Kopenhagen wird klimaneutral

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Geschrieben von: André Anwar, Stockholm 19.03.09
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Kopenhagen will als erste Hauptstadt der Welt kohlendioxidneutral werden. Ein ehrgeiziger Klimaplan sieht vor, dass die dänische Hauptstadt bis 2025 nicht mehr Kohlendioxid ausstösst, als sie selbst wieder bindet. So hat die Stadt ein grünes Gewissen, wenn im Dezember die Umweltminister der Welt dort über die Zukunft der globalen Klimapolitik verhandeln.

Kopenhagen geht voran. Bis 2025 will die Stadt am Öresund die erste kohlendioxidneutrale Hauptstadt der Welt werden. Für diesen richtungsweisenden Entscheid haben die sieben Stadträte der dänischen Hauptstadt ihre nicht unwesentlichen politischen Gegensätze ruhen lassen. Das internationale Signal war ihnen wichtiger: Die Stadt, in der im Dezember der Weltklimagipfel stattfindet, geht somit mit gutem Beispiel voran. Kopenhagen will nur noch genauso viel Kohlendioxid (CO2) in die Luft blasen, wie sie selbst bindet.

Stromautos haben freie Fahrt

Die sozialdemokratische Oberbürgermeisterin Ritt Bjerregaard, einst EU-Umweltkommissarin, hatte sich für die Präsentation des umfangreichen Umweltmassnahmenpakets einen passenden Ort ausgewählt: das nahezu klimaneutrale Hotel Crown Plaza im Stadteil Örestad, das Dänemarks grösste Solarzellenanlage besitzt. Mit dem Programm sollen rund 50 Initiativen gefördert werden, bei denen vor allem fossile, CO2-intensive Kraftstoffe durch klimaneutrale Energieformen wie Windkraft oder Solarkraft ersetzt werden. Ein Parkticket können sich demnach bald Strom- und Wasserstoffautos sparen, während Benzinautos zahlen müssen. An vielen Strassenecken sollen Tankstellen für die grünen Flitzer entstehen. Auch städtische Gebäude sollen im grossen Stil „energierenoviert” werden. Sie sollen so umgebaut werden, dass sie ein Maximum an Klimafreundlichkeit und ein Minimum an Energieverbrauch erreichen.

Alle Lebensbereiche grün

Kopenhagen will bereits in den kommenden sechs Jahren seinen CO2-Ausstoss um 20 Prozent reduziert haben. Insgesamt soll er bis 2025 von 2,5 Millionen auf 1,1 Millionen Tonnen sinken. Oberbürgermeisterin Bjerregaard will die Reduktion vorrangig dadurch erreichen, dass Biomasse an die Stelle der Fernwärmeproduktion durch Kohle tritt und die Verwendung von Erdwärme versechsfacht wird. Alle Kopenhagener sollen grünen Strom und Anteile an Windmühlen kaufen können. Die klimafreundliche Renovierung von Schulen, Institutionen und Sportanlagen soll den CO2-Ausstoss um 50.000 Tonnen im Jahr senken. Die Umstellung auf Strom- und Hydroautos soll weitere 50.000 Tonnen CO2 einsparen.


Die gezielte pädagogische Ausbildung einer „neuen Klimageneration” soll das Energieverhalten der Bürger so weit verbessern, dass sie weitere 20.000 Tonnen einsparen. Energiearme Neubauten werden gefördert, was sich mit 5.000 Tonnen CO2-Einsparung bemerkbar machen könnte. Zudem sollen mehr grüne Lungen in Form bepflanzter Erholungsanlagen und Waldanlagen geschaffen werden, die CO2 binden und somit zur Klimaneutralität Kopenhagens beitragen können. Auch der Aufkauf von CO2-Zertifikaten anderer Städte, die wenig CO2 ausstossen, wird angedacht.

Steuererhöhungen nicht nötig

Trotz der umfangreichen Umstellungen will Bjerregaard die Steuern nicht erhöhen. Viele der Investitionen amortisierten sich bereits durch die eingesparte Energie, sagte die Oberbürgermeisterin. In diesem Sommer soll der Umweltplan der Kopenhagener Stadtversammlung zur ersten Debatte vorgelegt werden. Einen Beschluss möchte die Bürgermeisterin am liebsten schon zum Beginn der Weltklimakonferenz im Dezember vorweisen können. Bis dahin müssen jedoch noch einige kontroverse Fragen gelöst werden: So ist beispielsweise Kopenhagens Innenstadt bereits weitgehend frei von Autoverkehr - weitere Einschränkungen und Streichungen von Parkplätzen müssen auch die Bürger akzeptieren.
Konkurrenz erwünscht
„Wir werden sehen, ob wir mit Kopenhagen die erste klimaneutrale Hauptstadt werden, oder die einzige. Wir würden uns über Klimakonkurrenz anderer Städte freuen”, sagte Bjerregaard. Den Klimavorstoss ihrer Stadt sähe sie gern als Initialzündung auch für andere europäischen Hauptstädte. Der Plan könne Kopenhagen durch reinere Luft lebenswerter und die Stadt zudem weltweit zu einem Vorbild machen, so Bjerregaard. Vielleicht kommen ja bald Klimatouristen, um sich hier etwas abzuschauen.
Die Umweltminister der Welt wollen sich im Dezember auf eine neue internationale Klimapolitik einigen. Ein verbindliches Abkommen soll festlegen, wie stark jedes Land den Ausstoss von Treibhausgasen verringern soll. Es soll das Ende 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll ersetzen.

 

Bild: Kongens Nyhavn in Kopenhagen (www.copenhagen.com)

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