Öko-Nutzen umstritten

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Geschrieben von: Ulrich Glauber, Frankfurt 12.05.09
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Frankfurt - Die Verschrottungsprämien in vielen Ländern haben die ökonomischen Folgen der Weltwirtschaftskrise für die Automobilindustrie gemildert. Der ökologische Nutzen bleibt umstritten.

Die Abwrackprämie ist zum Favoriten bei der staatlichen Konjunkturbelebung rund um den Erdball geworden. Die Regierungen in den 18 grössten Automärkten der Welt hätten „mindestens 50 Milliarden Dollar in die Hand genommen, um die Autoindustrie zu stützen”, sagte Martin Hölz von der Unternehmensberatung Deloitte jüngst der Düsseldorfer Wirtschaftszeitung Handelsblatt. Neben mindestens neun europäischen Staaten fördern Länder wie China, Indien und Brasilien laut diesen Angaben den Autokauf.

Ein Drittel mehr Aufträge

„Offensichtlich zieht die Umweltprämie Kunden, die bislang keine Neuwagen gekauft haben, mehr als erwartet in die Schauräume”, freut sich Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) . Die positive Reaktion der Bürger auf die Umweltprämie habe alle Miesmacher, Berufspessimisten und selbsternannte Automobilexperten eines Besseren belehrt. Bis Ende April stiegen die inländischen Auftragseingänge laut VDA um 32 Prozent. Der seit Jahreswechsel auf 600 000 Personenwagen verdoppelte Auftragsbestand “dürfte auch in den kommenden Monaten die Neuzulassungen erheblich stützen”, heisst es bei dem Verband in Frankfurt.

Gemischte Gefühle

In Deutschland sind nach den neuesten Zahlen in diesem Jahr bisher 200.000 Personenwagen mehr zugelassen worden als von Januar bis April 2008. Der inländische Automarkt nahm im April um 19,4 Prozent zu. Im März war die Zahl der Neuzulassungen um 40 Prozent und damit auf das höchste Volumen seit dem Wiedervereinigungsboom gestiegen.
Doch die deutsche Automobilbranche sieht diese Zahlen mit gemischten Gefühlen. Besonders gefragt sind Klein- und Kleinstwagen, die laut Mitteilung des deutschen Kraftfahrt-Bundesamtes ihren Absatz im April im Vergleich zum April des Vorjahres fast verdoppelten. Zudem profitierten ausländische Hersteller überproportional. Zwar stammt mehr als die Hälfte der Neuwagen aus deutscher Produktion. Doch die wahren Gewinner sind Unternehmen wie Fiat und Hyundai, die ihre Verkaufszahlen in der Bundesrepublik mehr als verdoppeln konnten.

Italien zahlt am meisten

Deutschland: 2.500 Euro Prämie beim Kauf eines Neuwagens und Nachweis der Verschrottung seines mindestens neun Jahre alten bisherigen Autos.

Frankreich: 1000 Euro, wenn das alte Auto mindestens zehn Jahre alt ist und der Neuwagen nicht mehr als 160 Gramm CO2 pro Kilometer ausstösst. Neben Renault und Peugeot profitierte vor allem Volkswagen.

Italien: Von Prämien bis 3.000 Euro profitieren Fiat, Ford, Toyota und Peugeot am meisten.

Brasilien: Die brasilianische Automobilbranche verbuchte im ersten Quartal dank einer bis Juni befristeten Steuersenkung mehr Autoverkäufe als je zuvor, was vor allem Volkswagen zugute kam.

Japan: Für den Kauf eines besonders umweltfreundlichen Neuwagen zahlt die Regierung umgerechnet 750 Euro, bei Verschrottung eines mindestens 13 Jahre alten Auto kommen 1900 Euro Abwrackprämie hinzu.

China: Ein “Belebungsplan” für die Automobilindustrie mit Steuererleichterungen soll unter anderem auf dem Land für moderne Traktoren sorgen. Staatliche Finanzierungsförderung beim Autokauf half vor allem BMW und Mercedes.

Premium nutzt Prämie nichts

Gelackmeiert sind die Premium-Hersteller Mercedes-Benz, BMW und Audi. Vor allem ihre Einbussen trugen bei einem Rückgang des Kraftfahrzeugexports um 41 Prozent im April dazu bei, dass die deutschen Auto-Unternehmen ihre Produktion deutlich zurückfahren mussten. In den ersten vier Monaten unterschritt die Fertigung mit gut 1,4 Millionen Fahrzeugen das Vorjahresvolumen um 31 Prozent. Marktexperten warnen zudem vor einem weiteren Einbruch, wenn die fünf Milliarden Euro aufgebraucht sind, die die Bundesregierung für die Prämie vorgesehen hat. Voraussichtlich wird das schon im Sommer der Fall sein.
Auch die Autohändler ziehen eine zwiespältige Zwischenbilanz. So verzeichnet der Gebrauchtwagenmarkt in Deutschland im April gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat einen Rückgang um 7,9 Prozent. Viele Autohäuser sind zudem verschuldet, weil sie ihren klammen Kunden die Prämie aus Konkurrenzgründen vorstrecken müssen. Die Händler fordern deshalb eine rasche Bearbeitung der 1,353 Millionen Anträge, die bis Ende April beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle eingegangen waren.

Kritik der Umweltschützer

Ökologen sind verärgert darüber, dass die Massnahme zur Ankurbelung der Wirtschaft in Deutschland ausgerechnet als „Umweltprämie” daher kommt. Die Subvention schadet nach ihrer Ansicht ökologisch gesehen mehr als sie nützt, weil alle Neuwagen unabhängig von der Höhe ihres Kohlendioxidausstosses gefördert werden. „Blinder Aktionismus statt Klimaschutz hilft niemandem”, fasst Greenpeace-Verkehrsexperte Wolfgang Lohbeck zusammen. „Die deutsche Autoindustrie muss leichtere und sparsamere Autos bauen, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben will, und die Bundesregierung sollte nur solche Autos finanziell fördern.”

 

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