das viel Wachstumspotenzial.

Natürlich hat das vierte Quartal 2008 gezeigt, dass die Zukunftsthemen Wasser, Alternative Energien und Energieeffizienz nicht immun gegen die Auswirkungen der Finanzkrise sind. So wurde der dauerhafte Outperformance-Trend gegenüber dem globalen Aktienmarkt unterbrochen. Mittel- bis langfristig profitieren diese Themen jedoch von den weltweiten Regierungsentscheidungen, etwa der kürzlich von der EU für alle 27 Mitgliedstaaten verbindlich erlassenen EU-Richtlinie zum Ausbau der Erneuerbaren Energien. Demnach müssen bis zum Jahr 2020 mindestens 20 Prozent des gesamten Energieverbrauchs in der EU durch Alternative Energiequellen gedeckt werden. Dadurch soll allein in Deutschland der Ausstoss von 270 Millionen Tonnen Kohlendioxid vermieden werden.

Zusätzlich sollen staatliche Pakete für eine „grüne“ Belebung der weltweiten Wirtschaft sorgen. Die Pläne konzentrieren sich auf die Bereiche Energieeffizienz sowie Saubere Energien und beinhalten unter anderem die Themen schadstofffreie Autos, Gebäudesanierungen, Stromversorgung, Transportverkehr, Infrastruktur und Wasserversorgung.

Aber nicht nur öffentliche Hilfsmassnahmen forcieren den langfristigen Trend hin zu Sauberen Energien. Steigende Lebensstandards, eine erhöhtes Bevölkerungswachstum und der zuletzt hohe Ölpreis steigern zusätzlich die Nachfrage nach Alternativen Energiequellen. Die stärkere Fokussierung auf die Erneuerbaren Energien, insbesondere auf deren effizientere Nutzung, hat die Entwicklung neuer Technologien verstärkt. Davon profitieren Unternehmen, die sich mit neuen Energiequellen wie Wind, Solar, Geothermie oder Wellenkraft auseinandersetzen oder modernere Technologien entwickeln, etwa verbesserte Turbinen und Brennstoffzellen.

 

Die sicherste Erneuerbare Energie, die bereits jetzt Grundlast für das Stromnetz zur Verfügung stellt, ist Wasser. Moderne Kraftwerke, etwa Staudämme, stellen täglich Energie bereit und sind ein verlässlicher Faktor im heutigen Energiemix. Allerdings gibt es auch noch viel ungenutzte Wasserenergie: das Meer. Wissenschaftler sehen in seiner erheblichen Bewegungsenergie die Zukunft der Stromversorgung. Allein Grossbritannien könnte aus der Nutzung der Meeresströmung und der Wellenenergie zehn Prozent seines gesamten Energiebedarfs decken. Schätzungen gehen davon aus, dass die Wellenenergie pro Küstenmeter bei 15 bis 30 Kilowatt liegt. Die weltweite Gesamtmenge der Wellenenergie wird auf ein Terrawatt geschätzt, ein unglaubliches Potenzial, das rund tausend Atomkraftwerken entspricht. Ungefähr 50 Prozent des weltweiten Energiebedarfs könnte damit gedeckt werden. Die Hoffnung auf eine kommerzielle Nutzung dieser niemals versiegenden Energiequelle hat daher inzwischen zu einem regelrechten Wettlauf zwischen den konkurrierenden Technologien geführt: Mechanische Energieformen, wie Gezeitenkraftwerke, Wellenkraftwerke und Strömungskraftwerke, werden bereits heute genutzt. Thermische Energie hingegen, wie Meereswärme- oder Osmose-Kraftwerke, die Energie aus den Unterschieden im Salzgehalt gewinnen, bieten eher in Zukunft Perspektiven.

Auch Geothermie, also Erdwärme, ist eine umweltfreundliche, ständig verfügbare, von Tageszeiten und Wetter unabhängige Energieform. Schließlich sind 99 Prozent der Erde heißer als 1.000 Grad Celsius. Die Nutzung der Erdwärme erfolgt ohne den Ausstoss von schädlichem Kohlendioxid. Umfassende Forschung und diverse Pilotprojekte haben zudem das Betreiberrisiko auf ein überschaubares Mass reduziert. Ausserdem ist der Geothermiestrom volkswirtschaftlich insofern günstig, als dass er keinen zusätzlichen Aufwand zur Beschaffung, Lagerhaltung und Entsorgung benötigt. Bereits in einer Tiefe von 50 bis 100 Meter herrscht eine ganzjährig konstante Temperatur von zwölf Grad. Mittels Erdsonden und Wärmepumpen kann man die Energie aus dem Erdreich nutzen.
Am bekanntesten ist das Hot-Dry-Verfahren. Hierbei erfolgt die Nutzung der Erdwärme aus Tiefen von bis zu sechs Kilometern. Benötigt werden zwei Bohrlöcher: Eines, um kaltes Wasser in die Tiefe zu pumpen, und das zweite, damit das heiße Wasser darin aufsteigen kann. Das Erhitzen des Wassers auf rund 200 Grad Celsius übernimmt die Natur. Zwischen beiden Bohrlöchern stellen natürliche Risse im Gestein, die technisch geweitet werden, einen natürlichen Wärmetauscher dar. Zurück an der Oberfläche gibt das heisse Wasser seine Energie an ein Wärmekraftwerk ab. Erkaltet tritt es anschliessend wieder seinen Weg in die Tiefe an. Im Südwesten Deutschlands bis in die Schweiz und ins Elsass herrschen ideale Wärmebedingungen und Gesteinsvoraussetzungen in den Tiefenschichten bei rund 4 km. Bei ganzjährigen Temperaturen von über 170 Grad Celsius liegt hier ein immenser Energieschatz verborgen.
Zwar ist der Marktanteil der Geothermie heute noch gering. Jedoch unter den gegenwärtigen politischen Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel in der EU durch das Erneuerbare Energien Gesetz, wird bereits heute ein hohes Maß an Wirtschaftlichkeit erreicht, so dass die Geothermie einen entscheidenden Beitrag bei der künftigen Gestaltung des Energiemixes darstellt. Weltweit produzieren die Anlagen bereits 28 Gigawatt. Anders ausgedrückt: Geothermische Anlagen erzeugen bereits jetzt Strom für fast 7 Millionen Menschen – Tendenz steigend. Allein in Deutschland sind derzeit über 130.000 Wärmepumpen im Einsatz, um die oberflächennahe Erdwärme für die Heizung von Gebäuden zu nutzen. Im Jahr 2004 waren es lediglich 9.500 Anlagen.

Der Windsektor ist bislang ein robust wachsender Wirtschaftsbereich, welcher trotz Finanzkrise signifikanten Zuwachs verzeichnet. Aufgrund der verstärkten Nachfrage wird dieser Bereich die Rezession relativ gut überstehen, wenn auch die Wertzuwächse erst in einem längerfristigen Zeitraum eintreten werden. Die Erhöhung der „Production Tax Credits“ sowie die Umstellung auf “Investment Tax Credits“ in den USA sorgt für verbesserte Aussichten für Alternative Energien, obwohl die Kreditkonditionen für kleinere Windparkbetreiber ungünstiger ausfallen. Die Zuliefererfirmen profitieren von vollen Orderbüchern, von der hohen Nachfrage und von festen Preisen. Dieser Sektor ist insbesondere abhängig von der Preisgestaltung der Turbinenhersteller, der Windturbinengröße sowie der Verteilung der Windgeschwindigkeiten. In den vergangenen fünf Jahren haben Unternehmen hohe Summen in die Entwicklung größerer Turbinen investiert. Gewöhnlich leisten diese durchschnittlich zwischen 1,5 und 2,5 Megawatt. In den windbegünstigten Offshoreparks werden inzwischen bereits 5 Megawatt-Turbinen getestet. Des Weiteren stärken die gesunkenen Kosten pro Megawatt die Konkurrenzfähigkeit der Windenergie gegenüber den traditionellen Energieformen, wie z.B. Öl, Kohle und Gas.

Auch der Markt für Solarenergie wird in Zukunft weiter wachsen. Die Produktionskosten in diesem Sektor sind die letzten 20 Jahre signifikant gesunken. Allein von 1980 bis 1996 ist ein Preisverfall von 40 Prozent zu verzeichnen. Die Leistungsdichte (Watt pro Quadratmeter) einer Solarzelle konnte pro Jahr um zehn Prozent verbessert werden, so dass mittlerweile der Siliziumpreis nur noch zu 15 Prozent in den Gesamtpreis einer Solarzelle mit einfliesst. Neue Technologien, wie zum Beispiel der Einsatz von Dünnschicht-Solarmodulen, die nur ein Prozent der Siliziummenge benötigen im Vergleich zu polykristallinen Zellen und deren Energieeffizienz ständig verbessert wurde, veranschaulichen die Kostenreduktion in diesem Bereich. Einige Solarunternehmen gehen davon aus, dass die Herstellungskosten durch verbesserte Technologien um weitere 50 Prozent bis zum Jahre 2010 gesenkt werden könnten. Obwohl die USA unzählige gute Standorte für Solaranlagen besitzt, steht die Entwicklung der Solarenergie dort erst am Anfang. Langfristig gesehen wird die Solarenergie insbesondere in den sonnenreichen Staaten eine gute Alternative sein.

Insgesamt ist KBC Asset Management davon überzeugt, dass langfristig orientierte Anleger auf das Potenzial der Erneuerbaren Energien setzen sollten. Besonders in der jetzigen Marktphase sind Aktien verschiedener Unternehmen günstig zu erhalten. Diesen Trend sollte man definitiv nicht verpassen.

 

Zur Person: 

Jean Ryan ist Eco-Investmentspezialistin und -analystin beim KBC in Dublin. KBC ist ein internationales Finanzunternehmen mit Sitz in Brüssel. 

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Alain Schilli
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Alain Schilli,
Stv. Geschäfts­führer myclimate

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