Obama will das US-Verkehrswesen erneuern. Er setzt auf Hochgeschwindigkeitszüge, um Luftwege und Fernstrassen zu entlasten. Pionier-Arbeit: Denn das Eisenbahnsystem ist veraltet. Von Europa lernen heißt schnell fahren lernen. Schnell will Präsident Barack Obama nicht die Autobahnen machen. Auf den US-Highways bleibt es bei 55 Meilen. Was dem neuen Mann im Weißen Haus imponiert, sind die Hochgeschwindigkeitszüge auf dem alten Kontinent, oder auch in Japan. Die wolle er auch für die USA, sagte er am Donnerstag in Washington. Milliarden dafür stehen schon bereit.
Neidisch auf EuropaSchon kürzlich hat der US-Präsident im Gespräch mit französischen und deutschen Jugendlichen am Rande des Nato-Gipfels in Strassburg offen bekannt: „Ich bin neidisch auf die europäischen Züge. Er frage sich selbst: „Warum können wir in den USA keine Hochgeschwindigkeitszüge haben?” Am Donnerstag unternahm der Präsident den ersten Schritt, seinen Traum zu verwirklichen. Mit insgesamt 13 Milliarden Dollar sollen zehn Korridore für Hochgeschwindigkeitszüge finanziert werden. Der größte Teil der Mittel soll aus dem 800 Milliarden-Stimulus-Paket zur Wirtschaftsbelebung kommen. Nach den acht Milliarden in den ersten zwei Jahren soll der Kongress in fünf Folgejahren je eine Milliarde genehmigen. Damit erhält der Kongress die Möglichkeit, das gesamte Programm zu debattieren. Wir brauchen ein intelligentes Transportsystem, das den Erfordernissen des 21. Jahrhunderts entspricht. Ein System, das die Reisezeiten verringert und die Mobilität erhöht, dass Staus verhindert und die Produktivität steigert: ein System, das die zerstörerischen Abgase reduziert und Arbeitsplätze schafft”, sagte Obama in Washington vor seinem Abflug nach Mexiko und Trinidad und Tobago, wo er am Gipfel der Organisation amerikanischer Staaten teilnimmt. Mit 100 Meilen durch die Städte…Obama schlug einen feierlichen Ton an wie einst John F. Kennedy, als er das NASA-Apollo-Programm bekannt gab. „Hochgeschwindigkeitszüge sind lange überfällig”, sagte Obama. „Dieser Plan sagt den amerikanischen Reisenden, dass sie nicht zu langen Warteschlangen auf den Flughäfen oder Auto-Staus auf den Autobahnen verurteilt sind.” Und er fügte hinzu, als wolle er alle Zweifel vorab ausräumen: „Es gibt keinen Grund, warum wir das nicht tun könnten.” Amerika müsse beschämt sehen, dass in Europa und Asien die superschnellen Züge mit Flugzeugen und Autos konkurrierten. In den USA habe man den Kopf in den Sand gesteckt und zugelassen, dass Flughäfen und Autobahnen überlastet wurden. Obama geriet ins Schwärmen: „Stellen Sie sich vor, mit über 100 Meilen (160 Stundenkilometern) durch Städte zu huschen, nur wenige Schritte zu ihrem öffentlichen Transportmittel zu gehen und wenige Straßenzüge von ihrem Ziel anzukommen.” Obama: „Das geschieht schon heute. Es geschieht seit Jahrzehnten. Das Problem ist: Es geschieht anderswo, nicht hier.” Schienen total veraltetIn den USA muss sich eine Menge ändern. Die US-Bundesverwaltung für Eisenbahnen definiert als Hochgeschwindigkeitszug schon das Fahren mit mehr als 90 Meilen (145 Stundenkilometer). Der Amtrak Acela Express ist der einzige amerikanische Hochgeschwindigkeitszug in Betrieb. Er verkehrt zwischen Boston, New York und Washington. Er kann bis zu 150 Meilen ( (240 Stundenkilometern) schnell fahren. Aber die Gleise sind so veraltet, dass er meist nur mit höchstens 80 Meilen pro Stunde fährt. Auf der ganzen Strecke ist er nur eine halbe Stunde schneller als ein Standardzug; dafür ist er aber doppelt so teuer mit Preisen in der Top-Auslastungszeit bis zu 400 Dollar für die Hin- und Rückfahrt. In Frankreich fährt der TGV mit einer Geschwindigkeit bis zu 350 Stundenkilometern , der japanische Shinkasen mit 300 Stundenkilometern. Auch die Hochgeschwindigkeitszüge in Deutschland, Spanien und China erreichen weitaus höhere Durchschnittsgeschwindigkeiten als die Züge in den USA. Ohne TransrapidObama hat zehn Korridore mit Strecken zwischen 150 und knapp tausend Kilometern Länge im ganzen Land benannt, von Neu England am Atlantik bis nach Kalifornien am Pazifik. Auf der Liste stehen Strecken, für die seit langem Schnell-Verbindungen vorgesehen sind, wie die weiten Ebenen von Texas nach Oklahoma oder nach Alabama. Auch der Staat New York, das Umfeld von New York City, gehört dazu. In Kalifornien ist schon positiv über eine Hochgeschwindigkeitsstrecke von San Francisco nach Los Angeles abgestimmt worden. Bei der Verbindung von Süd-Kalifornien nach Las Vegas ist auch eine Magnetschwebebahn, etwa der deutsche Transrapid, im Gespräch. Die allerdings steht nicht auf Obamas Liste. Foto: Freefoto.com
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