Solarbranche wartet auf die Banken

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Geschrieben von: Steffen Klatt, St. Gallen 27.05.09
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Marcel Brenninkmeijer, Good EnergiesSt. Gallen – Good Energies finanziert den weltweit ersten Lehrstuhl zum Management erneuerbarer Energien an der Universität St. Gallen. Laut dessen Verwaltungsratspräsidenten Marcel Brenninkmeijer steht die Solarbranche vor einer Konsolidierung. Überleben werden Unternehmen, die ihre Liquidität sichern können. Damit die Branche wieder aus der Krise kommt, muss die Finanzierung durch die Banken wieder anspringen.

Steffen Klatt: Warum finanzieren Sie diesen Lehrstuhl?

Marcel Brenninkmeijer: Dieser Lehrstuhl ist eine hervorragende Möglichkeit, das zu tun, was heute nötig ist, nämlich junge Leute - die möglichen Unternehmer von morgen - zu begeistern für erneuerbare Energien. Es braucht radikale Änderungen, damit wir den Klimawandel in den Griff bekommen. Einen solchen Lehrstuhl mit dem Fokus auf das Management von erneuerbaren Energien, auf die unternehmerischen Perspektiven, gibt es noch nicht - er ist der erste seiner Art an einer europäischen Wirtschaftsuniversität. Als wir vor zwei Jahren angefragt wurden, stellte sich mir nur die Frage, ob dies die am besten geeignete Universität ist. Im deutschsprachigen Raum ist die HSG eine hervorragende Universität.

Steffen Klatt: Warum im deutschsprachigen Raum?

Marcel Brenninkmeijer: Es hätte auch eine angelsächsische Universität sein können. Der deutschsprachige Raum ist etwas fortschrittlicher auf diesem Gebiet gewesen. Das Bewusstsein des Klimawandels ist im deutschsprachigen Raum noch stärker verankert als im angelsächsischen Raum.

Steffen Klatt: Wie lange wollen Sie den Lehrstuhl tragen?

Marcel Brenninkmeijer: Das Programm läuft über zehn Jahre.

Steffen Klatt: Bilden Sie hier den Nachwuchs für die Unternehmen aus, in die Good Energies investiert?

Marcel Brenninkmeijer: Das ist nicht die primäre Absicht. Die Stiftung des Lehrstuhls erfolgt ohne Hintergedanken. Wir wollen Gutes tun, und wir wollen es gut tun.

Mitarbeit beim Weltklimarat

Good Energies hat die Finanzierung des weltweit ersten Lehrstuhls für das Management erneuerbarer Energien zunächst für zehn Jahre zugesagt. Erster Inhaber ist Rolf Wüstenhagen, Direktor des Instituts für Wirtschaft und Ökologie an der Universität St. Gallen. Der Deutsche ist Experte im Bereich des Energie- und Nachhaltigkeitsmanagements. Er war Gastprofessor an der Universität von British Columbia in Vancouver und an der Copenhagen Business School. Wüstenhagen ist Mitglied der Eidgenössischen Energieforschungskommission und einer der Leitautoren des Sonderberichts zum Beitrag erneuerbarer Energien zum Klimaschutz, der derzeit vom Weltklimarat erarbeitet wird.

Steffen Klatt: Woher dieser Antrieb, etwas Gutes zu tun, und das mit Good Energies im Bereich der erneuerbaren Energien?

Marcel Brenninkmeijer: Ich habe mich mit 40 gefragt, was ich tun möchte. Ich hatte unter anderem fünf Jahre lang bei einer Stiftung gearbeitet, die Mikrokredite in Tansania vergeben hat. Dort konnte ich sehen, wie Änderungen möglich sind mit Hilfe von ganz wenigen Mitteln. Bei C&A hatte ich die Umweltgruppe gegründet und für zehn Jahre geleitet. Dabei war ich gar nicht klassisch „grün“. Aber ich habe gemerkt, wie viel verschwendet wird. Durch die Frage nach Nachhaltigkeit konnte das Unternehmen enorme Kosten einsparen. Hinzu kam die Frage nach dem sozialen Bereich: Das Glück, dass wir hier geboren sind, bedeutet auch, dass wir Verantwortung tragen.

Steffen Klatt: Wie wählen Sie bei Good Energies die Unternehmen aus, in die Sie investieren?

Marcel Brenninkmeijer: Wir haben letztes Jahr 1080 Unternehmen angeschaut. Davon haben wir in acht Unternehmen neu investiert. Die erfolgreichsten Unternehmen sind oft solche, die über Mund-zu-Mund-Propaganda zu uns gekommen sind. Beispiel Konarka: Wir haben Professor Michael Grätzel, den Erfinder der Farbstoffzelle an der EPFL (Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne, stk.), nach den besten Unternehmen in dieser Technologie gefragt. Er nannte die drei aus seiner Sicht fortschrittlichsten Unternehmen. Dabei war klar, dass sich bei Konarka vor 2015 die Investition nicht im klassischen Sinne lohnen würde. Konarka war also keine Investition für einen typischen Risikokapitalisten. Aber wir sind auch kein typischer Risikokapitalist.

Steffen Klatt: Am Anfang haben Sie vor allem im Solarbereich investiert. Warum?

Marcel Brenninkmeijer: Ich hatte zu Beginn nur geringe Mittel und wollte eine Sache gut machen. Entsprechend bin ich sehr fokussiert vorgegangen.

Steffen Klatt: Wann steigen Sie aus einem Unternehmen wieder aus?

Marcel Brenninkmeijer: Das ist unterschiedlich. Das hängt hauptsächlich davon ab, welchen Beitrag wir leisten können. Wenn wir keinen wichtigen, konstruktiven Beitrag leisten können, dann hat es auch wenig Zweck, dass wir in dem Unternehmen investiert sind. Das ist etwa beim Aufbau eines Windparks der Fall. Aber wenn der Windpark einmal steht und während 20 Jahren einen vernünftigen Gewinn erlaubt, dann kann man das weiterverkaufen an eine Pensionskasse.

Steffen Klatt: Sie wollen also das Unternehmen stets mitgestalten können…

Marcel Brenninkmeijer: Good Energies will etwas auf die Beine bringen und gestalten. Nehmen Sie das Beispiel Concentrix in Freiburg im Breisgau. Sie produziert Konzentratorzellen, die am Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme entwickelt wurden. Die Leute waren Tüftler und haben sich gefragt, wie das umgesetzt werden kann. Wir haben nicht nur die finanziellen Mittel bereitgestellt, sondern auch beim Aufbau des Unternehmens geholfen. Im letzten Dezember hat Concentrix die erste Fabrik eröffnet. So ist es eigentlich bei allen Firmen gewesen. Wir haben zum Beispiel in REC und Q-Cells investiert, als alle Investoren abgewunken hatten. Vergangenes Jahr dann waren REC und Q-Cells Marktführer jeweils in ihrem Bereich.

Steffen Klatt: Wie hat die Krise die Solarbranche getroffen?

Marcel Brenninkmeijer: Durchaus heftig. Die Branche hatte bisher Wachstumsraten von 30 bis 35 Prozent im Jahr. Manche Unternehmen hatten sogar 100 Prozent. Jetzt gibt es plötzlich keine Kredite mehr für die Projektfinanzierung. Hinzu kommt das Problem in Spanien. Das Land hat zuerst zu hohe Einspeisevergütungen für Solarstrom gezahlt. Und dann hat es diese Vergütungen plötzlich wieder gekürzt.

Steffen Klatt: Hat Spanien also beim Solarstrom erst auf das Gaspedal getreten und dann auf die Bremse?

Marcel Brenninkmeijer: Genau. In Spanien fällt die Nachfrage nach Solarinstallationen um 2 Gigawatt, die globale Nachfrage damit von 6 auf 4 Gigawatt. Dabei lag die Kapazität im Zellenbereich vergangenes Jahr bei 7 bis 8 Gigawatt. Alle Unternehmen versuchen ihre Kapazität zu verdoppeln. Sie geht also auf 15 Gigawatt, während die Nachfrage vielleicht bei 5 Gigawatt liegen wird. Das heisst, die Kapazität ist plötzlich dreimal so gross wie die Nachfrage, während früher die Kunden Schlange standen.

Durch die Finanzkrise gibt es zudem keine Expansionskredite mehr. Bisher haben sich die Unternehmen oft durch kurzfristige Kredite finanziert, obwohl die Projekte über zwei, drei Jahre liefen. Darüber hat sich auch niemand Gedanken gemacht, weil die Kunden ja Schlange standen. Heute ist es deshalb so: Die Firmen, die ihre Liquidität beisammen halten können, werden überleben. Sie werden im Vergleich zu denen, die sich nur auf den Markt verlassen haben, gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Steffen Klatt: Heisst das, dass heute der bessere Finanzchef und nicht das bessere Produkt zählt?

Marcel Brenninkmeijer: Bei vielen Topfirmen wird das so sein. Gerade diese sind sehr schnell gewachsen und haben auch gute Produkte. Viele Unternehmen kamen aber erst später auf den Markt. Diese Firmen trifft es zuerst.

Steffen Klatt: Steht die Branche damit vor der ersten Konsolidierung ihrer Geschichte?

Marcel Brenninkmeijer: Ich erwarte diese Konsolidierung schon seit längerer Zeit, aber sie hat noch nicht begonnen. Die Krise hat auch positive Folgen. Ältere und teurere Kapazitäten werden still gelegt, damit sinken die Kosten schneller. Damit kann auch die „Grid parity“ (die preisliche Wettbewerbsfähigkeit des Solarstroms zu Spitzenverbrauchszeiten, stk.) schneller erreicht werden. Das heisst auch, dass die Innovationskraft noch stärker gefordert ist als bisher.

Steffen Klatt: Ist die Krise damit eine Chance für einen Investor wie Sie, der über frisches Geld verfügt?

Marcel Brenninkmeijer: Sie ist eine Chance für alle, die gut hinschauen. Die Bewertungen waren in den vergangenen Jahren teilweise absurd hoch gestiegen. Einige dieser Bewertungen sind wieder normal geworden. Aber viele Investoren haben sich die Finger verbrannt. Sie schauen eher, ihre bestehenden Investitionen zu erhalten. Und auch da muss entscheiden, wo man weiter unterstützt und wo nicht. Wir investieren nur noch ganz vereinzelt in neue Unternehmen, um wo nötig und sinnvoll unsere Portfolio-Firmen stärken zu können.

Steffen Klatt: Sie halten derzeit also lieber Ihr Geld zusammen und sammeln keine Schnäppchen?

Marcel Brenninkmeijer: Wir sind keine Opportunisten oder Schnäppchenjäger. Ein scheinbares Schnäppchen kann sich schnell als ein teures Vergnügen herausstellen. Wenn ein Unternehmen strategisch passt, dann schauen wir uns das gern an. Wir suchen Firmen, die eine gute Technologie haben und ein Management, das diese Firma führen kann.

Steffen Klatt: Wie viel Wert hat Ihr Portfolio durch die Krise verloren?

Marcel Brenninkmeijer: Q-Cells macht den grössten Teil unseres Portfolios aus. Ende 2007 lag der Kurs bei 98.60 Euro. Mittlerweile ist er unter 20 Euro. Wir haben also allein bei Q-Cells von rund 5 Milliarden Euro 4 Milliarden verloren.

Steffen Klatt: Wann ist die Krise vorbei?

Marcel Brenninkmeijer: Wenn das irgendjemand wüsste, wäre es gut.

Steffen Klatt: Immerhin zahlen die Staaten mit ihren Konjunkturprogrammen Milliarden für erneuerbare Energien…

Marcel Brenninkmeijer: Bis diese Programme greifen, vergeht noch ein Jahr. Für die jetzige Krise ist ausschlaggebend, dass die Banken wieder anfangen, Kredite für die Projektfinanzierung zu vergeben. Dabei sollte jeder ein Interesse haben, so etwas zu finanzieren. Denn dank der Einspeisevergütungen sind Gewinne im zweistelligen Bereich möglich. Die Banken brauchen das Geld aber derzeit, um ihre eigenen Bilanzen zu sanieren. Wenn das erfolgt ist, werden die Finanzierungen wieder anziehen.


Zur Person:

Marcel Brenninkmeijer ist Verwaltungsratspräsident von Good Energies. Der Investmentfonds mit Sitz in Zug ist eine hundertprozentige Tochter der Cofra Holding, ebenfalls in Zug. Good Energies ist einer der grössten Investoren weltweit in der Solarbranche und der erneuerbaren Energien überhaupt. Dem Fonds stehen jährlich rund 350 Millionen Euro für Investitionen zur Verfügung. Die wichtigste Beteiligung von Good Energies ist die deutsche Q-Cells, der nach eigenen Angaben weltweit grösste Hersteller von Solarzellen.

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