Klimagipfel der Wirtschaftsführer

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Geschrieben von: André Anwar, Stockholm 27.05.09
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Ban Ki Moon, WirtschaftsklimagipfelKopenhagen - Wirtschaftschefs aus aller Welt haben im Vorfeld des UN- Weltklimagipfels über die Abwendung einer Klimakatastrophe beraten. Sie forderten unter anderem die Verringerung des Kohlendioxidgehalts in der Luft auf ein vorindustrielles Niveau. Gegen den Wirtschaftsgipfel demonstrierten Umweltorganisationen vor den Tagungssälen.

Ein ungewöhnlicher Klimagipfel ist am Dienstag in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen zu Ende gegangen. Auf dem Wirtschaftsklimagipfel (World Business Summit on Climate Change) haben rund 500 Unternehmensvertreter im Vorfeld des UN-Weltklimagipfels im Dezember drei Tage lang über Strategien für die Industrie zur Abwendung des Klimawandels beraten. Teilgenommen haben unter anderem Spitzenmanager vom Mineralölkonzern BP, vom Kohlekraftwerke betreibende Energiekonzern Vattenfall, vom Getränkehersteller Pepsi und der Technikkonzerne Siemens und Intel.

Streit über Kohlendioxidsteuer

Unter dem Namen „Copenhagen Call” wurde zum Abschluss der Konferenz am Dienstagnachmittag der dänischen Regierung, ein Forderungspaket zum Klimaschutz übergeben, das diese als Gastgeber des im Dezember in Kopenhagen stattfindenden UN-Weltklimagipfels berücksichtigen will. Zentrale Punkte sind die Forderung zur Reduzierung der klimaschädlichen Abgase zwischen 2020 und 2050 auf ein vorindustrielles Niveau. Dazu müsse sofort gehandelt werden. Vor allem die Frage, wie dies zu erreichen sei, stand im Mittelpunkt der Konferenz. Der Chef des dänischen Öl- und Gasunternehmens Dong, Anders Eldrup, erklärte, die Wirtschaft stehe vor einer Entscheidung zwischen zwei Wegen. Zum einen gebe es Möglichkeit der Kohlendioxidsteuer, zum andern den Handel mit Emissionsrechten. Während Eldrup und andere Vertreter von Energieunternehmen die Kohlendioxidsteuer zur Reduzierung von Treibhausgasen zu bevorzugen schienen, liessen andere Wirtschaftsvertreter wie auch die dänische Umweltministerin Connie Hedegaard durchblicken, dass sie die globale Begrenzungen der Treibhausgase durch den Handel mit Emmissionsrechten als die bessere Lösung ansehen.

Wälder wirksam schützen

Einig waren sich die Manager darin, eine Verbesserung und Neuentwicklung von klimafreundlicher Technologie und ein Anreizsystem, welches diese vorantreibt, eingerichtet werden müssten. Zudem müssten die Emissionen von Unternehmen effektiv und so umfassend wie möglich gemessen und ausgewertet werden. Zudem forderten die Topmanager die Bereitstellung von umfangreichen Mitteln zum wirksamen Schutz der Wälder. Die gemeinsame Absichtserklärung der Wirtschaftsbosse mache deutlich, dass „die Wirtschaft nicht eine konservative Stimme im Klimawandel sein muss”, so Tim Flannery, australischer Biologe und Vorsitzender des Kopenhagener Klimarates, auf seiner Abschlussrede. Viele der teilnehmenden Unternehmen hätten gezeigt, dass sie für den UN-Klimagipfel im Dezember „mutige Entscheidungen”, von der Politik verlangten, um die grössten Klimabedrohungen abzuwenden, so Flannery.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und Friedensnobelpreisträger Al Gore hatten auf der Konferenz ermahnende Worte an die Unternehmensführer gerichtet. Ban forderte die Industrie unter anderem auf, damit aufzuhören, Regierungen in ihrem Bemühen zu behindern, den Kohlendioxidausstoss zu begrenzen. Stattdessen sollten die Unternehmen vorangehen und Regierungen dazu ermutigen. Die bislang betriebenen, milliardenschweren Subventionen, ausgerechnet für fossile, klimafeindliche Brennstoffe, müsse überwunden werden, sagte er und verglich diese Art von Investitionen mit denen in „faule Immobilen”, die letztlich zur Weltwirtschaftskrise geführt haben.

Globalisierungskritiker protestieren

Am Rande der Konferenz in Kopenhagen demonstrierten Hunderte von Globalisierungskritikern und Umweltaktivisten. Sie zogen vor das von Polizeikräften abgeschirmte Tagungsgebäude. Da werde der Bock zum Gärtner gemacht, skandierten sie. „Brandstifter werden um Rat gebeten, wie man den Brand löschen soll”, sagte etwa Mads Kissow vom Umweltnetzwerk „Not your Business”. „Was könnten uns denn Konzerne wie Vattenfall, die in Deutschland neue Kohlekraftwerke bauen wollen, über die Rettung des Klimas erzählen”, kritisierte er. Die Veranstalter versuchten Demonstranten und Wirtschaftsvertreter an einen Tisch zu bekommen. Ergebnisse brachte das nicht. Von Seiten der Wirtschaftsvertreter hiess es, es sei falsch, Unternehmen bei der Klimafrage zu verteufeln. Vor allem sie hätten Mittel und Wege zur Klimarettung, die technischen Lösungen zur Eindämmung des Klimawandels wie emissionsarme oder -freie Kohlekraftwerke. Darauf setzten die Unternehmen weltweit verstärkt, wurde betont.

Der Weltklimagipfel im Dezember ebenfalls in Kopenhagen soll sich auf eine Nachfolgeregelung für das Kyoto-Protokoll einigen. Das Kyoto-Protokoll läuft Ende 2012 aus. Zu den umstrittenen Themen gehört, wie stark die einzelnen Staaten ihren Kohlendioxidausstoss verringern müssen, und welche Verpflichtungen die Schwellenländer wie China und Indien übernehmen.

 

Bild: UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am Wirtschaftsklimagipfel in Kopenhagen (World Business Summit on Climate Change).

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