Linzer solarCity muss wachsen

Drucken
E-Mail
Geschrieben von: Claudia Kohlus, Augsburg 13.02.09
Bookmark and Share
Stichworte:       

Linz - Die Industriestadt Linz galt einst als die schmutzigste Stadt Österreichs. Im Laufe der letzten Jahrzehnte habe sie sich jedoch deutlich gewandelt, sagt Gunter Amesberger, Direktor für Stadtentwicklung der oberösterreichischen Landeshauptstadt. Linz ist nicht nur Europas aktuelle Kulturhauptstadt 2009 geworden, sondern macht mittlerweile auch in Sachen Stadtentwicklung von sich reden. So ist beispielsweise das Projekt solarCity ein weltweit beachtetes Vorzeigeprojekt für den nachhaltigen Siedlungsbau.

Claudia Kohlus: Wofür steht der Name solarCity?

Gunter Amesberger: Der Name solarCity steht für die umfassende Nutzung der Sonne, also ihrer aktiven und passiven Solarenergie.

Claudia Kohlus: Das Projekt solarCity ist auf dem Reissbrett enstanden. Was wurde seitens der Bauplanung unternommen, damit daraus keine isolierte Satellitenstadt wurde?

Gunter Amesberger: Die Wohnbauten und die für diesen Stadtteil notwendige Infrastruktur wurden zeitgleich errichtet.

Claudia Kohlus: Wie lief die Koordination der Bebauung? Welche Vorgaben bezüglich der Nachhaltigkeit gab es an die Bauträger?

Gunter Amesberger: Für die Umsetzung wurde zuerst eine Projektgruppe eingerichtet und zwischen Wohnbauträgern, der Stadt Linz sowie den Energieversorgungsunternehmen ein Projektvertrag mit insgesamt 15 Zielen erstellt. Bezüglich der ökologischen Nachhaltigkeit gab es Vorgaben an die Bauträger, die Energiekennzahlen sowie ein bestimmtes Ausmass an Warmwasserversorgung durch thermische Solarkollektoren einzuhalten. Ausserdem gibt es ein Pilotprojekt zum Thema Entsorgung bei insgesamt 100 Wohnungen sowie der Schule in der solarCity.

Claudia Kohlus: Welche Vorbilder gab es?

Gunter Amesberger: Es gab eigentlich kein direktes Vorbild. Allerdings wurden vergleichbare Projekte wie Freiburg/ Rieselfeld und Vauban, Hannover/ Kronsberg oder Hammarby Sjöstad in Stockholm angesehen.

Claudia Kohlus: Soll das spezielle Abwasserkonzept mittels Urinseparation in der solarCity, das derzeit 88 Wohneinheiten umfasst, irgendwann auf alle Gebäude ausgeweitet werden?

Gunter Amesberger: Nein, das Abwasserkonzept ist zwar ein Pilotprojekt, soll aber nicht ausgeweitet werden.

Claudia Kohlus: Was passiert mit dem Müll?

Gunter Amesberger: Das Abfall- und Entsorgungskonzept von der solarCity entspricht dem der Stadt Linz.

Claudia Kohlus: Das bedeutet?

Gunter Amesberger: Es gibt dezentrale Altstoffsammelzentren mit Mülltrennung.

Claudia Kohlus: Können die Bewohner direkten Einfluss auf weitere Entwicklungsprozesse im Projekt nehmen?

Gunter Amesberger: Nein, das Projekt ist abgeschlossen.

Claudia Kohlus: Gibt es nach heutigem Kenntnisstand Dinge, die man hätte besser machen können oder in Zukunft noch umsetzen wird?

Gunter Amesberger: Nach jetzigem Stand ist die Anzahl der Bewohnerinnen und Bewohner mit ungefähr 3.000 Personen an der unteren Grenze für die ordentliche Aufrechterhaltung der Nahversorgerinfrastruktur. Es wird daher mittelfristig angestrebt - entsprechend dem Masterplan von Prof. Roland Rainer (der das Rahmenkonzept für solarCity lieferte, ck) - weitere Wohnungen in diesem Bereich zu bauen.

Claudia Kohlus: Sind nachhaltige Siedlungskonzepte in der Zukunft für Sie ein Ersatz oder lediglich eine Ergänzung zum bestehenden Wohnungsbau?

Gunter Amesberger: Die Massnahmen, die in der solarCity umgesetzt worden sind, waren beispielgebend für andere Wohnprojekte in Linz und Oberösterreich. Viele Vorhaben sind unter anderem auch in die Wohnbauförderung des Landes Oberösterreich eingeflossen und daher mittlerweile zum Standard im sozialen Wohnbau geworden.

Claudia Kohlus: Welchen Stellenwert nimmt das Projekt in der Bevölkerung von Linz ein? Wie sind die Reaktionen?

Gunter Amesberger: Interessanterweise ist das Projekt ausserhalb von Linz oft bekannter als in der Stadt selbst. Die Reaktionen sind jedoch grundsätzlich positiv.

 

Zur Person:

Dipl.-Ing. Gunter Amesberger, MAS, MSc, ist seit Anfang 2005 Direktor für Stadtentwicklung der Stadt Linz. Er studierte Geodäsie an der Technischen Universität Wien sowie Solararchitektur an der Donau-Universität Krems. Seit 1987 ist Gunter Amesberger bei der Stadt Linz angestellt, wo er unter anderem die Abteilung Vermessungsgrundlagen und Landinformationen leitete sowie stellvertretend das Vermessungsamt. Zwischen 1996 bis 2001 war er Projektkoordinator in der Baudirektion des Stadterweiterungsprojektes solarCity.

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

 

Stimmen zu nachhaltigkeit.org

Christoph Darbellay
«Die Schweiz muss in zehn Jahren das Land der Nach­hal­tig­keit par excellence sein. Dazu braucht es jetzt eine um­fassende De­batte in Po­li­tik, Wirt­schaft und Ge­sell­schaft. Hier kann diese neue In­ter­net­seite einen wich­tigen Bei­trag leis­ten.»
Christoph Darbellay,
Präsident CVP Schweiz

Abonnieren Sie noch heute Ihren persönlichen Newsletter.
Noch grössere Aktualität erhalten Sie mit unserem RSS-Feed.

Kalender

{Zum Kalender}

Gründungssponsoren