Grosser Sprung mit kleinem Puma?

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Geschrieben von: John Dyer, Boston 08.04.09
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Puma, General Motors, StadtverkehrNew York - Der US-Autobauer General Motors will trotz drohendem Bankrott mit dem Kleinstauto Puma den städtischen Verkehr revolutionieren. Das Strommobil erreicht 60 Kilometer pro Stunde und ist nur für Städte gedacht. Ob es dem angeschlagenen Autobauer helfen kann zu überleben, ist offen.

General Motors sorgt immer wieder für Überraschungen. Genau 53 Tage bleiben dem Autobauer aus Detroit noch bis zum Stichtag, an dem die Regierung von Präsident Barack Obama über zusätzliche Staatshilfe von 13,4 Milliarden Dollar für den Konzern entscheiden wird. Bei einem Nein Obamas bleibt nur der Gang zum Konkursrichter. Dennoch hat GM am Dienstag ein neues Auto vorgestellt – wenn man das Gefährt namens PUMA so nennen darf.

Adieu Cadillac und Hummer

Amerikas grösster Autohersteller war bisher auch für die grössten Personenwagen bekannt, vom Cadillac bis zum Hummer. Jetzt stellte GM den PUMA vor, ein in Zusammenarbeit mit dem Elektro-Roller-Fabrikanten Segway entwickelter Personenbeförderer. PUMA steht für Personal Urban Mobility and Accessibility, zu übersetzen mit Private Mobilität und Erreichbarkeit in Städten. „Der PUMA kann unsere Fortbewegung in Städten von Grund auf verändern“, schwärmte GM-Vizepräsident Larry Burns bei der New Yorker Autoschau am Dienstag, als er das Gefährt mit zwei Rädern und zwei Sitzen sowie einem an den Seiten offenen Verdeck präsentierte.

Die Kommentare reichten von „Rikscha“ über „fahrender Witz“ für den Kleinsttransporter, der immerhin 60 Stundenkilometer schnell sein soll. 60 Kilometer ist auch die Reichweite mit einer Elektroladung der unter dem Sitz befindlichen Batterien. Die Technik, dass das Kleinfahrzeug trotz nur einer Achse mit zwei Rädern nicht umkippt sondern selber balanciert, stammt vom Segway-Stehroller, der von Sicherheitspersonal in grossen Einkaufszentren oder auf Strandpromenaden benutzt wird.

Arbeit am neuen Rettungsplan

Es scheint fraglich, ob sich Entwicklungsaufwand und -ausgaben für ein Unternehmen wie GM bezahlt machen werden, das seit 2004 Verluste von 85 Milliarden Dollar ausweist. Das Augenmerk der Finanzmärkte richtet sich bei GM denn auch nicht auf den neuen Stadtroller, sondern auf den Stichtag für die Vorlage eines überarbeiteten Restrukturierungsplanes. Die Arbeitsgruppe Auto des Präsidenten hatte den vor kurzem eingereichten GM-Plan abgelehnt. Jetzt muss GM noch drastischere Schritte unternehmen, um an Staatsgeld zu kommen. Bisher schon war die Streichung von 50.000 Arbeitsplätzen allein in diesem Jahr geplant gewesen. Jetzt muss GM noch etwas drauflegen, um bei Obama zu überzeugen.
Die geplante Umwandlung von GMs Schulden in Unternehmensanteile, die die Gläubiger bekommen sollten, scheint auch nicht zu klappen. Niemand will Aktien einer Firma, die so gut wie nichts mehr wert ist. Schwierigkeiten machen weiterhin die Gewerkschaften, die den geplanten Abbau sozialer Leistungen nicht mitmachen wollen. Fritz Henderson, neuer Chef von GM nach dem von Obama erzwungenen Rauswurf von Rick Wagoner, hat deshalb schon einmal die Erklärung des Bankrotts als „wahrscheinlich“ bezeichnet.

Bankrott würde „hässlich“

Der Vorstand von GM hat am vergangenen Wochenende getagt, um zu beraten, wie man die strengen Auflagen des Obama-Teams erfüllen soll. „Wie von Anfang an arbeiten wir bei der Erstellung unseres Restrukturierungsplanes eng mit der Task Force zusammen“, versicherte GM-Sprecher Greg Martin.

Marktbeobachter verweisen auf die Gefahr, dass GM bei der Beantragung von gerichtlichem Schutz im Falle der Insolvenz damit rechnen müsse, in erfolgreiche und verlustbringende Unternehmensteile zerschnitten zu werden. Die Abwicklung eines solchen Riesenkonzerns werde Jahre dauern und ungeheure Rechtskosten verursachen, meinte Professor Lynn LoPucki von der Universität von Kalifornien in Los Angeles. Die könnten sich durchaus auf zwei Milliarden Dollar belaufen.

„Die beste Lösung wäre ein Arrangement ausserhalb des Bankrotts, das wird aber schwierig“, erklärte Dennis Virag von der Automotive Consulting in Ann Arbor, Michigan. „Der Bankrott eines Unternehmens von der Grösse und Komplexität von GM ist nicht einfach und wird meist hässlich.“

Geburt nach 18 Monaten

Bei GM setzt man indessen frohgemut auf den kleinen PUMA. 18 Monate Entwicklungsarbeit steckten in dem Elektro-Gefährt, versicherte GM-Vize Burns. Von Kritik an den Ausgaben dafür wollte er nichts wissen. Denn hier stehe das städtische Fahrzeug der Zukunft. 80 Prozent der Konsumausgaben der Welt konzentrierten sich auf die Städte, referierte er. „Wenn Sie im Geschäft bleiben wollen mit Fahrzeugen, dann ist es besser, Sie haben eines für die Städte.“
Andere Versuche, mit PUMA-ähnlichen Fahrzeugen beim Kunden zu landen, schlugen fehl. So brachte die britische Firma Sinclair schon 1985 ein dreirädriges batteriebetriebenes Fahrzeug auf den Markt – und machte noch im selben Jahr Pleite.

 

Bild: General Motors

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