Gesundheitsrisiko Nummer eins

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Geschrieben von: Anna van Ommen, London 18.05.09
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Hitze, Klimawandel, GesundheitVor sechs Jahren kostete die Hitzewelle 70.000 Menschen in Europa das Leben. Das ist erst der Anfang, warnen führende Forscher. Die Folgen des Klimawandels stellen alle bisherigen Gesundheitsrisiken in den Schatten. Schnelles Handeln ist gefragt.

Schon zum Jahresbeginn hatte das britische Meteorologische Institut vorausgesagt, 2009 würde das wärmste Jahr seit 2005 werden. Auf dem europäischen Festland und in Kalifornien gab es schon einen Vorgeschmack auf den heißen Sommer. Viele Experten sehen darin einen Indikator für eine Katastrophe, die leise aber sicher auf die Menschheit zurollt. Jetzt schlagen führende Forscher vom University College London (UCL) Alarm: In einem Bericht, der im britischen Wissenschaftsmagazin „Lancet” erschienen ist, fordern sie Wissenschaftler, Politiker und Gesundheitsbehörden zur dringenden Zusammenarbeit auf, um die größte Bedrohung des 21. Jahrhunderts zu bekämpfen.

„Nicht nur Eisbären und Regenwälder”

„Die Hauptbotschaft ist, dass der Klimawandel eine Gesundheitsgefahr bedeutet, die Milliarden Menschen betrifft und nicht nur Eisbären und Regenwälder”, sagte Anthony Costello, Kinderarzt und Direktor des UCL Instituts für Weltgesundheit. Die Autoren des Berichts warnen vor den katastrophalen Auswirkungen steigender Temperaturen. Sie gehen davon aus, dass sich Infektionen schneller verbreiten werden, ein Anstieg von Malaria und Denguefieber sei ebenfalls sicher. Vor allem aber sei weltweit mit einem Mangel an Nahrungsmitteln und Wasser zu rechnen.
Professor Costello räumte ein, er habe die Brisanz des Klimawandels vor 18 Monaten noch nicht vollständig erkannt. Auch Richard Horton, Chefredakteur des Lancet erklärte, der Klimawandel sei nicht nur unterschätzt, sondern völlig vernachlässigt worden. „Das Thema hatte in den vergangenen zehn Jahren bei Gesundheitsbehörden keine Priorität, daher ist dieser Bericht ein Sprungbrett für eine neue Kultur innerhalb des Gesundheitssystems”, so Horton.

 

Ungerechte Verteilung

Obwohl vor allem die reichen Nationen für den Klimawandel verantwortlich sind, gehen die Experten davon aus, dass die ärmeren Länder am stärksten unter den Veränderungen leiden werden. So verursachen die Ärmsten nur drei Prozent des globalen CO2-„Fußabdrucks”, in Afrika würden aber 500 Mal mehr Menschen an den Folgen sterben als in den reichen Ländern. Nahrungs- und Wassermangel haben bereits zu diversen Kriegen und Flucht geführt. Allein 21 Konflikte seien in der vergangenen Zeit auf Wassermangel zurückzuführen, heißt es in dem Lancet Bericht. Trotz jüngster Verbesserungen in den Weltgesundheitssystemen sterben noch immer 10 Millionen Kinder pro Jahr, 800 Millionen Menschen hungern, und 1,5 Milliarden Menschen haben kein sauberes Trinkwasser. Ein Anstieg von einem Grad Celsius könnte zu einem Ernteverlust von 17 Prozent führen.

Klimagefahr unterschätzt

Die Konsequenzen werden auch die reichen Industrienationen treffen. Darüber hinaus müssen die Gesundheitsbehörden mit immer mehr Krankheiten rechnen, die auf Hitze und Hygieneprobleme zurückzuführen sind. Höhere Temperaturen erhöhen ebenfalls das Risiko von Überschwemmungen.
Der Lancet-Bericht warnt zudem, dass die Folgen des Anstiegs von Treibhausgasen - das Schmelzen des Polareises, der Anstieg des Meeresspiegels und die Meeresversauerung sowie extreme Wetterkatastrophen - gravierender sind als ursprünglich vom Weltklimarat 2007 angenommen.

Vereinte Kräfte gefordert

Die Warnungen sind in sich nicht neu. Entscheidend ist vielmehr, dass medizinische Experten das Thema Umwelt und nicht etwa Krebs oder Herzkrankheiten zur ersten Priorität erklären. Für die Autoren ist klar, dass politische Entscheidungsträger, Gesundheitsexperten, Klimawissenschaftler und Technologie-Spezialisten sowie die gesamte Gesellschaft die drohende Umweltkatastrophe gemeinsam bekämpfen müssen. „Mit jedem Jahr der Verzögerung steigen die Kosten. Wir hinterlassen unseren Kindern und Enkeln eine Welt voller extremer Turbulenzen”, erklärte Professor Costello.

Trotz der trüben Aussichten geben die Wissenschaftler des Londoner University College Grund zur Hoffnung. „Wir können eine Menge tun”, so Costello. Um den Kohlendioxid-Ausstoß zu mindern, würden die Menschen dazu angeregt, weniger Fahrzeuge zu nutzen. Und wer mehr läuft und Rad fährt lebt gesünder: Stressabbau, Gewichtsabnahme und weniger Herz- und Lungenkrankheiten seien die Folgen.

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