Wädenswil - Das Leben der Wale und Delphine ist in den letzten Jahrzehnten härter geworden. Immer wieder stranden die friedlichen Meeressäuger an Küsten und verenden kläglich. Ursachen dafür gibt es viele. Der Verein OceanCare mit Sitz in Wädenswil will den Tieren helfen zu überleben. Wer will, kann mitmachen: mit Aktivferien im Mittelmeer.
„Während eines längeren Tauchgangs beschlossen wir, das Riff zu verlassen. Wir suchten das offene Meer auf. Plötzlich tauchte eine grosse Delphinschule auf – es waren fünfzig oder sechzig Tiere. Ich kann heute nicht mehr sagen, wie lange diese Begegnung dauerte, aber seither war mir klar, dass ich mich fortan mit aller Kraft dafür einsetzen werde, die Lebensbedingungen dieser aussergewöhnlichen Tiere zu verbessern.“ Und so gründete Sigrid Lüber zusammen mit ihrem Mann Ed nach einem Urlaub in den Malediven die Organisation OceanCare. Das war vor zwanzig Jahren. Viele Anstrengungen liegen hinter ihnen. Heute befassen sie sich intensiv mit der zeitlichen und örtlichen Verbreitung der verschiedenen Wal- und Delphinarten im Mittelmeer, zwischen der Küste der Provence und Korsika. Dabei geht es vor allem um die Realisierung von Schutzzonen, die Bekämpfung der Meeresverschmutzung, die verstärkte Verfolgung illegaler Fischereiaktivitäten und die Sensibilisierung der Touristen und Berufsfischer. Walschutz im MittelmeerNur dank der Beteiligung von Mitgliedern kann OceanCare einen wissenschaftlichen Beitrag zum Schutz der Wale und Delphine leisten. Und um neue Mitglieder zu gewinnen, werden die Sommermonate hindurch laufend Aktivferien auf See angeboten. Das Projekt „MEDitteranean CETaceans“, kurz genannt MEDCET, ist in Form von Wochenkursen organisiert und bietet interessierten Personen die Möglichkeit, die Meeressäuger in ihrem natürlichen Lebensraum kennen zu lernen und aktiv an der Forschung teilzunehmen. Zu erforschen gibt es denn auch einiges. In den Sommermonaten versammeln sich im korsisch-ligurischen Meeresbecken nämlich zahlreiche Wale und Delphine. Insgesamt acht Walarten sind im Mittelmeer verbreitet, darunter der Finnwal, Pottwal und der Grindwal. „Wir helfen beim Zählen der Tiere und bei der Artenbestimmung mit, erfassen die Daten wie Wetter, Wellengang und bestimmen, wo sich die gesichteten Tiere aufhalten und wohin sie sich bewegen“, sagt Yvonne Horisberger, die seit 2003 regelmässig Gast an Bord des Forschungsschiffes ist. „Jede Begegnung mit Walen ist ein einmaliges Erlebnis. Letztes Jahr hatten wir das Glück, einen Pottwal ganz aus der Nähe zu betrachten“, erzählt sie begeistert weiter. Neben forschen auch segelnNeben der Einführung in die Wal- und Meereskunde kommt aber auch das Bordleben und das Erlebnis Segeln nicht zu kurz. Mit einem erfahrenen Skipper an Bord werden die Bordgäste in die Materie Segeln und Navigation eingeführt. Dazu gehören auch die Vorbereitung der Mahlzeiten, Segel setzen und bergen sowie die An- und Ablegemanöver. Ed Lüber, Skipper und Mitbegründer von OceanCare, mach jedoch deutlich, dass weniger das Segeln als vielmehr die Walforschung im Vordergrund stehe. Dies auch deshalb, weil oft unter Motor gefahren werden muss, um die entsprechende Geschwindigkeit für die Forschungsmethoden zu erreichen. Dennoch besteht die Möglichkeit, Segel-Meilen für den B-Schein zu bestätigen. Lärm kann Wale töten Immer wieder stranden Wale an Küsten und verenden kläglich. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Laut Silvia Frey sind es aber vor allem menschliche Aktivitäten, die eine grosse Bedrohung darstellen. Darunter die Industriefischerei, die einerseits die Nahrung gewisser Walarten leerfischt. Andererseits unzählige Tiere, die als Beifang getötet würden. Dazu komme die Belastung der Gewässer mit langlebigen Schadstoffen und Schwermetallen, die sich über die Nahrungskette bis zu den Walen verfolgen lasse. „Die Lärmbelastung der Meere durch Schiffsverkehr, militärische Sonartests und seismische Untersuchungen hat in den letzten 60 Jahren enorm zugenommen. Lärm kann dazu führen, dass sich Wale nicht mehr orientieren können und ihre Kommunikation untereinander eingeschränkt ist. Lärm kann Wale töten“, so die Walforscherin. Viele Grosswalarten bestünden seit der grossen Walfangzeit nur noch aus Bruchteilen der damaligen Populationsgrösse. Jeder Beitrag zählt „Seit diesen Forschungswochen gehe ich mit offeneren Augen durchs Leben. Mein Blick ist geschärft, ich nehme die Veränderungen in der Natur viel intensiver wahr“, so Horisberger. Auch OceanCare ist sich sicher, motivierte Menschen, die die Umwelt achten und eine weit verbreitete Umstellung auf nachhaltige Fischerei würden einen wichtigen Wendepunkt in Richtung Gesundung der Gewässer bedeuten. Dann könnten auch die Wale wieder ungestört durch die Meere wandern.
Weitere Informationen:
Die Forschungstörns finden vom Juni bis September statt. Es hat noch Plätze frei. Informationen und Anmeldung: OceanCare, +41 44 780 66 88,
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. Bild: OceanCare
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