Der Biomarkt trotzt der Krise. Der Dachverband Biosuisse sieht sogar Zeichen für weiterhin steigende Nachfrage und untersucht, weshalb nicht mehr Bauern auf ökologische Anbaumethoden umsatteln.
Auf Schweizer Tischen landete im vergangenen Jahr um elf Prozent häufiger Biokost. Und das, obwohl der Lebensmittelmarkt nur halb so schnell gewachsen ist. Jeder zehnte Biss in Gemüse ist mittlerweile schon „bio”. Besonders gestiegen ist die Nachfrage nach Eiern, Früchten und Fleisch aus nachhaltigem Anbau. Der Dachverband der ökologischen Landwirtschaft Biosuisse hat somit gute Nachrichten mitten in der Krise. Präsidentin Regina Fuhrer: „Wir konnten auch im ersten Quartal 2009 keinen Einbruch konstatieren.” Schweiz kauft direkt Zum Einkaufen in Mega-Supermärkten gibt es ebenso einen Gegentrend: Direktvermarkter konnten 2008 ein Plus von 17 Prozent verzeichnen und der Bio-Fachhandel von 13 Prozent mehr Umsatz. Gleichzeitig haben Billiganbieter den Biotrend entdeckt und konnten einen Gesamtumsatz von sieben Millionen Franken erzielen. Nicht zu finden sind hier Produkte mit dem von Biosuisse vergebenen Label „Knospe”. Präsidentin Fuhrer dazu: „Wir wollen mit der Knospe bewusst nicht in ein niedriges Preissegment und haben zum Prinzip, keine Vereinbarungen mit Discountern zu treffen. Doch jeder Biohof, der uns angeschlossen ist, kann seine Produkte selbstverständlich ohne die Zertifizierung des Labels vermarkten.” So gilt auch in der Krise, dass die Knospe am Preiskampf nicht teilnehmen will. 80 Prozent der Bioprodukte werden heute zu Knospe-Bedingungen hergestellt, 60 Prozent tragen das Label. Die drei Knospe-Hauptkriterien lauten ökologische, tiergerechte und gentechnikfreie Produktion. Bio-Eier sind heiss begehrt Doch es gibt kaum Überschuss in der Bioproduktion, die zu niedrigeren Preisen hätten führen können. Die Nachfrage ist so gross, dass es im vergangenen Jahr sogar in manchen Fällen zu Engpässen gekommen ist. Bio-Eier oder Bio-Getreide zum Beispiel waren oft schnell ausverkauft. Und der Verband sieht den Bedarf an Gemüse, Kräutern und Früchten als so gross an, dass weitaus mehr davon im letzten Jahr hätte verkauft werden können. Zu wenig Biohöfe Die Schere zwischen grosser Nachfrage und nicht ausreichendem Angebot öffnet sich weiter. Biosuisse-Geschäftsführer Markus Arbenz stellt heraus, dass die Umsatzzahlen zwar gestiegen, doch die Anzahl der Bio-Höfe und die Fläche der biologisch bewirtschafteten Flächen konstant geblieben sind. In beiden Fällen hat sich der Anteil bei elf Prozent eingependelt: 5.589 Betriebe und 121.000 Hektar Land werden unter ökologischen Gesichtspunkten bewirtschaftet. „Wir werden mit der Eidgenössischen Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon in diesem Jahr eine Untersuchung dazu durchführen, weshalb nicht mehr Bauern auf Bio umsatteln”, so Arbenz. Die Ergebnisse sollen zeigen, welche Gründe am schwersten wiegen, nicht in den Trend-Markt einzusteigen. Arbenz führt unter anderem die strengen Bio-Vorschriften oder die geplante Abschaffung der Bio-Direktzahlung als Hauptsorgen der Bauern ins Feld. Arbenz: „Gerade in der Schweiz, dem Pionierland des ökologischen Landbaus, dürfen keine Biobauern das Handtuch werfen. Auch für das Schweizer Image sind sie wichtig.” Im Urlaubskanton Graubünden würden 55 Prozent der Betriebe biologisch bewirtschaftet und nachhaltig für das Bild der Schweiz im Ausland stehen. „Dennoch gibt es im Land keinen Aktionsplan zur Förderung ökologischer Landwirtschaft. Unsere europäischen Nachbarn sind bei weitem aktiver”, sagt Arbenz. Im Augenblick sind es noch die Schweizer Konsumenten, die Bioprodukte hungrig am meisten unterstützen.
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