Liechtenstein will den Sprung von fossilen zu erneuerbaren Energiequellen schaffen. Die dortige Hochschule bringt Experten zusammen, um gemeinsam Visionen für das Fürstentum im Jahre 2020 zu entwickeln. Sonne und Wasser können dem Kleinstaat jedoch nur genügend Energie bereitstellen, wenn der Bedarf generell sinkt. „So schwer kann das alles doch gar nicht sein“, ist man versucht zu sagen, wenn man dem Stadtplaner und Energieexperten Peter Droege von der Hochschule Liechtenstein zuhört. Es gibt schliesslich genug positive Beispiele: Dörfer in Deutschland, in denen fast alle Häuser mit Solarkollektoren auf den Dächern ausgerüstet sind, Parkplätze in Städten, die mit Solarzellen überdacht sind und eine Solartankstelle für Elektrofahrzeuge mit Energie versorgen.
Es gibt gemüseproduzierende Wohnungen und umweltschützende Ein-Planet-Siedlungen, in denen die Menschen nur so viel Energie brauchen, damit es auch für alle anderen Menschen auf der Welt reichen würde. Es werden Häuser gebaut, die mehr Energie produzieren, als sie verbrauchen. Sogar der Papst hat auf dem Dach der päpstlichen Empfangshalle Solarzellen anbringen lassen. „Ein Spinner allein reicht nicht“Warum ist Liechtenstein nicht auch schon viel weiter, was visionäre Projekte und erneuerbare Energien angeht? Dieser Frage gingen ausgewählte Experten und ein interessiertes Publikum nach. Zu diskutieren gab es einiges. Warum hat Liechtenstein nicht schon längst ein Rheinkraftwerk? Warum stehen keine Windräder in Balzers? Und warum wird der Verkehr bei Energiekonzepten und Umweltplänen in Liechtenstein immer ausgeklammert? Der Wille ist im kleinen Fürstentum vorhanden, einen entscheidenden Schritt in Richtung Nachhaltigkeit zu gehen. „Ein Spinner allein wird nichts ausrichten können“, ist man überzeugt. Nicht nur der Staat muss aktiv werden, auch die Gemeinden können etwas bewirken, können erneuerbare Energien fördern, wie es die Dörfer Mäder und Wildpoldsried vormachen (siehe Kasten). Zwei Dörfer machen es vor In den Gemeinden Mäder (Vorarlberg/ Österreich) und Wildpoldsried (Oberallgäu/Deutschland) werden bereits vorbildhafte Projekte umgesetzt. Dank Ideenreichtum und Innovation kommt auch die Umwelt auf ihre Kosten. Die Einwohner von Wildpoldsried nannten ihn einen Spinner, heute sind sie ihrem Bürgermeister Arno Zengerle dankbar. Er und andere Visionäre machten die kleine Gemeinde in Bayern zu einem Musterdorf, was Umweltschutz und erneuerbare Energien angeht. Die Dorfheizung funktioniert mit Biomasse, auf der Hälfte aller Dächer des Dorfes befinden sich Solarzellen, mit Geothermie wird 49 Prozent des Wärmebedarfs im Dorf gedeckt. Mittlerweile produziert die Gemeinde mehr Energie, als sie selbst braucht und verdient Geld damit. Geld, das den Vereinen und den Bürgern zugute kommt. Wildpoldsried hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Umweltpreise gewonnen. Das motiviere die Bevölkerung, sagte Arno Zengerle. „Alle wollen beim Energiesparen helfen.“ Das neuste Projekt der Gemeinde sieht vor, dass der Bau von Passivhäusern subventioniert wird. Auch in der vorarlberger Gemeinde Mäder will man das Energiesparen und den Umweltschutz der Bevölkerung möglich schmackhaft machen. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn jedes Jahr gibt es das sogenannte Sonnenfest, an dem all jene, die eine Fotovoltaikanlage besitzen und generell Solaranlagen der Gemeinde fördern, gratis essen und trinken dürfen. „Energiesparen soll kein Verzichten sein“, sagte Bürgermeister Rainer Siegele. „Es muss Spass machen.“ In der Gemeinde Mäder steht die erste Öko-Hauptschule Vorarlbergs. Den Gemeindeverantwortlichen ist es gelungen, den CO2-Ausstoss in den vergangenen zehn Jahren um mehr als die Hälfte zu reduzieren. Die Gemeinde setzt auf Sonnenkraft und bezieht ausschliesslich Ökostrom. Rad- und Fusswege werden ausgebaut und der öffentliche Verkehr wird gefördert. Noch dieses Jahr will sich die Gemeinde Elektrofahrzeuge anschaffen. Liechtenstein hat gute VoraussetzungenJeder Einzelne kann etwas tun, kann sich über alternative Energien informieren. Jeder kann eine Fotovoltaik- oder eine kleine Windanlage auf seinem Dach anbringen. Das wäre der richtige Weg, fand Peter Droege. Er plädiert dafür, dass sich Dörfer und Städte von den fossilen Energien lösen, dass sie freier und unabhängiger werden. „Ruggell und Soeul haben eines gemeinsam“, sagte der Professor. „Sie sind beide von fossiler Energie abhängig und haben damit auch ähnliche Profile.“ Die Verstädterung sei vorprogrammiert – ganz egal, ob im Rheintal oder in Städten wie Peking und Las Vegas. Liechtenstein müsste auf erneuerbare Energien bauen. Dass das Land die besten Voraussetzungen hat, erklärte Melina Roos (ebenso Hochschule Liechtenstein). Ihrer These zufolge könnte Liechtenstein einen Grossteil der Energie mit Sonnen- und Wasserkraft decken. Auch Wind, Biomasse und Geothermie bieten bis anhin noch ungenutzte Potenziale. Aber: Alle erneuerbaren Energien werden nicht viel bringen, solange der Gesamtenergieverbrauch in Liechtenstein nicht sinkt, ist Roos überzeugt. Energiesparen ist angesagt. Die Liechtensteiner haben die Website energiebuendel.li gestaltet, die als Plattform für die Region wirken soll. Der Text ist zuerst im Liechtensteiner Vaterland erschienen. Foto:Presse- und Informationsamt, Vaduz
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