Masdar will an die Weltspitze

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Geschrieben von: Steffen Klatt, St. Gallen 04.06.09
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Masdar PV will unter die ersten drei Anbieter von Dünnschicht-Solarmodulen weltweit. Die Krise der Solarbranche ändere nichts an den Investitionsplänen der Tochtergesellschaft von Masdar, sagt Rainer Gegenwart, einer der beiden Geschäftsführer des Solar-Unternehmens. Masdar PV will schon nach dem Abschluss der ersten Investitionsphase ein positives Betriebsergebnis erreichen.

Steffen Klatt:Liegen Sie beim Bau der Photovoltaikfabrik in Ichtershausen bei Erfurt im Plan?

Rainer Gegenwart:Wir liegen mit dem Bau der Fabriken im Plan. In Ichtershausen haben wir zwar durch das Wetter im Winter vier Wochen in der Bauabwicklung verloren. Aber die Zeit haben wir fast schon wieder komplett aufgeholt und im Oktober wird die Anlage dann plangemäß die Produktion aufnehmen.

Steffen Klatt:Gilt das auch für das Werk Taweelah bei Abu Dhabi?

Rainer Gegenwart:Taweelah soll um ein Jahr zeitverschoben errichtet werden. Wir sind dort fast im Plan. Die Entwicklung des Grundstücks ist allerdings etwas aufwendiger, als wir erwartet hatten. Das geht in Mitteleuropa schneller, weil hier Industriegebiete stärker entwickelt sind als am Golf. Dort müssen wir bei vielem erst die Voraussetzungen schaffen, etwa bei der Stromversorgung und den Zufahrtsstrassen. In Europa dagegen gilt es als selbstverständlich, dass dies in ganz wenigen Wochen zu bewältigen ist.

Steffen Klatt:Warum haben Sie als Lieferanten der Anlage Applied Materials ausgewählt und nicht Oerlikon, Ihren ersten Arbeitgeber?

Rainer Gegenwart:Mein erster Arbeitgeber war Leybold, der später zu Oerlikon kam. Als wir die Entscheidung getroffen haben, sprachen wir sowohl mit Oerlikon Solar als auch mit Applied Materials. Das hatte keine persönlichen Gründe, bei beiden habe ich ehemalige Kollegen. Wir haben uns vom Konzept her für Applied Materials entschieden. Ein Grund war die bessere Prozesskontrolle, ein anderer die Skalierbarkeit. Wir könnten mit der Oerlikon-Anlage maximal 1,4 Quadratmeter verarbeiten. Bei der Anlage von Applied Materials sind wir in der Lage, Module von 1,4 Quadratmeter, 2,8 und 5,7 Quadratmetern herzustellen.

Steffen Klatt:Beide Werke wurden vor dem Ausbruch der jetzigen Krise geplant. Hat die Krise Auswirkungen auf Masdar PV?

Rainer Gegenwart:Die Krise hat keine Auswirkungen auf unseren Investitionsplan. Die gesamten Entscheidungen sind Ende 2007/Anfang 2008 gefällt worden. Auch der Bau unserer Fabrik wurde vor der Krise begonnen und die Anlagen für beide Standorte sind längst bestellt. Darüber hinaus sind wir uns in der Branche einig, dass sich die Preise im zweiten Halbjahr 2009 stabilisieren, und dass die Marktentwicklung 2010 positiv sein wird. Daher passt das Timing mit unserem Produktionsbeginn sehr gut.

Steffen Klatt:Die Krise fällt mit der Änderung der Rahmenbedingungen in Spanien zusammen, dem bis dahin zweitwichtigsten Markt. Jetzt drohen der Solarbranche gewaltige Überkapazitäten. Tragen Sie nicht dazu bei, diese Überkapazitäten noch zu erhöhen?

Rainer Gegenwart:Das würde ich nicht sagen. Ja, es gibt grosse Kapazitäten im Bereich des kristallinen Siliziums und die Kapazitäten in der Dünnschichtbranche werden derzeit aufgebaut. Sie werden aber auch auf ein weiteres Marktwachstum 2010 und 2011 stossen. Je näher wir uns der „grid parity“ nähern – und das wird in der Mitte der nächsten Dekade sein – in manchen Regionen schon eher –, um so mehr werden wir unabhängig von staatlicher Förderung und um so stärker wird auch der Markt weiter wachsen. Darauf müssen wir alle vorbereitet sein.

Steffen Klatt:Wo wird der Markt in Zukunft wachsen?

Rainer Gegenwart:Er wird hier weiter wachsen, denn Europa wird der Markt Nummer eins bleiben. Alle Analysen zeigen außerdem, dass die USA ein starker Zukunftsmarkt werden. Wir werden bis 2012 auch einige asiatische Regionen wachsen sehen. Die Golfregion wird bisher in den Analysen noch gar nicht berücksichtigt. Gerade dort gibt es aber einen sehr hohen Energiebedarf, der bisher im Wesentlichen durch Gas und Öl gedeckt wird. Das läuft der neueren Strategie der Ölstaaten entgegen. Wir sind uns deshalb sicher, dass sich dort ein Markt entwickelt. Dazu wollen wir stark beitragen.

Steffen Klatt:Was wird die Produkte von Masdar PV von denen der Wettbewerber unterscheiden?

Rainer Gegenwart:Wir unterscheiden uns in einigen Details der Produktionstechnik von derjenigen anderer Applied-Materials-Kunden. Wir haben ein umfassendes Monitoring innerhalb des Herstellungsprozesses implementiert. Am Ende wird außerdem jedes einzelne Modul einem Test unterzogen, um zu gewährleisten, dass die ausgelieferten Produkte über einen sehr guten Isolationswiderstand verfügen. Dadurch, dass wir zwei Schichten amorphes Silizium in unseren Stapelzellen einsetzen, hat unser Produkt einen um 10% besseren Wirkungsgrad als Module mit einfacher Beschichtung und gleichzeitig einen niedrigeren Temperaturkoeffizienten. Zusätzlich verbessern wir die Qualität unsere Module, indem wir etwa die Kantenisolierung mit einem Hightech-Laser vornehmen. Auch der Zuschnitt der Modulgrößen erfolgt bei uns in Zukunft mittels Lasertechnologie.

Steffen Klatt:Wann müssen Sie schwarze Zahlen schreiben?

Rainer Gegenwart:Wir rechnen mit einem positiven Betriebsergebnis nach Abschluss der ersten Investitionsphase, also voraussichtlich ab 2011.

Masdar PV

Masdar PV ist eine Tochter von Masdar, dem staatlichen Unternehmen des Emirat Abu Dhabi zur Entwicklung erneuerbarer Energien. Leuchtturmprojekt des Unternehmens ist die Ökostadt Masdar, deren Bau vor den Toren Abu Dhabis bereits begonnen hat. Masdar PV investiert 600 Millionen Dollar in den Bau von zwei Fabriken für die Herstellung von Dünnschicht-Solarmodulen. Der Bau der Fabrik in Ichtershausen beim thüringischen Erfurt soll im Oktober abgeschlossen werden, der Bau der Fabrik in Taweelah zwischen Abu Dhabi und Dubai Ende 2010. Die Kapazität in Ichtershausen soll mit 65 Megawatt beginnen, diejenige in Taweelah mit 130 Megawatt. Es ist geplant, die Gesamtkapazität langfristig auf rund 1 Gigawatt auszuweiten.

Steffen Klatt:Masdar PV ist ein wichtiges Unternehmen der Masdar-Initiative des Emirats Abu Dhabi. Bei Masdar selber geht es aber um viel mehr als Photovoltaik, nämlich auch um andere erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Städtebau und anderes. Werden auf Masdar PV andere Schwesterunternehmen in anderen Bereichen folgen und nach Europa drängen?

Rainer Gegenwart:Masdar PV wird keine Einzelerscheinung bleiben. Das Ziel von Masdar ist es dazu beizutragen, aus Abu Dhabi eine Industrienation zu machen, die über die Produktion von Öl und Gas hinaus Technologieprodukte anbietet. Dabei sind wir nur das erste Unternehmen. Sicherlich werden weitere Unternehmen im Bereich der Photovoltaik, der Konzentrator-Photovoltaik, aber auch im Bereich anderer Energien oder Energieeinsparung aus der Masdar-Initiative hervorgehen.

Steffen Klatt:Werden diese künftigen Unternehmen auch nach Europa kommen wie Masdar PV oder werden sie am Golf bleiben?

Rainer Gegenwart:Das Hauptziel der Masdar-Initiative ist es, die Technologie am Golf zu entwickeln. Aber die Investitionen werden auch in Europa und den USA getätigt. Ein Beispiel ist London Array, der grösste Windpark auf dem Meer. Masdar ist also weltweit aktiv mit dem Ziel, die Golfregion zu einem Zentrum für Erneuerbare Energien zu entwickeln.

Steffen Klatt:Wird auf diese Weise die Kompetenz, die in Deutschland und Europa während zwanzig Jahren aufgebaut wurde, an den Golf abgesogen?

Rainer Gegenwart:Nein. Europäische Unternehmen investieren in Produktionsstätten weltweit und transferieren auch technologisches Know-how. Auch wir bauen zwei Werke in zwei Regionen. Das erste Werk, die Masdar PV GmbH ist dort angesiedelt, wo die Technologie konzentriert ist, nämlich in Deutschland. Das zweite Werk wird am Golf errichtet. Der Unterschied zu anderen Unternehmen ist nur, dass der Aktionär aus Abu Dhabi kommt und nicht aus Deutschland. Das ist in jeder Industrie so: Wenn Sie Märkte entwickeln wollen, dann etablieren Sie sich möglichst vor Ort und transferieren dann natürlich auch Technologie. Masdar investiert und schafft im Gegenzug Arbeitsplätze in Deutschland, und zwar langfristig – es profitieren somit alle!

Steffen Klatt:Wollen Sie Marktführer werden?

Rainer Gegenwart:Wir wollen langfristig unter die ersten drei auf dem Weltmarkt kommen.


Zur Person

Rainer Gegenwart ist seit 2008 Vorstand und Geschäftsführer von Masdar PV. Vorher war er Vizepräsident bei der Reinecke & Pohl Sun Energy, der heutigen Colexon Energy. 2003 war er Mitbegründer und erster Geschäftsführer der Deutschland-Niederlassung von First Solar. Seine Karriere begann er im Anlagenbau bei Leybold in Alzenau, das später von Oerlikon übernommen wurde und heute zu Applied Materials gehört.

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