London - Alle lieben günstige Mode, doch auch die hat ihren Preis. Denn zwei Millionen Tonnen Kleidung landen jährlich im Müll und Kinderarbeit ist üblich. Eine Initiative der britischen Regierung und der Modebranche soll ein Umdenken einleiten.Wenn die Models der Londoner Modemesse Fashion Week in diesen Tagen über den Laufsteg spazieren, will wohl niemand an Berge von Kleidermüll in Uganda erinnert werden. Doch dies ist das Ziel einer neuen Initiative, die anlässlich der Fashion Week vom britischen Umweltministerium ins Leben gerufen wurde. Mehr als 300 Vertreter der Bekleidungsindustrie haben sich zu mehr Nachhaltigkeit bei Kreation, Herstellung und Vertrieb von Modeartikeln bekannt. Für Nachhaltigkeitsminister Lord Philip Hunt ist die Initiative „eine gemeinsame Anstrengung, die Modebranche radikal zu verändern”.
Umweltsünder Mode Handlungsbedarf ist bitter nötig. Denn der Hunger nach immer neuen Trends hat schwere Folgen für die Umwelt - und für viele ärmere Länder. Nach Angaben des britischen Umweltministeriums ist die Bekleidungsindustrie für den Ausstoß von 3,1 Millionen Tonnen Kohlendioxid und zwei Millionen Tonnen Abfall im Jahr verantwortlich. Dabei werden 70 Millionen Tonnen Wasser verbraucht. Ein Großteil der Modeartikel lässt sich nicht wiederverwerten und landet auf den Müllhalden Afrikas. Dort verseuchen synthetische Materialien wie Nylon und Polyester das Grundwasser und erhöhen die Malaria-Gefahr. Handel gelobt Besserung Im Rahmen der Nachhaltigkeits-Initiative haben sich führende Supermarktketten und Hersteller verpflichtet, mehr Baumwolle aus biologischem Anbau anzubieten, und Materialien einzusetzen, die sich leichter wiederverwerten lassen. Die Supermarktkette Tesco will keine Baumwollartikel aus Ländern annehmen, in denen Kinderarbeit betrieben wird. Nach Plänen der Fairtrade Organisation sollen bis 2012 mindestens zehn Prozent aller britischen Baumwollartikel aus biologischen Anbau stammen. Minister Hunt sagte: „Wir sollten alle einkaufen können mit der Sicherheit, dass die Mode der Umwelt nicht schadet, nicht unter schlechten Arbeitsbedingungen hergestellt wurde, und dass Kleider, die wir nicht mehr brauchen, wieder verwertet werden können.” Billigmode im Aufschwung
So denken allerdings nur wenige britische Konsumenten. Trotz Rezession ist die Nachfrage nach immer mehr Mode ungebrochen. Kein Wunder, schließlich sind die Preise für Damenbekleidung in den vergangenen zehn Jahren um 35 Prozent gesunken. Hochrationalisierte Arbeitsprozesse und Auslandsfertigung haben den Boom ermöglicht. Um den Modehunger zu stillen, werden die jüngsten Designertrends schnell von den Billigmarken in Fernost kopiert und zu einem Bruchteil des Preises in Modehäusern wie H&M, Primark und Topshop angeboten. So können Modejunkies jede Woche neue Teile für ihre Garderobe kaufen. Personalassistentin Shaida Lane aus London findet nichts dabei, Kleidungsstücke nach sechsmaligem Tragen wegzuwerfen. Die 23-Jährige sagte: „Für mich ist es ganz wichtig, modisch auf dem letzten Stand zu sein. Ich messe mich mit meinen Freunden, aber kaufe auch, um am Arbeitsplatz immer aktuell gekleidet zu sein.” Bei den Jüngsten stirbt unterdessen die Tradition, Kleider von den Geschwistern zu erben. Wenn eine Hose im Supermarkt nur fünf Pfund kostet (5,70 Euro/ 8,50 Franken), scheint das überflüssig. Aufwachen bei der Modebranche Die Modeindustrie ist sich der Probleme billiger Kleidung zunehmend bewusst. Aber Allana McAspurn von der ethischen Modeorganisation Made-By räumt ein: „Das wird sich nicht von heute auf morgen ändern.” Dabei findet die Nachhaltigkeits-Mantra bei der Fashion Week immer mehr Resonanz: Dort zeigten 37 Designer Kreationen, die nach ethischen Prinzipien hergestellt wurden. Bis die Industrie auf die Grand Dame der britischen Modeszene, Vivienne Westwood, hört, kann es allerdings noch dauern. Die 67-jährige „Queen of Punk” setzt sich schon lange für Entwicklungshilfe und Tiere ein. Außerdem hatte sie - etwas selbstmörderisch - dazu aufgerufen, Konsum jeglicher Art zu boykottieren.
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