Der Biomarkt wächst rasant: Coop und Migros sowie die Discounter springen auf die Bioschiene auf. Doch der Trend macht vor dem Schokoladen-Osterhasen halt. Die Schweizer scheinen nur nach frischen Bio-Produkten verrückt zu sein, nicht nach Bio-Hasen.
In den Regalen sitzen die Hasen fein aufgereiht. Da ist der süsse Feldhase, der zartbittere Dunkle, der trendig-smarte Weisse, der gefürchtete Hazy mit Schwert und Augenklappe. Und da ist der nachhaltige – der Bio-Hase. Auch ihn gibt es sitzend, lachend, mit kleinen Babys oder einem farbig bemalten Rüebli. Doch um ihn zu finden, muss man länger suchen. Er scheint sich unter der grossen Konkurrenz nicht wohl zu fühlen. Sowohl in Migros- als auch Aldi-Filialen haben ihn die Kollegen verdrängt. Einzig Coop hat Erbarmen und schenkt einem einzigen Modell sein Vertrauen, dem dunklen, 150 Gramm leichten Bio-Hasen der Linie Coop Naturaplan. Woran liegt es, dass man den süssen Biohasen so selten entdeckt? Ist er zu teuer? Schmeckt er nicht? Biohase hoppelt gegen den TrendDas geringe Interesse erstaunt gerade in Zeiten, in denen Bio boomt. Laut Bio Suisse, der Vereinigung Schweizer Biolandbau-Organisationen, wuchs der Biomarkt im letzten Jahr sogar doppelt so stark wie der Gesamtmarkt. Auch die Zahlen des Bio-Grosshandelsunternehmens Bio Partner AG zeigen, dass in keinem anderen Land der Welt pro Kopf so viel Bio konsumiert wird wie in der Schweiz. Und dennoch gibt es praktisch keine süssen Biohäschen im Grosshandel. „In diesem Jahr haben wir keinen Bio-Osterhasen und auch keinen Max-Havelaar-Hasen im Sortiment“, sagt Raphael Meier, Manager von Saisonprodukten der Migros, respektive Chocolat Frey. In vergangenen Jahren hätte man zwar welche angeboten, doch aufgrund der sehr schwachen Nachfrage seien sie aus dem Sortiment gestrichen worden. „Die Nachfrage für Schokoladenprodukte mit diesem Gütesiegel ist leider allgemein eher bescheiden, ganz im Gegenteil zur Medienpräsenz“, ergänzt Meier. Auch Aldi Suisse hat dieses Jahr keinen Bio-Osterhasen im Angebot. Laut Mediensprecher Sven Bradke sei die Nachfrage begrenzt. Handarbeit macht ihn teuerWer nur auf den Preis schaut, wird definitiv zum regulären Hasen greifen. „Die Bio-Osterhasen sind teurer. Entscheidend dafür sind die Grundkomponenten Bio und Fairtrade und die Produktionsmengen sind oft sehr klein“, sagt Albert Keel, Geschäftsführer vom Super Biomarkt Yardo. Auch Andrea Schödler, stellvertretende Geschäftsleiterin von Buono ergänzt, dass die Osterhasen oft in kleinen Familienbetrieben oder Bäckereien in kleinen Mengen hergestellt würden. Dies mit viel Handarbeit. So sei klar, dass die Produktionskosten höher ausfallen, als wenn in grossen Mengen maschinell produziert werde. Dazu komme, dass die Rohstoffe aus biologischer Produktion teurer seien als aus konventionellem Anbau. Bio schmecktBei der speziellen Zielgruppe der Biofachgeschäfte laufen die Hasen ausgezeichnet. Bei Yardo in St. Gallen sitzen trotz des höheren Preises nur noch wenige Osterhäschen auf dem Verkaufstisch. „Die genuss- und gesundheitsorientierten Bio-Konsumenten greifen bei ihren Einkäufen gleich auch zum Osterhasen“, so Keel. „Weil sie im Geschmack genauso lecker sind, wenn nicht besser, und die Umwelt nicht belasten“, ergänzt Andrea Schrödler. Und wie findet der Nicht-Bio-Konsument den Bio-Osterhasen? „Ich war überrascht, der Bio-Osterhase hat mir genauso gut geschmeckt wie der herkömmliche aus der Migros“, sagt Trudy Dörig aus St.Gallen. „Ich fand ihn auch gut, allerdings ein wenig bitter im Nachgeschmack“, sagt Ehemann Kurt Dörig. Das dürfte am höheren Kakaogehalt liegen, der seine Anhänger hat. Nina Mukovic, Verkäuferin im Reformhaus Müller in Luzern: „Es ist eher eine Art Zartbitter-Schokolade, bei unseren Kunden sind die Hasen sehr beliebt.“ Der naturverbundene Osterhase würde sicherlich zu Bio greifen. Foto: Yvonne von Hunnius
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