Graz - Der Klimawandel bedroht den heimischen Kürbis. Krankheitserreger, die ihn gefährden, dringen zunehmend aus wärmeren Klimazonen vor und führen zu grossen Ernteeinbussen. Wissenschaftler arbeiten nun an seiner Rettung.
Einst kam der Kürbis von den Azteken nach Europa. Heute wird daraus eine Spezialität der Steiermark hergestellt: das Kürbiskernöl. Aber auch in der Schweiz, in Italien, in Ungarn und in Deutschland wird er gern angebaut. Doch der Kürbis und mit ihm seine nussigen Kerne sind bedroht. Von Erregern, die aus warmen Klimazonen stammen. Angriff aus dem SüdenVermehrte Ernteausfälle bereits seit dem Jahr 2004 haben dazu geführt, dass die Technische Universität Graz ein Forschungsprojekt ins Leben gerufen hat. Bakterien- und pilzverursachte Welk- und Fäulniserkrankungen sollen gestoppt werden. Dazu die Projektleiterin Gabriele Berg vom Institut für Umweltbiotechnologie: „Es handelt sich um kein einfaches Unterfangen. Erreger, die Ernteausfälle verursachen, sind erfahrungsgemäss schwer zu identifizieren. Wir vermuten, dass es sich um einen Pilz und um mehrere Bakterien handelt, die normalerweise eher in den Tropen beheimatet sind.” Sie geht in ihrer Aussage noch weiter: „Wir sehen diese Veränderung, als ein deutliches Zeichen des Klimawandels.” Kürbiskernöl ist ein kostbarer Tropfen. Fast schwarz ist das Öl, sein Geschmack kräftig und nussig, reich an Vitaminen und Mineralstoffen. Die Herstellung aufwendig: Kerne von etwa 35 Ölkürbissen sind notwendig, um einen Liter Öl zu erhalten. Und die Ernteausfälle in den letzten Jahren sind immens: Bis zu 80 Prozent der Pflanzen sind befallen und damit unbrauchbar. Pestizide werden angereichertEine Behandlungsmethode wird dringend benötigt. Der Einsatz von Pestiziden, um die Pflanzen zu schützen, kommt nur begrenzt in Frage. Die Pflanzenschutzmittel reichern sich vor allem in fettreichem Gewebe an - etwa in Fischen wie Makrele oder Heilbutt, aber auch in Ölfrüchten wie Kürbiskernen. Schweizer Kürbisbauern mussten vor Jahren bereits die Erfahrung machen, dass das von ihnen hergestellte Öl mit Pestiziden weit über die erlaubten Grenzwerte angereichert war. Um biologisch einwandfreies Kürbiskernöl herzustellen, wird somit nach einer anderen Lösung gesucht. Doch zunächst müssen erst einmal die Erreger und deren Wirkungsweise gefunden werden. Beteiligt sind Bakterien und Pilze. Inzwischen weiss man, dass die Bakterien den Pilz als „Autobahn” nutzen um in sein Inneres zu gelangen. Das erklärte Ziel der Forscher ist die Aufklärung des Infektionszyklusses, um dann effektive Gegenmassnahmen zu finden. Entwickelt werden soll ein biologisches Pflanzenschutzmittel. Das „Kürbismedikament” trägt in der jetzigen Forschungsphase den Arbeitstitel „Peposan”. Pepo ist das lateinische Wort für Kürbis - und soll als natürliches Heilmittel den Bakterien- und Pilzbefall vermeiden. Dafür wählen die Mitarbeiter des Instituts aus verschiedenen Kürbissorten sogenannte „endophytische Gegenspieler” aus, also Mikroorganismen aus der Pflanze. Diese „körpereigenen” Mikroorganismen sollen den Befall sozusagen autoimmun bekämpfen. Aus den stärksten dieser Gegenspieler „mixen” die Wissenschaftler ein Heilmittel zur Rettung des Ölkürbis. Umsetzung schwierigDie grosse Schwierigkeit dabei ist die technische Umsetzung: „Wir müssen die Mikroorganismen erst produzieren, am Leben erhalten und direkt in den Kürbissamen einsetzen, damit sie überhaupt ihre Wirkung entfalten können”, beschreibt Berg die Herausforderung. Ab Herbst 2009 soll den Forschern ein ganz besonderer „Versuchslabor” an der TU Graz bereitstehen: Für ihre Untersuchungen wird ein kleines Gewächshaus errichtet, mit optimalen Bedingungen für die Kürbispflanze. Dann können die Untersuchungen auch „ad planta”, also direkt an der Pflanze, durchgeführt werden. Beste Vorraussetzungen also, um das „schwarze Gold”, wie die Delikatesse in der Steiermark liebevoll genannt wird, zu retten. Bild: Von Krankheitserregern befallener Kürbis (Berg, TU Graz)
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