Noch immer sterben jährlich rund eine Millionen Menschen an Malaria, vor allem Kinder in Afrika. Daran erinnert der zweite Weltmalariatag am 25. April. Mit einem neuen Ansatz soll die Infektionskrankheit ausgerottet werden. Dreh- und Angelpunkt sind hierbei die Mütter, deren Selbstbewusstsein durch Initiativen enorm gestärkt wird.Millionen von Moskitonetzen sind in Afrika verteilt worden, aber nur ein Drittel davon ist im Einsatz. Thomas Teuscher ist überzeugt von Malarianetzen, doch alleine können sie nichts ausrichten, sagt er. „Wir brauchen einen anderen Ansatz, um den Kampf gegen Malaria zu gewinnen”, sagte der WHO-Experte beim Malariakongress Ende März in Genf. Das Zauberwort heisst CSS und steht für „Community Systems Strengthening”. Dahinter steckt die Idee, die lokalen Netzwerke zu stärken. Hilfe zur Selbsthilfe ist zwar seit Jahrzehnten das Credo in der Entwicklungszusammenarbeit, nun soll ihm aber noch radikaler nachgelebt werden: Die Betroffenen müssen selbst das Problem erkennen und die Lösung dazu entwickeln. „Es ist Zeit, die Dorfschaften auf den Fahrersitz zu holen”, sagt Awa Marie Coll-Seck, Direktorin des WHO-Programms „Roll Back Malaria Partnership”.
Auch Global Fund hat gemerkt, dass es mit Geld allein nicht getan ist. Drei Viertel aller Gelder für den Kampf gegen Malaria kommen von dieser Organisation. In ihr haben sich 2002 Regierungen, Nichtregierungsorganisationen und Firmen wie Novartis, Pfizer oder Bayer im Kampf gegen Aids, Tuberkulose und Malaria zusammengeschlossen. Bis Ende 2008 war der Fonds der WHO angeschlossen. Botschafterin ist Carla Bruni-Sarkozy, prominentester Spender ist die Stiftung von Microsoft-Gründer Bill Gates. 11,4 Milliarden Dollar sind bisher in 550 Programme in 136 Ländern investiert worden. Seit 2007 hat sich Global Fund die Stärkung der Zivilgesellschaft zum Ziel gesetzt, in jedem Programmantrag soll dies routinemässig aufgenommen werden. Das kommt einer Revolution gleich, denn bisher gingen die grossen Geldgeber immer davon aus, dass die Lösungen bekannt sind und nur richtig umgesetzt werden müssen. „Falsch”, sagt Jean-Louis Lamboray Leiter der Organisation „Constellation for AIDS Competence” und einer der Vorkämpfer des neuen Ansatzes: „Wir gehen nicht in die Dörfer, um Geld zu bringen und Lösungen aufzuzwingen, wir gehen, um die Diskussion anzuregen.” Lamboray hat einen Fragebogen entwickelt, mit dem die Dorfschaften selber herausfinden können, wie kompetent sie im Kampf gegen Aids sind und welche Prioritäten sie setzen möchten. Erfolg in TogoAngepasst auf Malaria wurde dieses Instrument ab 2005 in Togo eingesetzt. Resultat 2008: In Dörfern, die den Fragebogen eingesetzt haben, gibt es mehr Moskitonetze und weniger Malariatote; 68 Prozent der Kinder unter fünf Jahren schlafen unter einem Netz, 37 Prozent der Kinder leiden an Malaria, 17 Prozent weniger als in Dörfern, in denen die alten Ansätze verfolgt werden. „Ein nationales Programm zu haben, reicht nicht. Die Menschen müssen motiviert sein, um mitzumachen. Dazu müssen sie den Kampf selber führen”, sagt Blaise Toulassi Sedoh, der die Aktion des lokalen Roten Kreuzes in Togo koordiniert hat. Natürlich ist die Unterstützung von nationalen und internationalen Organisationen weiterhin wichtig, vieles aber kann mit gemeinsamen Aktionen vor Ort selber gelöst werden. Dazu gehört, Brunnen zu säubern und Abwasserrinnen zu graben, um die Brutstätten der Mücken zu zerstören. Oder schlicht, die Moskitonetze korrekt aufzuhängen. 700 Mütterclubs gegründetZentral für den Erfolg in Togo waren die Frauen. Um sie zu stärken, hat das Rote Kreuz im ganzen Land 700 Mütterclubs gegründet. Die dortige Beschäftigung mit dem Thema hatte zur Folge, dass Frauen ihre Stimme erhoben haben. „Wenn die Frau die Malariarisiken kennt, dann will sie ihre Kinder beschützen und spricht mit ihrem Mann darüber”, sagt Gesundheitsexperte Sedoh. Als Konsequenz habe auch der Aberglaube abgenommen, Malariakranke seien verhext, wenn sie von Krämpfen geschüttelt die Augen rollen. Das Selbstbewusstsein der Frauen hat sogar dazu geführt, dass in den ersten freien Parlamentswahlen im Herbst 2007 fünf Frauen aus den Mütterclubs kandidiert haben. WHO-Experte Teuscher hofft, dass mit diesem Ansatz der „grosse Schritt” gelinge. Der „Global Malaria Action Plan” hat hehre Ziele gesteckt: Man will die Zahl der Malariafälle bis Ende 2010 im Vergleich zum Jahr 2000 um die Hälfte auf rund 200 Millionen reduzieren. Malaria-Tote soll es bis 2015 gar keine mehr geben. Heute stirbt alle 30 Sekunden ein Kind an Malaria. 247 Millionen MalariafälleMalaria kommt in 109 tropischen und subtropischen Ländern in Afrika, Asien sowie Süd und Mittelamerika vor. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt im „World Malaria Report 2008″, dass es 2006 rund 247 Millionen Malariafälle und 881 000 Tote gab. 90 Prozent der Toten waren Kinder unter fünf Jahren und schwangere Frauen in Afrika südlich der Sahara. Übertragen wird die Infektionskrankheit durch nachtaktive, weibliche Moskitos der Familie der Anopheles Mücke. Verursacht wird sie durch einzellige Parasiten, die Plasmodien, von denen es vier Arten gibt, eine hiervon kann zum Tod führen. Die ersten Symptome zeigen sich nach rund zehn Tagen mit Fieber, Kopfschmerzen, Schüttelfrost und Erbrechen. Eine Impfung gegen Malaria ist derzeit noch nicht möglich. Nach ersten erfolgreichen Resultaten mit dem Wirkstoff RTS,S startet Ende April jedoch ein erster Grossversuch in Afrika. Zur Bekämpfung der Malaria fordert das WHO-Programm „Roll Back Malaria Partnership” bis 2020 jährlich 5 Milliarden Dollar, um unter anderem 730 Millionen Moskitonetze und 170 Millionen Moskitosprays zu verteilen sowie 1,5 Milliarden Schnelldiagnostik-Tests und 230 Millionen Medikamente bereit zu stellen. 2007 wurden 1,5 Milliarden Dollar eingesetzt. Die WHO schätzt die Kosten der Malaria in Afrika durch Tod, Krankheit und Behandlungen auf jährlich 12 Milliarden Dollar.
Links: www.who.int/topics/malaria www.rollbackmalaria.org www.stopmalarianow.org www.safetravel.ch Foto: Voices for a malaria free world /Vestegaard Frandsen
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