Energierechnungen können böse Überraschungen bergen: Eben schien die Miete noch niedrig gewesen zu sein. Doch plötzlich erweisen sich die Energiekosten aufgrund der schlechten Wärmedämmung als Kostentreiber. Solche bösen Überraschungen sollen der Vergangenheit angehören. Ein Energieausweis für Gebäude soll aufzeigen, wie viel Energie ein Wohngebäude verbraucht. Dazu gehören Heizung, Warmwasser und Strom. Weiter enthält er Empfehlungen zu konkreten Massnahmen, um Verbesserungen im Energiebereich zu erzielen. Das verschafft dem Eigentümer einen genauen Überblick über die energetische Qualität seiner Liegenschaft. Und Mieter können ihre Nebenkosten viel besser kalkulieren. Fachexperte überprüft EnergieverbrauchDer Energieausweis für Gebäude kommt diesen August auf den Markt. Neben Zahlen und Grafiken enthält er vor allem Sanierungsvorschläge, wie das Gebäude auf den neuesten Stand gebracht werden kann. Und das übernehmen ausgewählte Fachexperten. Es sind Architekten, Ingenieure und andere Bauunternehmer, die sich in integraler Sanierung auskennen und extra dafür geschult werden. Geprüft wird vor allem die Qualität der Wärmedämmung von Fassade, Fenstern, Dach und Kellerdecke. Eine Note gibt es auch noch für die Gesamtenergieeffizienz. Danach kommt das grosse Erwachen: die Kostenaufstellung der notwendigen Sanierung. „Der Hausbesitzer kann selbst entscheiden, welche Massnahmen er umsetzen will“, sagt Stefan Wiederkehr, Leiter Marktbereich Gebäude im Bundesamt für Energie. In Deutschland Pflicht Mit dem Energieausweis für Gebäude folgt die Schweiz dem Vorbild Deutschlands. Dort ist der Energieausweis allerdings obligatorisch. Wer ein Haus oder eine Wohnung kauft oder mietet, kann vom Verkäufer oder Vermieter einen solchen Ausweis verlangen. Diese Regel gilt seit einem Jahr für Wohngebäude, die vor 1965 gebaut worden sind, und seit Januar für alle anderen Wohngebäude. Von Juli an unterstehen auch alle anderen Gebäude der Ausweispflicht. Vermietern oder Verkäufern, die keine Ausweise vorweisen können, droht eine Busse von bis zu 15000 Euro (22800 Franken). Freiwillig oder doch verpflichtend?Uneinig sind sich die Kantone in Bezug auf die Verpflichtung. „Es ist Sache der Kantone zu bestimmen, ob es einen obligatorischen Ausweis gibt oder nicht“, so Wiederkehr. Neuenburg habe für bestimmte Fälle bereits Obligatorien eingeführt. Im Kanton Waadt und Bern laufen Diskussionen. Mit bestimmten Fällen seien vor allem grössere oder öffentliche Bauten gemeint. Es könne auch gut sein, dass gewisse Kantone das Ganze zu einem späteren Zeitpunkt an die Baubewilligung koppeln. Die Energiedirektorenkonferenz sieht klar von Verpflichtungen ab. „Das würde hier in der Schweiz schnell zur Opposition führen. Wir wollen lieber mit Förderprogrammen und Aktionen darauf aufmerksam machen“, sagt ihr Geschäftsführer Fadri Ramming. Sicher ist, für den privaten Hauseigentümer ist er freiwillig. Grosse EinführaktionAnreiz verschaffen soll die grosse Einführaktion: Die ersten 15.000 Ausweise gibt es für 200 statt 1200 Franken. Gestartet wird im August, zu Ende geht die Aktion im Dezember. Ab 3. August wird zudem eine Liste mit den akkreditieren Experten aufgeschaltet, die dann mit der Ausstellung des Ausweises und der Sanierungsberatung beauftragt werden können. „Der Energieausweis ist nicht nur eine Etikette, sondern ein vierseitiges, umfangreiches Dokument“, erklärt Ramming. Es enthalte nebst der Kategorienzuteilung in eine der sieben Gebäudeklassen, Ausführungen, Vorgehensweisen und Tipps zur Sanierung. Jüngere Generationen sensibilisierenDer Energieausweis für Gebäude führt nicht zwangsläufig zu einer allgemeinen Sanierungseuphorie. Denn nicht jeder kann es sich leisten, die notwendigen Massnahmen für effizientere Energie umzusetzen. Auch die vielen Förderprogramme der Kantone decken nur einen minimen Teil der tatsächlichen Kosten. Dem ist sich die Energiedirektorenkonferenz durchaus bewusst. Dazu kommt, dass der grösste Anteil der Eigentümer 55 bis 65-jährig ist. „Wir können von den pensionierten Hausbesitzern nicht erwarten, dass sie ihren letzten Lebensabschnitt damit verbringen, ihr Eigenheim komplett auf den Kopf zu stellen. Das Umdenken muss in den nachkommenden Generationen passieren“, so Ramming. Man werde dem Hausbesitzer aber durchaus die Anreize aufzeigen, die eine Sanierung mit sich bringen würde: Energiekosten einsparen und der Marktwert des Gebäudes, der steige. Gleichzeitig würden individuelle Konzepte mit langfristigen Massnahmen erarbeitet, abgestützt auf die Möglichkeiten des Eigentümers. Es betrifft alleProfitieren wollen schliesslich alle: die Umwelt, die Hausbesitzer und die Wirtschaft. Doch grosse Vorhaben brauchen Zeit. Und Menschen, die bewegen wollen. Bis der letzte Altbau neue Fenster, eine effiziente Heizung und eine gute Isolation besitzt, braucht es also noch ein paar Anstrengungen oder Anreize mehr. Und das von allen Seiten.
Internetseite der Energiedirektorenkonferenz s über den Energieausweis für Gebäude oder Telefonnummer 0848 444 444 Kontaktadressen kantonaler Energiefachstellen
Bild: Minergiehäuser wie das erste sechsgeschossige Holzhaus in Steinhausen ZH werden mit dem neuen Energieausweis glänzen können (Renggli) |