Nachfrage nimmt wieder zu

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Geschrieben von: Yvonne von Hunnius, St. Gallen 08.05.09
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Solarenergie, Nachhaltigkeit, FondsNachhaltigkeitsfonds haben weniger Verluste als reguläre Fonds eingefahren. Gerade Investitionen in erneuerbare Energien sind jetzt lohnenswert. Das hat sich herumgesprochen. Auch Anleger ohne Biowollsocken investieren in nachhaltige Fonds. Seit Februar steigt das Interesse n wieder an.

Auf der Suche nach Zukunftstrends haben Anlageberater seit dem letzten Herbst stets auf die Kristallkugel verwiesen, die sie nicht hätten. Die Krise, so hiess es, habe alle Trends gebrochen. Doch es gibt gute Nachrichten aus dem Fondsbereich: Anlagen, die auf nachhaltige Wirtschaftszweige und Unternehmen setzen, haben sich behauptet und werden verstärkt nachgefragt. Antoinette Hunziker-Ebneter, die ehemalige Chefin der Zürcher Börse, sagt: „Virtuelle Anlageprodukte sind wie Kartenhäuser zusammengefallen. Doch nachhaltige Innovationen werden auch in Zukunft gefragt sein.” Als Geschäftsführerin der unabhängigen Vermögensverwaltungsgesellschaft Forma Futura in Zürich stellt sie besonders seit diesem Februar wieder eine starke Nachfrage nach nachhaltigen Anlagen fest.

Antizyklisches Wachstum in der Krise

Der Trend überlebt die Krise, so scheint es. Im vergangenen Oktober wurden im deutschsprachigen Raum 254 nachhaltige Fonds angeboten. Allein 2008 waren 90 Produkte hinzugekommen, so das Sustainable Business Institute in Oestrich-Winkel. Laut Beat Amstutz vom Fondsanbieter Swisscanto, einem Gemeinschaftsunternehmen der Kantonalbanken, gab es 2008 entgegen dem Markttrend sogar Geldzuflüsse bei nachhaltigen Kollektivanlagen. Deren Volumen sei in der Finanzkrise weniger stark zurückgegangen als der gesamt-schweizerische Fondsanbietermarkt. Und die Basler Bank Sarasin, die bereits seit langem ein Pionier in diesem Feld ist, verzeichnet eindeutig, dass nachhaltig agierende Unternehmen wesentlich weniger von den negativen Auswirkungen der Finanzkrise betroffen sind als nicht nachhaltig agierende. Sarasin-Investment-Leiter Burkhart Varnholt in einem Interview mit der "Basler Zeitung" Mitte März: „Wir erleben ein starkes und deutlich antizyklisches Wachstum der nachhaltig verwalteten Portefeuilles.” Antizyklisches - das ist es, was Anleger in der Rezession suchen.

Staaten lassen Milliarden fliessen

Die Finanzkrise selbst beflügelt das Interesse nach nachhaltigen Anlagen. Zum einen zielen viele Konjunkturspritzen auf den grünen Bereich. Nicht nur US-Präsident Barack Obama will jährlich 50 Milliarden Dollar (58 Milliarden Franken) in den Energiesektor pumpen und insbesondere alternative Quellen fördern. Die EU plant, bis zum Jahr 2020 insgesamt 20 Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen. Selbst China will bis dorthin einen Anteil von 15 Prozent erreichen. Ausserdem ist unbestritten, dass sich das Ungleichgewicht zwischen Ölangebot und -nachfrage sich wieder verschärfen wird, sobald die Konjunktur wieder angesprungen ist. Das dürfte auch die Suche nach alternativen Energiequellen wieder befeuern.

Zum zweiten sind viele Anleger momentan enttäuscht vom Management grosser Konzerne, was den Ruf nach ethischem Unternehmertum wieder laut werden lässt. Das Nachhaltigkeitskonzept vieler Nachhaltigkeitsfonds umschliesst neben ökologischen Gesichtspunkten auch soziale und ethische Aspekte, entspricht somit diesem Bedürfnis. Und dass verantwortungsbewusstes Management auch Rendite bringt, ist mittlerweile bestätigt. Eine Analyse des Zentrums für Unternehmensverantwortung und Nachhaltigkeit der Universität Zürich und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim macht deutlich, dass ein besseres Nachhaltigkeitsrating auch ein Zeichen für höhere Renditen ist.

Nicht die Katze im Sack kaufen

Doch wenn Nachhaltigkeit draufsteht, muss nicht immer Nachhaltiges drin sein. Die Bandbreite der angebotenen Produkte ist gross: Spezielle Themenfonds, die beispielsweise auf Wasserprojekte setzen, zählen hier ebenso hinzu wie Fonds, die lediglich bestimmte Branchen wie die Rüstungsindustrie ausschliessen. Bei spezifischen Anlagen gelten im Moment unter den Experten erneuerbare Energien, Elektromobilität und nachhaltige Infrastruktur-Projekte langfristig als interessant.

Die Anlagespezialisten der Luzerner Kantonalbank empfehlen besonders Wasserprojekte und alternative Energiegewinnung. Sie warnen gleichzeitig vor zu grosser Euphorie bei Infrastruktur-Fonds: „ Es darf nicht vergessen werden, dass der Infrastrukturbereich stark vom insgesamt schwachen Wirtschaftswachstum betroffen sein wird.” Die Geschäftsleiterin der LKB Expert Fondsleitung AG, Heidi Scherer, ergänzt, dass das Umwelt-Feld attraktiv ist, manche noch junge Aktien jedoch auch Risiken bergen. Die Zusammensetzung der Fonds ist demnach genau unter die Lupe zu nehmen. Doch die Nachfrage an nachhaltigen Unternehmungen ist laut Hunziker-Ebneter sicher: „Naturgemäss wird hier in Zukunft investiert. Beim Stand des Klimawandels bleibt uns nichts anderes übrig. Deshalb gibt es eigentlich keine Alternative zur Investition in Nachhaltigkeit.”

 

Mehr Informationen:

Informationsseite zum nachhaltigen Investieren, betrieben vom Sustainable Business Institute, Oestrich-Winkel

Webtool der Erklärung von Bern zur Auswahl nachhaltiger Fonds

 

Bild: Kraftwerke, die mit konzentrierter Sonnenenergie betrieben werden, bilden einen der Schwerpunkte in der Entwicklung erneuerbarer Energien (Steffen Klatt)

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