Spanien stellt bereits mehr als ein Viertel des Stroms erneuerbaren Energien her. Mit fast 30 Prozent erzielte es im März einen neuen Rekord. Auch wenn Umweltschutz bei Spaniern nicht gerade Thema Nummer eins ist, nutzt das Land doch erneuerbare Energien wie wenige andere. Allen voran Windkraft die Windkraft zur Stromerzeugung bei. Solarenergie wird dagegen durch Regulierungen gebremst.
Spanien verzeichnet einen neuen Rekord bei den erneuerbaren Energien. Am 5.März produzierten die Windkraftwerke zusammen 11203 Megawatt und lieferten damit 29,5 Prozent des nachgefragten Stroms. Das meldet Red Eléctrica, die Betreibergesellschaft des spanischen Stromnetzes. Vorbild für die USA An jenem Morgen verwies die Windenergie sämtliche Verfolger auf die weiteren Plätze: Gasturbinenkraftwerke lieferten 20,8 Prozent, die Nuklearenergie 15,3 Prozent, Kohle 9,6 Prozent und Wasserkraft 9,4 Prozent. Kurz vor Sonnenuntergang, als die Nachfrage gering war, erreichten die Windräder sogar 42 Prozent im nationalen Energiemix. Die Zeitung „El País“ jubelt schon, dass das Land bereits jetzt das EU-Klimaziel für 2010 erreicht. „Spanien mag einer der grössten Umweltsünder der EU sein, übertrifft aber im Bereich der erneuerbaren Energien erstmals über einen längeren Zeitraum die angestrebten 29,4 Prozent.“ Andere Nationen blicken da neidisch auf die iberische Halbinsel. In Grossbritannien stammen bisher nur etwa 5 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energieformen. In den USA, wo der Anteil derzeit bei 10 Prozent liegt, hat Präsident Barack Obama gerade die alternative Stromerzeugung zu einer seiner Prioritäten auserkoren. Obama erwähnte Spanien – neben Deutschland und Japan – mehrmals als Vorbild. Die spanischen Unternehmen, allen voran Iberdrola und Acciona, wittern bereits lukrative Aufträge für ihre innovativen Umwelttechnologien. Iberdrola ist Weltmarktführer Iberdrola hat sich mit Kapazitäten von nahezu 9000 Megawatt zum Weltmarktführer im Bereich regenerativer Energien aufgeschwungen. Als Folge einer aggressiven Expansionspolitik ist der Versorger aus dem Baskenland nun in 44 Ländern vertreten, zählt 33000 Mitarbeiter und 28,5 Millionen Kunden. Für 15 Milliarden Euro (22 Milliarden Franken) wurde im vergangenen Jahr die amerikanische Energy East übernommen. Ein Zehntel des Ergebnisses soll in den kommenden drei Jahren in den USA erwirtschaftet werden. Die Tochter Iberdrola Renovables, die bereits eigenständig an der Börse Madrid notiert, plant insgesamt Projekte mit einer Gesamtkapazität von 55117 Megawatt. Ein bedeutender Anteil davon entfällt auf Nordamerika, wo die Basken bereits jetzt die Nummer zwei in der Windenergie sind. Auch Acciona, ursprünglich ein Bauunternehmen, ist auf den Zug aufgesprungen. Das Unternehmen im Besitz der Familie Entrecanales verkündete Ende Februar einen Strategiewechsel hin zur Umwelttechnologie. Es baut in den Vereinigten Staaten derzeit 70 Windparks und 10 Thermosolaranlagen. Hinzukommen die Anlagen aus der Übernahme Endesas. Der spanische Energieversorger, den Acciona vor zwei Jahren dem Eon-Konzern vor der Nase wegschnappte, wurde gerade mit einem saftigen Gewinn an die italienische ENEL weiterverkauft. Acciona behielt lediglich Windparks und Wasserkraftanlagen mit einer Kapazität von 2200 Megawatt. Der Abstand zu Marktführer Iberdrola konnte damit deutlich reduziert werden. Nach eigenen Angaben ist Acciona die einzige Firma, die in allen Formen der ökologischen Stromerzeugung vertreten ist – der Entwicklung von Windparks, Herstellung von Turbinen, aber auch in Biomasse und Photovoltaik. Regulierung bremst Solarenergie Der Anteil der Sonnenenergie liegt in Spanien noch bei weniger als fünf Prozent. Der Markt für Solaranlagen kam in diesem Jahr nahezu zum Erliegen, nachdem die Regierung im Oktober letzen Jahres Förderhöchstgrenzen eingeführt hatte. Ausserdem macht den Firmen ein kompliziertes Antragssystem zu schaffen. Eine üppige Einspeisevergütung von 45 Cent pro Kilowatt hatte zuvor zu einem raschen Aufschwung geführt und Spanien zum Solarland Nummer zwei nach Deutschland werden lassen. Zumindest die eigenen Grossunternehmen profitierten letzten Endes enorm von der spanischen Förderpolitik. Denn sie verfügen nun über hochwertige und international konkurrenzfähige Produkte. Die Windkraft bescherte den Spaniern aber noch andere positive Effekte. Die Branchenvereinigung verweist auf die 40.000 Arbeitsplätze, die in der Industrie geschaffen wurden. Auch konnte die Abhängigkeit von ausländischem Öl und Gas deutlich reduziert werden. Alles in allem produzierte Spanien im vergangenen Jahr dank des Windes 20 Millionen Tonnen Kohlendioxid weniger – und wird zum Musterschüler der EU. Bild: Windkraftanlagen in Spanien (Aureliusz Pedziwol)
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