Grüner Beton hält besser

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Geschrieben von: Yvonne von Hunnius, Biel 29.04.09
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Der Schweizer Baustoff-Riese Holcim ist nicht grau, sondern grün. Und zwar von innen und von aussen. Das sagt Michel Monteil, bei Holcim Schweiz für Umwelt, Gesundheit und Sicherheit zuständig. Sein Job ist nachhaltige Unternehmeskultur. Durch Fortbildung der Mitarbeiter ist das Thema bei Holcim immer aktuell.

Yvonne von Hunnius: Sie sind für die Umweltbelange zuständig, aber auch für die Sicherheit und Gesundheit der 1.300 Mitarbeiter der Holcim Schweiz. Passt das zusammen?

Michel Monteil: Die Koppelung dieser Bereiche ist sehr sinnvoll. Jeder Mitarbeiter soll sich selbst nahe stehen und ebenso sollen ihm das Unternehmen und die Umwelt am Herzen liegen. All diese Ziele erreichen wir durch Fort- und Weiterbildungen. Unser Nachhaltigkeitsansatz basiert auf drei Säulen – dem anerkannten dreifachen Mehrwert der Nachhaltigkeit: Soziales, Ökologisches und Ökonomisches sollen stets im Gleichgewicht sein.

Yvonne von Hunnius: Sie arbeiten mit der Bildungsinstitution für nachhaltige Entwicklung sanu zusammen. Aber nicht alle Holcim-Mitarbeiter können an sanu-Kursen teilnehmen, oder?

Michel Monteil: Das muss auch nicht sein. Für Werkleiter und andere leitende Angestellte sind die Seminarangebote von sanu sehr interessant. Sie können das erworbene nachhaltige Wissen in internen Schulungen an Mitarbeiter weitergeben. Dieses „Train-the-Trainer“-Prinzip verfolgen wir schon seit langem. Wenn ein Umwelt-Fachmann Kurse für Mitarbeiter gibt, dann erklärt er Dinge, die meist nicht in direkter Verbindung zum Arbeitsalltag stehen. Wenn jedoch ein direkter Vorgesetzter das Wissen genau so zuschneidet, wie es in seinem Fachgebiet relevant ist, bleibt viel mehr hängen.

Andererseits habe ich erst neulich als Referent am sanu-Kurs „Umweltfachfrau / Umweltfachmann“ mitgewirkt. Somit profitieren beide Seiten sehr von dieser Kooperation – wir als Unternehmen sowie die Bildungsinstitution.

Yvonne von Hunnius: Was hat ein Zement-Experte bei einem Umweltkurs als Referent zu suchen?

Michel Monteil: Zement ist nicht einfach grau. Wir stellen Zement heute unter viel nachhaltigeren Bedingungen her, als dies noch vor ein paar Jahren denkbar war. Die Zementherstellung hat einen grossen Energiebedarf; permanent arbeiten wir deshalb daran, die Energieeffizienz zu verbessern. In der Schweiz werden mit der Abwärme unserer Zementöfen beispielsweise inzwischen mehrere hundert Gebäude geheizt.

Naturgemäss ist der CO2-Ausstoss in der Zementbranche hoch. Um diesen zu senken, verfolgt Holcim eine dreifache Politik. Erstens: Wir setzten so energieeffiziente Anlagen wie möglich ein. Zweitens: Wir verringern den Anteil des gebrannten Gesteins im Zement, den sogenannten Klinker. Drittens: Wir ersetzen fossile Energieträger durch alternative Brennstoffe wie Plastik und Klärschlamm. 35 Prozent der Wärmeenergie deckt die Holcim Schweiz heute durch alternative Brennstoffe.

Ausserdem versuchen wir, durch neue Produkte auch aktiv auf die Verwendung von Beton einzuwirken.

Yvonne von Hunnius: Zement ist Zement und wird verwendet, wie der Nutzer es vorsieht. Wie ist da Einfluss möglich?

Michel Monteil: Weil Beton inzwischen auch eine starke Dämmfunktion besitzt, können wir mit Produktverbesserungen eindeutig dazu beitragen, dass sich die Energieeffizienz von Gebäuden verbessert.

Weiter ist uns die Renaturierung von Steinbrüchen ein grosses Anliegen. Wir sehen es als unsere Pflicht an, hier besonders nachhaltig zu denken und arbeiten intensiv mit Naturschutzorganisationen wie dem WWF und Pro Natura zusammen.

Yvonne von Hunnius: Holcim ist ein internationaler Konzern. Nachhaltigkeit im Blick zu haben, dürfte in der Schweiz einfacher sein als in einem Dritte-Welt-Land...

Michel Monteil: Das stimmt nur bedingt. In manchen Staaten Asiens oder Lateinamerikas, in denen wir tätig sind, können wir in unserem Rahmen schon mit kleinen Initiativen eine positive Balance zwischen sozialen, ökologischen und ökonomischen Fragen herstellen. Wenn wir uns in einer infrastrukturschwachen Region dafür einsetzen, dass ein Krankenhaus entsteht, dann ist das ein grosser Schritt für die Regionalentwicklung. In der Schweiz sind solche Institutionen vorhanden. Hier müssen wir viel spezifischer arbeiten, um unser Ziel der Nachhaltigkeit zu erreichen.

Yvonne von Hunnius: Ernten Sie mit ökologisch nachhaltigen Konzepten nicht in vielen ärmeren Staaten der Welt Kopfschütteln?

Michel Monteil: Im Gegenteil. Wir nehmen oft eine Vorbildfunktion ein. Bei den dortigen Mitarbeitern geniessen wir grosse Unterstützung. Und auf übergeordneter Ebene ist unsere Kooperation mit der deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) ein gutes Beispiel für nachhaltige Entwicklung. Gemeinsam haben wir Standards erarbeitet, wie bestimmte Reststoffe in der Zementindustrie verwendet werden können. Viele Staaten – auch der dritten Welt – orientieren sich nun an dieser Richtlinie.

Unsere Umweltstandards ernten in vielen Staaten grosses Lob. Es ist schon vorgekommen, dass sich Behörden dank uns genauer über die Schweizer Kriterien informiert haben und Entsprechendes in ihrer Region flächendeckend auf den Weg gebracht haben. Das macht uns stolz.

 

Zur Person:
Michel Monteil ist bei Holcim Schweiz für Umwelt, Gesundheit und Sicherheit zuständig. Monteil war als Abfallexperte früher beim Bundesamt für Umwelt (Bafu) tätig und ist Vorstandsmitglied des Netzwerks für nachhaltiges Wirtschaften in der Schweiz, öbu.

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