Der Einstieg des Emirats Abu Dhabi bei Daimler schützt Daimler vor einer feindlichen Übernahme und ermöglicht einen Quantensprung des Stuttgarter Autoherstellers - hin zum Elektroauto. Für das ölreiche Emirat ist Daimler ein Schnäppchen und passt in die Strategie, zu einem Zentrum der erneuerbaren Energien zu werden. Für die Stuttgarter ist der Einstieg ein Glücksfall.
Wie sich die Zeiten ändern: Als Kuwait in den 70er Jahren beim schwäbischen Automobilkonzern investierte, sahen Pessimisten in der Bundesrepublik schon den Untergang abendländischer Technologieführerschaft gekommen. Am Montag begrüsste der deutsche Regierungssprecher Ulrich Wilhelm ausdrücklich die Investition des Emirats Abu Dhabi in Daimler, die am Vorabend in einer Pflichtmitteilung bekannt gemacht worden war. „Mit der Investition werden auch die langfristigen Wachstumschancen und die Leistungsstärke der Branche in Deutschland anerkannt”, kommentierte der Sprecher die Tatsache, dass Abu Dhabi die arabischen Kollegen aus Kuwait als grösster Einzelaktionär bei Daimler ablöst. Grösster EinzelaktionärDie knapp zwei Milliarden Euro (knapp drei Milliarden Franken), die den arabischen Staatsfonds International Petroleum Investment Company (IPIC) zum grössten Einzelaktionär bei Daimler machen, sind in Stuttgart nicht nur wegen der guten Erfahrungen mit den Kuwaitis willkommen. Zwar bestritt der Daimler-Vorstandvorsitzende Dieter Zetsche am Montag auf der gemeinsamen Medienkonferenz mit den arabischen Investoren, dass das „Risiko einer unfreundlichen Attacke heute höher als vor einem Jahr” sei. Aber auch dem schnauzbärtigen Chef des Konzerns mit Fahrzeugen wie der Marke Mercedes kann nicht entgangen sein, dass sich der Aktienkurs des Gesamtunternehmens binnen einem Jahr halbiert hat. Die Gefahr, dass sich eine Heuschrecke unter den Hedgefonds zum Frass niederlassen würde, war da wohl nicht auszuschliessen. Schnäppchen mit PerspektiveAuch der Staatsfonds IPIC, der über seine Investmentgesellschaft Aabar nun 9,1 Prozent der Daimler-Anteile hält, kann sich mit Recht als Schnäppchenjäger fühlen. Allerdings dürfte auch Zetsches vor der Presse geäusserte Freude nicht geheuchelt sein, mit der er „den neuen Grossaktionär willkommen” hiess. Denn die Transaktion, die in Form einer Kapitalerhöhung von zehn Prozent über die Bühne ging, ist mit der Vereinbarung einer strategischen Kooperation zwischen Daimler und IPIC verbunden. Gemeinsam sollen Fahrzeuge mit Elektroantrieb und innovative Verbundstoffe für die Automobilproduktion entwickelt werden. Verwandte Themen| { Das Stromauto zum Mitnehmen, 03.03.09 } | | { Think kommt in die Schweiz, 09.02.09 } | | { Mit dem Staat an den Start, 26.01.09 } | | { Schweizer zieht es an den Golf, 20.01.09 } | | { Mit Vollgas zum Stromauto, 14.01.09 } | | { London schwört auf Smart, 28.11.08 } | | { Briten steigen bei Masdar ein, 07.11.08 } | | { Schweiz in Masdar willkommen, 30.10.08 } | | { Die Zukunft im Test, 13.10.08 } | | { Grüne Stadt in der Wüste, 03.10.08 } |
Die Entwicklung des Elektroantriebs passe in die allgemeine Umweltstrategie des Emirats, bekräftigten die Verantwortlichen in Abu Dhabi ihre Linie bei der Investition ihrer Petro-Milliarden. Denn dass man sich im Emirat der Förderung „sauberer” Energie verpflichtet sieht, ist kein Lippenbekenntnis. Im Rahmen seiner Masdar-Initiative hat der Ölstaat am Golf schon erkleckliche Summen in Unternehmungen für erneuerbare Energien gesteckt. Insgesamt sollen es 15 Milliarden Dollar werden, mit privaten Investitionen sogar 22 Milliarden. In der Nähe von Abu Dhabi - der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate - wird eine Ökostadt für 50.000 Menschern aus der Wüste gestampft. Die Stadt Masdar soll zu einem Zentrum der erneuerbaren Energien in der Welt werden. Das Emirat investiert auch global in die Entwicklung der Erneuerbaren. So baut es mit dem Düsseldorfer Stromriesen Eon Windparks vor der Küste Englands. Treue bis zum Ende? Für Daimler sind die Milliarden nicht nur wichtig, weil das Unternehmen - wie andere Automobilkonzerne auch - mit der Absatzkrise kämpft. Der Überschuss sank im vergangenen Jahr bereits um knapp zwei Drittel auf 1,4 Milliarden Euro. Und für das erste Quartal 2009 hatte Daimler-Chef Zetsche Mitte Februar einen operativen Verlust vorausgesagt. Mehr fällt jedoch ins Gewicht, dass die Schwaben die technologischen Herausforderungen beim absehbaren Ende des Benzin- und des Dieselmotors allein bestehen müssen. Konkurrenten in der Luxuskategorie wie Audi und Porsche können dagegen auf die Möglichkeiten im riesigen Volkswagenverbund zurückgreifen. Umso erleichterter hörten die Stuttgarter Konzernlenker die Versicherungen des neuen Grossaktionärs, nur mit lauteren Absichten gekommen zu sein. Der Vorstand der Investmentfirma Aabar, Khadem al Qubaisi, schloss am Montag auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Stuttgarter Dax-Konzern nicht aus, die Beteiligung noch aufzustocken, strebt aber einen Sitz im Kontrollgremium von Daimler „im Augenblick” nicht an. „Vielleicht später einmal”, sagte al-Qubaisi, um dann blumig anzufügen: Vielleicht dauere das Investment so lange, wie Abu Dhabi existiert.
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