Überhöhte Bankergehälter und Krise hängen zusammen: Wissenschaftler in den USA haben erstaunliche Parallelen zwischen der Krise der 30er Jahre und derjenigen der Gegenwart gefunden. Sowohl vor der Grossen Depression ab 1929 als auch heute waren die Banker an Wall Street deutlich überbezahlt. Sie erfanden komplizierte Finanzinstrumente, die die staatlichen Kontrolleure nicht mehr verstanden.
Parallelen zwischen der aktuellen globalen Wirtschaftskrise und der Grossen Depression der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts werden derzeit immer wieder gezogen. Zwei amerikanische Wirtschaftler haben jetzt untersucht, warum die Bankiers zweimal in einem Jahrhundert eine solche Kernschmelze des Finanzsystems herbeigeführt haben. Staatliche Kontrolleure überfordert In den Jahren vor den Börseneinbrüchen in den 30ern und jetzt haben überbezahlte Banker überaus komplizierte Finanzmarktinstrumente entwickelt, die über den Horizont der Regierungsbeamten hinausgingen, argumentieren die Professoren Thomas Philippon von der New York University und Ariell Resheff von der University of Virginia in einem vor kurzem für das Nationale Büro für Wirtschaftsforschung erstellten Arbeitspapier. In beiden Zeitabschnitten wurden diese Instrumente immer risikoreicher und gleichzeitig unverständlicher für die Beamten. „Rückblickend ist klar, dass die Kontrolleure nicht das Humankapital hatten, um mit der Finanzindustrie mitzuhalten, um die Sache gut genug zu verstehen und effektive Regulierungen vornehmen zu können”, schreibt der in Frankreich geborene Philippon in der Studie „Einkommen und Humankapital in der US-Finanzindustrie, 1909-2006″. Auf der Grundlage von Daten des US-Statistikamtes haben Philippon und Resheff Gehälter und Bildungsniveau zwischen 1909 und 2006 untersucht und diese Zahlen mit den beiden grössten Zusammenbrüchen in der Geschichte von Wall Street verglichen. Ihr Ergebnis ist, dass es im Oktober 1929 und im Oktober 2008 sehr ähnliche Trends gegeben hat. Um 40 Prozent überbezahlt In den Jahren vor den beiden grossen Börseneinbrüchen sind die Gehälter der Banker im Vergleich zu denen anderer Beschäftigter unproportional aufgeblasen worden. „Die Gehälter im Finanzsektor waren um 1930 übertrieben hoch und erneut von Mitte der 90er bis 2006″, schreiben die beiden Autoren. Beim Vergleich der Wall Street-Gehälter der 30er Jahre und der in den vergangenen Jahren - der durchschnittliche Wall Street-Bonus lag 2007 bei 200.000 Dollar - kommen die Wirtschaftswissenschaftler zu dem Schluss, dass die Banker 2006 um 40 Prozent überbezahlt waren. Gleichzeitig gab es zwei weitere wichtige Entwicklungen. Amerikas beste und hellste Köpfe gingen nicht mehr in Finanzjobs, seit die Regierung in der Ära des New Deal in den 30ern strenger gegen Wall Street vorging. 60 Jahre später kehrte diese Elite in das Finanzwesen zurück, nachdem die Präsidenten Bill Clinton und George W. Bush die staatliche Regulierung des Marktes gelockert hatten. „Höchst befähigte Mitarbeiter verliessen den Finanzsektor als Folge der Regulierungen in der Zeit der Depression und sie begannen genau dann zurückzukehren, als diese Regulierungen weggeräumt wurden”, schreibt Philippon. Zum zweiten wucherten neue und komplizierte Angebote und risikoreiche Kreditmodelle genau dann, als super-clevere Banker immer höhere Einkommens-Schecks erhielten. Luft aus goldenen Fallschirmen lassen Sowohl in den Wilden Zwanzigern als auch in den Boom-Zeiten der 90er und Mitte der Jahre nach 2000 führten der Handel mit Wertpapieren, die sich auf neuartige Modelle stützten wie die „subprime”- Hypotheken, zu massiven Gewinnsteigerungen an der Wall Street und entsprechend zu höheren Gehältern, schreiben die Experten. Die Autoren widersprechen dem Argument, dass Computer und elektronischer Handel zur Komplexität der Vorgänge an der Wall Street geführt hätten. „Die Tatsache, dass die relativen Gehälter und Ausbildung in den 20ern genau so hoch waren wie in den 90ern, schliesst die Technologie - insbesondere die Informationstechnik - als Hauptfaktor aus”, schreibt Philippon. Es ist nicht bekannt, ob man den Bericht im Weissen Haus gelesen hat. Obamas Erklärungen lassen das aber vermuten. Der Präsident will die Gehälter führender Manager auf 500.000 Dollar jährlich in jenen Banken begrenzen, die Staatshilfe erhalten haben. Auch will er die Auszahlung von Dividenden durch solche Unternehmen beschränken. Und er warnte: „Wir werden die überhöhten Abfindungen stoppen, über die wir alle mit Abscheu gelesen haben. Wir werden die Luft herauslassen aus diesen goldenen Fallschirmen.” Bild: Adrian van Leen/openphoto.net
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