Veränderung durch Konsum

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Geschrieben von: Yildiz Asan, St. Gallen 02.03.09
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Jeder dritte Schweizer Konsument zählt bereits zu ihnen: Die neuen Ökos wollen nicht durch Verzicht, sondern durch ihren Konsum den Markt beeinflussen. Sie essen umweltverträglich, reisen schadstoffarm und investieren verantwortungsvoll. Trotz Finanzkrise kaufen sie weiter biologische und nachhaltige Produkte. Je nach Rechnung zählt inzwischen bereits jeder dritte Konsument zu den „Lohas.“

Die Finanzkrise greift um sich. Und dennoch verzeichnen die beiden grossen Detailhändler Migros und Coop einen Konsumzuwachs im Bereich der nachhaltigen Produkte. Offensichtlich orientieren sich die sogenannten Lohas trotz schlechter wirtschaftlicher Lage an Werten und Qualität und nicht an einen möglichst billigen Konsum.

Guter Unsatz bei Bio-Produkten

Lohas steht für Lifestyle of Health and Sustainability – Lebenstil auf der Basis von Gesundheit und Nachhaltigkeit. Sie sind die Ökos der zweiten Generation und ihr Alltagshandeln ist nicht wie bei den Grünen der ersten Stunde aufs Verzichten gerichtet. Sie wollen Konsumieren und doch die Welt retten und das auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten. Denn sie kaufen weiterhin Bio-Lebensmittel und nachhaltige Textilien. «Unser Bio-Lebensmittelumsatz wuchs 2008 gegenüber dem Vorjahr um neun Prozent. Das ist über dem Coop-Durchschnitt», sagt Coop-Sprecherin Denise Stadler. Insbesondere die Nachfrage nach Bio-Fleischprodukten sei stark gestiegen. «Hier legten wir um mehr als 20 Prozent zu», sagt Stadler. Auch die Textilien aus Bio-Baumwolle und Fair Trade hätten sich gut weiterentwickelt. Auch Migros-Sprecherin Martina Bosshard spricht von einer steigenden Nachfrage nach ökologischen Produkten. «Die Konsumenten wollen trotz der Finanzkrise auf den sozialen und ökologischen Mehrwert nicht verzichten», sagt sie. Deswegen werde man auch in Zukunft bei der Migros auf nachhaltige Produkte setzen. «Dieses Engagement passt zur Migros. Denn unsere Philosophie ist: Nicht nur ans Geschäft, sondern auch an die Gesellschaft denken», sagt Bosshard.

Jeder dritte Konsument ein "Lohas"

Dass sich gute Geschäfte und gutes Gewissen nicht ausschliessen, zeigt gerade die neue Ökobewegung. Denn anders als die klassischen Umweltaktivisten wollen die Lohas auf keinen Fall auf Genuss, Qualität und modernes Design verzichten. Auch wenn sich der zahlungskräftige Öko-Konsument der Widersprüchlichkeit seines Handelns bewusst ist, lässt er sich es dennoch nicht nehmen, in bestimmten Teilbereichen Sinnvolles für die Umwelt zu tun. «Als gesellschaftliche Vorreiter handeln Lohas verantwortungsbewusst und leben trotzdem stil-, lust- und genussvoll», sagt Daniel Krieg, Geschäftführer der Werbeagentur Krieg, Schlupp, Bürge/Springer&Jacoby in Zürich. Denn die Lohas glauben an die Macht des Verbrauchers und wollen durch ein gezieltes Konsumieren aktiv in den Markt eingreifen. «Grün ist längst nicht nur ein Image-, sondern auch ein Wachstumsfaktor», sagt Krieg. Immerhin zähle man schon jeden dritten Konsumenten zu den Lohas, bald würde es über die Hälfte sein.

Mehrere Zielgruppen

Deswegen wird die Gucci-tragende und doch umweltbewusste Zielgruppe von der Lebensmittel- und Wellness-Industrie immer mehr umschwärmt. Doch wer Lohas als Zielgruppe fürs Marketing nutzen will, muss genauer hinschauen. «Das Wesen der Lohas ist vielfältig», sagt Rolf Wüstenhagen, Vize-Direktor des Instituts für Wirtschaft und Ökologie der Universität St. Gallen. Doch schaut man sich die Studien an, so werden Lohas meist mit jenem Teilsegment gleichgesetzt, das in den USA "Greenback Greens" genannt wird, also zahlungskräftige Konsumenten, die ihr schlechtes Ökogewissen durch entsprechend teure Ökoprodukte beruhigen. «Der hier beschriebene Prototyp ist aber vergleichsweise eine kleine Teilgruppe des weiteren Segmentes der Umweltaktivierbaren», sagt Wüstenhagen. Es gebe mehr als nur einen Typ Lohas. Ihre Gemeinsamkeit: Kein Verzicht, sondern die Kombination von modernem Lebensstandard mit Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft. Auch wenn die Lohas wegen ihrer Verantwortung gegenüber der Umwelt umjubelt werden, sind sie sicherlich kein revolutionäres Konzept zur Rettung der Welt. «Aber die Botschaft, dass man etwas für die Umwelt tun kann, ohne gleich sein ganzes Leben auf den Kopf zu stellen, ist für viele Menschen attraktiv», sagt Wüstenhagen.

 

Bild: Green Fashion Schweiz, Mode von Markoviec (Natur.ch)

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