Mit sauberer Kohle in den Export

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22.04.09
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Kohlekraftwerk, Laziska, PKE, Abscheidung und Lagerung von KohlendioxidKattowitz - Polen rechnet sich gute Chancen aus, in nicht allzu ferner Zukunft zum Exporteur von sauberem Kohlenstrom zu werden. Vorausgesetzt, die Abscheidung und Lagerung von Kohlendioxid in grossem Massstab gelingt. Dazu möchte das Land auch Gelder der Europäischen Union erhalten.

Polen sitzt auf riesigen Kohlenvorräten, die den Energiebedarf des Landes für Jahrhunderte sichern können. Aber Kohle ist schmutzig. Bei ihrer Verbrennung entsteht Kohlendioxid (CO2), das den Klimawandel anheizt. Doch CO2 kann abgeschieden und beispielsweise unterirdisch abgelagert werden. Diese Strategie wird auch Sequestrierung genannt und macht momentan unter Abkürzung CCS (carbon capture and storage) Karriere. Polen hat umso mehr Interesse, als die Europäische Union dafür Geld bereitstellt. Zwölf europäische Vorzeigeprojekte werden mit 300 Millionen CO2-Bewilligungen finanziert, was derzeit einem Betrag von bis zu neun Milliarden Euro (13,6 Milliarden Franken) entspricht. Europaweit werden 60 Projekte zu diesem Wettbewerb vorbereitet. Davon zwei in Polen. Die Entscheidung, welches gefördert wird, fällt Ende 2010

Schwache Pilotanlage in Sachsen

Das bisher grösste CCS-Projekt wird seit 2006 von Vattenfall im Braunkohlekraftwerk Schwarze Pumpe in der Lausitz in Sachsen betrieben. Allerdings beträgt die Leistung der Pilotanlage nur 30 Megawatt. Die Polen wollen Anlagen bauen, die zehnmal so gross sind. Eine soll im Kraftwerk Belchatow bei Lodz in Zentralpolen verwirklicht werden, das der Energieholding PGE gehört. Die andere werde im Oppelner Schlesien in Südwestpolen entstehen. Hier geht der Chemiebetrieb ZAK mit dem Stromkonzern PKE aus der Gruppe Tauron eine Kooperation ein.

Riesige unterirdische Kapazität

Mit 4400 Megawatt Leistung ist Belchatow das grösste klassische Kraftwerk Europas. „Das heisst auch, dass hier enorm viel Kohlendioxid produziert wird“, sagt Vorstandchef Krzysztof Domagala. Seit 2006 wird ein neuer Block mit einer voraussichtlichen Leistung von 858 Megawatt gebaut. Mit seiner Inbetriebnahme wird Belchatow auch unter allen Wärmekraftwerken weltweit am grössten sein und natürlich auch noch mehr CO2 ausstossen. Das Interesse für eine Investition, die den Ausstoss dieses Treibhausgases verringern würde, ist daher gross. Gedacht wird an eine Anlage, die mit dem neuen Block verknüpft wäre und nicht das gesamte Kohlendioxid abscheiden würde. Möglich ist eine Menge, die der Produktion von 300 Megawatt entspricht.

Der Vorteil des Belchatow-Kraftwerks: Etwa 1,5 Kilometer unter dem Gelände liegen poröse Felsschichten, die mit Salzwasser durchtränkt sind. „Dort könnten bis zu 90 Milliarden Tonnen CO2 abgespeichert werden – soviel, wie es Wasser es in der Ostsee gibt“, schwärmt Andrzej Siemaszko, der Direktor des polnischen Landeskontaktpunkts für EU-Forschungsprogramme, bei einem Europäischen Wirtschaftskongress am Wochenende in Kattowitz (Katowice). Jacek Jezierski, Hauptgeologe des Landes und zugleich Unterstaatssekretär im Umweltministerium, weigert sich, diese Schätzung zu bestätigen. Dennoch bleibt Siemaszko optimistisch: „Wir haben gute Chancen, bald ganz Europa mit sauberer Energie zu beliefern.“

Methan aus Kohlendioxid

Ein Projekt in Cosel (Kozle) geht noch weiter. Hier soll in Kooperation zwischen dem Chemieriesen ZAK und dem Stromkonzern PKE „der erste energetisch-chemische Nullemissionskomplex der Welt“ entstehen. Sechs Milliarden Zloty (1,4 Milliarden / Euro, 2,1 Milliarden Franken) werden laut Robert Duszewski, Mitglied des Vorstands von ZAK, hierfür in die Hand genommen. Eine veraltete Anlage soll durch ein modernes Wärmekraftwerk ersetzt werden, das 309 Megawatt Strom und 137 Megawatt Wärme liefern. Etwa ein Viertel des dabei generierten Kohlendioxids soll zur Produktion des Synthesegases Methan verwendet werden. Der Rest wird etwa 150 Kilometer weit nach Zentralpolen transportiert und dort abgelagert. Beim diesem Projekt sollen insgesamt 20 innovative Technologien angewandt werden. Und das könnte zum grossen Vorteil bei der Vergabe europäischer Gelder werden.

Die CO2-Sequestrierung ist eine lockende Perspektive. Gefährlich sei sie nicht, versichert der ehemalige Premier Polens Jerzy Buzek. Er ist Energie-Experte und setzt sich seit Jahren für saubere Kohlentechnologien ein. Ob die Methode funktioniert, wird man wohl erst nach einigen hundert Jahren wissen. „Schlimmstenfalls könnte das CO2 wieder in die Atmosphäre zurückkehren, was bedeuten würde, dass wir Geld ausgeschmissen haben“, sagt Buzek. Das Risiko bestünde, aber ohne Risiko gebe es seiner Meinung nach auch keine Innovation.

 

Mehr Informationen:

Vorschlag der EU-Kommission vom 10. Januar 2007 über die Förderung der Abscheidung und Lagerung von Kohlendioxid

Internetseite der Generaldirektion Forschung der EU-Kommission zum Thema Abscheidung und Lagerung von Kohlendioxid

 

Bild: Kühltürme des PKE-Kohlekraftwerks Laziska (Aureliusz Pedziwol)

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Simon Tribelhorn
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Simon Tribelhorn,
Geschäftsführer der LIFE Klima­stif­tung Liechten­stein

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