Basel - Pro Natura fordert vom Bund einen Zulassungsstopp für bienengefährliche Pestizide. In Deutschland sind diesen Chemikalien tausende Bienenvölker nachweislich zum Opfer gefallen. Jedes Jahr werden in der Schweiz 1400 Tonnen Pestizide direkt in die Umwelt ausgebracht.
Jetzt fliegen sie wieder, die fleissigen Bienen. Nach einem ungewöhnlich langen Winter sind sie auf viele nektarreiche Blüten in der Landschaft angewiesen. Doch die Idylle trügt: Die Bienenvölker sind akut bedroht. Schwierigkeiten machen den Imkern eine Häufung und die Kombination verschiedener negativer Einflussfaktoren im Lebensumfeld der Bienen. So lassen zum Beispiel zu hohe Düngerintensitäten die Wiesen und Weiden verarmen, Herbizide vernichten die Begleitflora im Ackerbau, beides reduziert die Futterquellen der Bienen. Zudem plagen Varroamilben und die Bakterienkrankheit Sauerbrut die geschwächten Völker. Nervengift vernichtete BienenvölkerDoch damit nicht genug: Neue Beizmittel, welche im Maisanbau die Saatkörner umgeben und damit den Mais gegen verschiedene Schädlinge vor Frass schützen sollten, haben letztes Jahr in Deutschland tausende von Bienenvölkern zum Sterben gebracht. Die Beizmittel der Wirkstoffgruppe der Neonicotinoide der Deutschen Chemiefirma Bayer und der Schweizer Firma Syngenta wirken als starkes Nervengift auf Insekten aber auch auf den Menschen. Pro Natura fordert aufgrund der Erkenntnisse aus Deutschland einen Zulassungsstopp für diese Beizmittel. Die Forderungen von Pro Natura ans Bundesamt für Landwirtschaft: 1. Der Einsatz bienengefährlicher Pestizide muss verboten werden Pro Natura fordert die sofortige Rücknahme der Zulassung für bienengefährliche Beizmittel durch das Bundesamt für Landwirtschaft. Insbesondere die nachweislich bienentoxischen Wirkstoffe Clothianidin und Imidacloprid sind vom Markt zu nehmen. 2. Die Zulassungsprüfungen müssen verbessert werden Pro Natura verlangt eine unabhängige Prüfung der Langzeitfolgen von Pestiziden auf die Bienen. Die Untersuchungen müssen unter im Feld relevanten Bedingungen durchgeführt werden, denn Toxine wirken oft stärker, wenn Organismen mehrfachen Stressfaktoren ausgesetzt sind (z.B. bei schon geschwächten Bienen wegen Parasitenbefall). 3. Halbierung des Pestizideinsatzes innerhalb der nächsten zehn Jahren Jedes Jahr werden in der Schweiz 1400 Tonnen Pestizide direkt in die Umwelt ausgebracht Pro Natura. fordert vom Bundesamt für Landwirtschaft BLW ein klares und verbindliches Reduktionsziel für den Einsatz von Pestiziden in der Schweiz. Die Erforschung von Anbautechniken, die weitgehend auf Pflanzenschutzmittel verzichten, müssen intensiviert werden.
Giftiger Staub wird freigesetztErst auf die Ereignisse in Deutschland hin hat die Zulassungsbehörde in der Schweiz reagiert. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) forderte im Januar 2009 die Nachrüstung der Sämaschinen, damit die Abluft und damit der giftige Staub «in die Nähe und in Richtung des Bodens» (Zitat Bundesamt) entweicht. Bis im vergangenen Jahr wurde die bei der Saat entstehende Abluft seitwärts ausgeblasen. Pro Natura ist besorgt über das mangelhafte Zulassungsverfahren, welches solche gravierenden Mängel beim Ausbringen der Pestizide erst im Schadenfalle aufdeckt. Weitere Informationen: Pro Natura Marcel Liner, Projektleiter Landwirtschaftspolitik, Telefon 061 317 92 40,
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