Britische Klimaforscher schlagen Alarm: Selbst wenn der Ausstoß von Treibhausgasen jährlich um drei Prozent reduziert wird, bestehe nur eine 50-prozentige Chance, die gefährliche Erderwärmung aufzuhalten und auf zwei Grad zu begrenzen. Doch wenn die Menschheit klimapolitisch die Hände in den Schoss legt, dann steigt die durchschnittliche Temperatur bis Ende dieses Jahrhunderts sogar um 7 Grad. Auch wenn es angesichts des langen Winters weniger auffällt: Der Klimawandel geht weiter. Er könnte sogar noch stärker ausfallen als bisher angenommen, sagen britische Klimaforscher. Bisher wird angenommen, dass die Welt nur eine Erwärmung um durchschnittlich 2 Grad einigermaßen schadlos bewältigen kann. Doch ob diese Grenze eingehalten werden kann, wird immer unwahrscheinlicher. Halbierung reicht möglicherweise nicht Die Wissenschaftler des Meteorologischen Institut in Exeter warnen: Selbst wenn eine Halbierung der Treibhausgase innerhalb der EU bis zum Jahr 2050 gelingt, bestehe nur eine 50-prozentige Chance, dass sich die Erdatmosphäre nicht um mehr als zwei Grad erwärmt. Dies wird als kritischer Grenzwert für die Erde gesehen. Bei einem Anstieg von mehr als zwei Grad befürchten die Wissenschaftler des Hadley Centres des britischen Wetterdienstes, des wichtigsten britischen Instituts zur Erforschung des Klimawandels, Kämpfe um Ressourcen wie Wasser, einen Verlust der Ernteerträge in Südeuropa sowie eine Verbreitung von Malaria und Tropenkrankheiten wie dem Dengue-Fieber. Ein Drittel der Tier- und Pflanzenarten könnte aussterben. Vor allem Korallen in Warmwassergebieten wären gefährdet, ebenso Polarbären und Kaiser-Pinguine. Forscher enthüllen dunkle SzenarienSelbst eine Erderwärmung bis zu zwei Grad würde Hitzewellen und Dürre nach sich ziehen. Sie würde das Ausmaß der Hitzewelle im Jahr 2003, bei der Tausende Menschen selbst in Europa starben, noch übersteigen. Laut Jason Lowe vom Hadley Center müssten die Kohlendioxid-Emissionen nach aktuellen Berechnungen bis 2015 ihren Zenit erreichen, um dann jährlich um drei Prozent zu fallen, wenn die geplante Halbierung der Werte von 1990 bis 2050 eintreten soll. Die Forscher haben verschiedene Szenarios simuliert: Werden Emissionen nach einem Zenit im Jahr 2015 nur um ein Prozent jährlich gesenkt, wird die Erderwärmung bis Ende des Jahrhunderts 2,9 Grad betragen. Wird die Spitze 2035 erreicht, erfolgt eine Erwärmung um vier Grad. Wird nichts getan, würde die Erde im Jahr 2100 nach Ansicht von Lowe 7,1 Grad wärmer sein: „Wenn nichts unternommen wird, besteht eine größere Gefahr der Erwärmung, so dass der Klimawandel immer gefährlicher wird.” Drastische Massnahmen gefordertDie Halbierung des Ausstoßes von Treibhausgasen wird innerhalb der EU als Mindestvoraussetzung gewertet, um den Temperaturanstieg bei zwei Grad einzudämmen. Die Briten haben sich sogar verpflichtet, Treibhausgas-Emissionen bis Mitte des Jahrhunderts um 80 Prozent zu senken. Doch selbst wenn drastische Maßnahmen erfolgen, der Temperaturanstieg lässt sich nicht abwenden, so Vicky Pope, Klimawandelexpertin des Hadley Centers: „Wir bewegen uns auf zwei Grad zu, was immer wir tun. Die Folgen zeigen sich bereits. Wir werden in einer sehr anderen Welt leben.” Die Warnung der britischen Wissenschaftler richtet sich an die internationale Politik: Der Weltklimagipfel im Dezember in Kopenhagen soll eine Nachfolgelösung für das Kyoto-Protokoll von 1997 finden, das Ende 2012 ausläuft. Dabei müssten sich die Staaten auf verbindliche Vorgaben für eine Senkung des Ausstoßes von Treibhausgasen einigen. Uneinig sind sich Regierungen rund um die Welt bisher allerdings über den Umfang der nötigen Schadstoff-Reduktion. Bild: Schmelzender Eisbär als Symbol des Klimawandels auf dem World Future Energy Summit in Abu Dhabi im Januar 2009 (Steffen Klatt).
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