Energieausweis in der Kritik

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Geschrieben von: Claudia Kohlus, Augsburg 25.05.09
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Der Energieausweis ist in Deutschland seit Anfang des Jahres für alle Gebäude verpflichtend. Das Ziel stimmt, es hapert aber noch an der Umsetzung, sagt Ulrich Ropertz. Er fordert klare energetische Zielvorgaben. Ausserdem würde nach wie vor hoher Informationsbedarf bestehen. 

Claudia Kohlus:Der Energieausweis ist Pflicht. Letztlich dient er aber nur zur Information über den energetischen Zustand der Immobilie. Ein Rechtsanspruch auf energetische Sanierungsmassnahmen haben Mieter beziehungsweise Käufer allerdings nicht. Ist der Energieausweis nur ein Papiertiger?

Ulrich Ropertz:Nein, der Energieausweis ist ein wichtiges Transparenzinstrument. Durch die Informationen über den energetischen Zustand soll der Vermieter die Notwendigkeit von Modernisierungsmassnahmen erkennen und entsprechend sensibilisiert werden für dieses Thema. Wenn Mieter dann die Energieeffizienz eines Gebäudes zu einem wichtigen Entscheidungskriterium bei ihrer Wohnungssuche und für die Auswahl der neuen Wohnung machen, wird der Vermieter "gezwungen", tätig zu werden und notwendige energetische Sanierungen durchzuführen.

Claudia Kohlus:Hat sich der Energieausweis bei der Vermietung von Gebäuden und Wohnungen bereits etabliert?

Ulrich Ropertz:Nein, Stichproben ergeben immer wieder, dass viele Vermieter keinen Energieausweis erstellt haben bzw. keinen Energieausweis vorlegen oder überhaupt nicht wissen, was ein Energieausweis ist. Dies gilt häufig für private Vermieter, gilt aber auch nach wie vor für viele Wohnungsunternehmen. Auf der anderen Seite wissen die meisten Mieter immer noch nicht, dass sie das Recht haben, bei der Anmietung einer Wohnung einen Energieausweis vorgelegt zu bekommen. Hier besteht nach wie vor hoher Informationsbedarf.
Allerdings ist auch zu beachten, dass erst seit Anfang des Jahres für alle Häuser ein Energieausweis vorgelegt werden muss. Vorher gab es ein mehr oder weniger grosses Durcheinander mit unterschiedlichen Ausweistypen und unterschiedlichen Fristen.

 

Claudia Kohlus:Der Mieterbund sowie die Verbraucherzentralen haben die Abschaffung des Verbrauchsausweises gefordert. Wie sehen hier die Ergebnisse aus?

Ulrich Ropertz:Nach wie vor ist es so, dass im Wohnungsbestand Vermieter die Wahl haben, ob sie einen bedarfsorientierten oder verbrauchsorientierten Energieausweis erstellen lassen. Wohnungswirtschaft und Hauseigentümer haben erfolgreich verhindert, dass der aussagekräftigere und deutlich sinnvollere bedarfsorientierte Energieausweis verpflichtend vorgeschrieben wird. Allerdings, nach umfassenden Sanierungen, nach Inanspruchnahme von Fördermitteln und beim Neubau sind bedarfsorientierte Energieausweise Pflicht.

Claudia Kohlus:Thema Umweltschutz. Wenn ein Gebäude als Energieschleuder entlarvt wird, Vermieter beziehungsweise Eigentümer dennoch keine Veranlassung zum Handeln sehen, weil keine Verpflichtung zur Sanierung besteht, tritt auch der Umweltgedanke in den Hintergrund. Wie sind da Ihre Erfahrungen? Kann man Vermieter und Eigentümer für energetische Sanierungsmassnahmen zum Schutze der Umwelt sensibilisieren? 

Ulrich Ropertz:Ich hoffe, dass Mieter und Vermieter sowohl aus Kostengründen als auch zum Schutz der Umwelt sensibilisiert werden können. Deshalb informieren wir immer wieder über die Notwendigkeit, zu modernisieren, und über den Energieausweis. Daneben haben wir eigene Transparenzinstrumente entwickelt, wie zum Beispiel den Heizspiegel oder den Betriebskostenspiegel. Trotzdem fordern wir als Deutscher Mieterbund, dass der Gesetzgeber klare energetische Zielvorgaben gerade auch für den Wohnungsbestand formuliert und festsetzt.

Claudia Kohlus:Ist die Energiesparverordnung mit der Novellierung (EnEV 2009) Ihrer Meinung nach ausreichend geändert worden?

Ulrich Ropertz:Nein, die entscheidenden Punkte beim Energieausweis sind unverändert geblieben. Nach wie vor ist nicht sichergestellt, dass immer bedarfsorientierte Energieausweise erstellt werden. Damit ist die Vergleichbarkeit einzelner Häuser in Frage gestellt. Ausserdem ist nach wie vor nicht sichergestellt, dass jeder Mieter auch tatsächlich einen Energieausweis ausgehändigt bekommt.

Claudia Kohlus:Wie sehen Sie die Zukunft für den Energieausweis? Was sollte sich noch ändern?

Ulrich Ropertz:Ich bin sicher, der Energieausweis hat Zukunft, er wird selbstverständlich werden. Ich erwarte, dass sich bedarfsorientierte Energieausweise, die auch einem gewissen Qualitätsstandard entsprechen, durchsetzen werden. Dann könnten die Immobilien insgesamt problemlos miteinander verglichen und in Wohnungsanzeigen die Energieeffizienz direkt beworben werden.

 

Zur Person:
Ulrich Ropertz ist Pressesprecher und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Deutscher Mieterbund e. V. in Berlin. Die Arbeit des Deutschen Mieterbundes ist u.a. die Interessenvertretung der Mieter. Zudem ist der Mieterbund fachlich anerkannter Gesprächspartner für Gesetzgeber und Verwaltung und wird zu allen wesentlichen Gesetzgebungsmassnahmen gehört. 
 

 

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Rolf Wuestenhagen,
Lehrstuhl für Management Erneuerbarer Energien, Uni SG

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