Biel - Die Bildungsinstitution sanu setzt sich seit 20 Jahren für nachhaltige Entwicklung ein. Schweizer Konzerne wie Nestlé oder Holcim sind mit im Boot. Jährlich bilden sich 2.500 Menschen bei sanu in nachhaltiger Entwicklung weiter. Und sie tragen die grünen Inhalte in ihren Arbeitsalltag. Umwelt, Mitarbeiter und Unternehmen profitieren.
Maurer, Krankenschwestern, Laborantinnen, Landschaftsgärtner – das Thema nachhaltige Entwicklung geht alle an. Und ebenso unterschiedlich sind auch die Hintergründe der Menschen, die sich für eine Weiterbildung beispielsweise zum Umweltfachmann oder zur Umweltfachfrau entscheiden. Die Bildungsinstitution sanu in Biel spricht interessierte Menschen aus dem ganz normalen Berufsalltag an, ohne Ausnahmen. Rechtzeitig zum 20. Geburtstag der „Schweizerischen Ausbildungsstätte für Natur- und Umweltschutz“ hat ihr Bildungsangebot an Bedeutung gewonnen. Denn Nachhaltigkeit als Konzept für Innovation, Ethik und Wirtschaftlichkeit ist als Krisenausweg heute stark gefragt. 2.500 Schweizer wappnen sich heute jährlich bei sanu gegen die Krise und für den Kampf um Nachhaltigkeit. In den letzten zwei Jahren ist die Stiftung um 20 Prozent gewachsen. Mehr als saurer RegenSchon 1989 ging es sanu um mehr als sauren Regen. Der heutige Leiter, Peter Lehmann, war damals Gründungsmitglied: „Die Sensibilität für das Thema hatte sich in den Achtzigern langsam entwickelt, doch seitdem hat der Begriff der Nachhaltigkeit eine unglaubliche Karriere hinter sich.“ Eigentlich eine traurige, denn die ökologischen Probleme sind heute ungleich dringlicher. Umso wichtiger erscheint es, das umfassende Denken der Zusammenhänge zu fördern. Heute organisiert die Stiftung über hundert unterschiedliche Lehrgänge pro Jahr. Gefragt ist der finanzielle, ökologische und soziale Mehrwert, den nachhaltige Entwicklung bietet – die sogenannte Dreifachmehrwertschöpfung. Die Themenvielfalt beginnt bei der Nachhaltigkeitsbeurteilung von Projekten, geht über Lärmschutz auf Baustellen, die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln, natürlichen Tourismus, Naturschutzpolitik und endet bei Energiemanagementkursen noch lange nicht. Sanu bietet auch individuelle Kurse für interessierte Unternehmen an. Experten-Netzwerk mit nachhaltiger KompetenzZu 80 Prozent finanziert sich die Stiftung heute aus Eigenmitteln und hat sich somit praktisch von staatlichen Mitteln gelöst. Die restlichen 20 Prozent will man nicht missen. Alfred Wittwer, Verantwortlicher für Grün-, Ressourcen-Management und Sport-, Freizeit- und Tourismusentwicklung: „Finanziell schwache Teilnehmer erhalten Unterstützung von manchen Kantonen und wir können so für kleinere, nicht profitorientierte Gruppen attraktive Angebote bieten.“ Sonst würde sich die Stiftung längst selbst finanzieren, denn das Interesse von Unternehmen an diesen Fragen ist trotz oder wegen der Krise gross. Die geballte Kompetenz des Netzwerks von 1.500 Experten scheint sich herumgesprochen zu haben. Unternehmen springen auf den Zug aufSchweizer Unternehmen wie der Lebensmittelriese Nestlé oder der Baustoffhersteller Holcim springen auf den sanu-Zug auf. Der Umwelt-Verantwortliche von Nestlé Schweiz, Nguyên Merzouga, betont, dass die von sanu vermittelten weichen Berufskompetenzen enorm wichtig sind, geht es darum, grüne Themen in Unternehmen durchzusetzen. „Gerade hier sind nicht nur neue Ideen, sondern auch Mut und Fingerspitzengefühl gefragt.“ Sanu habe das früh erkannt, betone die Vermittlung zwischen unterschiedlichen Interessengruppen als Bedingung nachhaltiger Entwicklung, so Lehmann. Gerade bei der Weiterbildung zu Umweltfachleuten ist dieser Punkt neben Projektmanagement und Öffentlichkeitsarbeit ein entscheidender Lehrinhalt. Nachhaltige Mund-zu-Mund-PropagandaOft ist es die Wechselseitigkeit, die die Qualität der Seminare prägt: Mitarbeiter von Holcim nehmen an Kursen Teil und Holcim-Referenten gestalten die Einheiten mit. Michel B. Monteil, Verantwortlicher für Umwelt, Gesundheit und Sicherheit bei Holcim Schweiz: „Das ist eine Situation, in der beide Seiten nur gewinnen. Zum einen tragen wir zum Wissen der Kursteilnehmer um nachhaltiges Bauen bei und im Gegenzug profitieren unsere Mitarbeiter von der ganzheitlichen sanu-Weiterbildung. Damit besteht auch die Möglichkeit, dass in Werken von uns Kursteilnehmer das nachhaltiges Wissen an Kollegen weitergeben.“ So soll es funktionieren mit dem Schneeballsystem der Nachhaltigkeit. Immer mehr wirtschaftliche und gesellschaftliche Bereiche werden durchdrungen. Immer mehr sensibilisierte Menschen achten darauf, dass Nachhaltigkeit als Chance und nicht als Last betrachtet wird. Bild: Baustellenbesuch bei der BLS Alptransit im Rahmen einer Weiterbildung zur bodenkundlichen Baubegleitung (Sanu)
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