Düsseldorf - Eon ist spät, aber dafür mit viel Geld mit einem eigenen Tochterunternehmen in den Markt der erneuerbaren Energien eingetreten. Laut seinem Chef Frank Mastiaux will Eon Renewables dort präsent sein, wo erneuerbare Energien auf industriellem Niveau produziert werden können. Dabei geht es derzeit vor allem um Windkraft, ein wenig um Sonnenkraft und noch weniger Biomasse, aber das weltweit. Steffen Klatt: Warum ist Eon als einer der grossen Energieversorgen in Deutschland und Europa erst so spät mit einer eigenen Tochtergesellschaft in die erneuerbaren Energien eingestiegen? Immerhin ist Deutschland, zusammen mit Dänemark, die Wiege der modernen erneuerbaren Energien gewesen.
Frank Mastiaux: Zum einen sind wir schon seit langem im Geschäft. Das wissen die Leute nur nicht. Wir haben schon 1992 die ersten Windparks gebaut. Zum zweiten durften wir als grosser Konzern bis 1998 in Deutschland gar nicht so aktiv sein, wie wir es heute sind. Das wurde erst dann anders geregelt. Der dritte Punkt betrifft Ihre Frage, warum wir nicht eher grösser angefangen haben. Man kann darüber diskutieren, ob wir nicht ein paar Jahre eher etwas hätten machen können. Aber da reden wir nicht über 15 Jahre, sondern über drei Jahre. Die grossen Spieler haben nicht eher angefangen. Jetzt ist das Umfeld richtig. Wir haben mehr Klarheit über den Wachstumspfad. Wir sind auch aus der Phase heraus, in dem das Equipment noch urtümlich war. Am Anfang haben neue Technologien Kinderkrankheiten. Das ist ja auch unser Motto: Von der Boutique zur Grossindustrie. Da ist unser Platz. Früher wurde in Megawatt gesprochen, wenn es um die Gesamtkapazitäten ging. Jetzt müssen Hunderte von Gigawatt installiert werden, wenn die Ziele der EU erreicht werden sollen. Das kann ein kleines Unternehmen gar nicht mehr leisten.
Steffen Klatt: Sind Sie aus Ihrer Sicht zum richtigen Zeitpunkt eingestiegen?
Frank Mastiaux: Wenn wir in 50 Jahren zurückblicken, wird man nicht mehr unterscheiden können, ob wir 2007 oder 2001 eingestiegen sind.
Steffen Klatt: Was hat Eon Renewables in diesem einen Jahr getan, während dem Sie operativ tätig sind?
Frank Mastiaux: Wir haben im Mai 2007 gesagt, dass wir das machen. Wir haben ein Budget aufgestellt von 6 Milliarden Euro bis 2010. Wir haben in sehr kurzer Zeit eine Einheit aufgebaut, die alle Aktivitäten von Eon in diesem Bereich führt. Wir haben unsere Kapazität massiv erhöht von 450 Megawatt im Mai 2007 auf über 2200 Megawatt heute. Wir haben 2007 alle zehn Stunden eine Windturbine aufgebaut. Wir sind eines derjenigen Unternehmen der Branche, die 2007 am stärksten gewachsen sind – wenn nicht sogar dasjenige, das am stärksten gewachsen ist. Wir haben ein Solar-Joint Venture gegründet. Wir haben eine strategische Partnerschaft mit Masdar.
Steffen Klatt: Betrifft das nur den Windpark London Array vor der englischen Küste?
Frank Mastiaux: London Array ist nur ein Projekt. Wir haben die Absicht, eine Reihe anderer Projekte gemeinsam zu verwirklichen. Auch Solar kann dabei eine Rolle spielen,
Steffen Klatt: Arbeiten Sie mit Masdar, ein milliardenschweres Staatsunternehmen aus Abu Dhabi zusammen, weil der Finanzmarkt schwieriger geworden ist?
Frank Mastiaux: Es gibt drei Gründe für die Zusammenarbeit mit Masdar. Der wichtigste: Ich glaube, dass Abu Dhabi und Masdar eine Vision haben, die Erneuerbaren sehr ernst zu nehmen. Zweitens sind sie sehr finanzkräftig. Drittens sind sie sehr gut verknüpft in einer Region, in der Eon keine Geschäftshistorie hat.
Steffen Klatt: Auf welche erneuerbare Energien setzen Sie?
Frank Mastiaux: Wir haben uns das Technologie- und Länderportfolio sehr genau angeschaut. Wir setzen auf Technologien, mit denen man jetzt und hier schon grosse Kapazitäten aufbauen kann. Das ist zuerst der Wind. Wir wissen aber, dass am nächsten Horizont die Solarenergie kommt. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, auch wenn viele sagen, das sei noch zu teuer. Aber die Sonnenkraft ist um mehrere Grössenordnungen verfügbarer als Windkraft. Daran wollen wir uns herantasten.
Steffen Klatt: Ist das für Sie schwieriger, weil es weiter von den traditionellen Geschäftsfeldern Eons entfernt ist?
Frank Mastiaux: Das kann man durchaus so sagen. Das ist Neuland für uns. Wir treten da auch nicht schon am ersten Tag mit gigantischen Investitionen auf. Bei Solar haben wir auch noch nicht alle Entscheidungen getroffen. Dann gibt es bei uns Projekte zur Biomasse und zum Biogas.
Steffen Klatt: Denkt man nicht bei Biogas an die kleine Anlage im kleinen Dorf, sozusagen den modernen Misthaufen?
Frank Mastiaux: Das ist genau der Punkt. Es geht uns um Projekte, die skalierbar sind. In Deutschland ist es leider so, dass bestimmte Förderungen nur kleineren Anlagen zur Verfügung gestellt werden. Das hat den Nachteil, dass ökonomisch betriebene grosse Anlagen nicht so gut gestützt werden. Das wird sich hoffentlich ändern. Wir haben Europas grösste Biogasanlage in Schwandorf in Bayern gebaut. Wir haben das grösste britische Biomassekraftwerk in Schottland gebaut mit 44 Megawatt.
Steffen Klatt: Kann Biomasse einen merklichen Beitrag zur Energieproduktion beitragen?
Frank Mastiaux: Wenn wir vom Hausbrand absehen, dann gehe ich davon aus, dass nur geografisch punktuell Standorte sinnvoll sind. Wir können nicht überall Biomassekraftwerke aufbauen. Das geht schon wegen der Versorgung mit Biomasse nicht. Der letzte Horizont ist die Forschung. Als grosser Konzern können wir nicht nur auf bestehende Technologien setzen, sondern müssen uns engagieren beim Vorantreiben vielversprechender Technologien, die vielleicht erst übermorgen nutzbar sind. Ich denke zum Beispiel an Wellenkraft und Tidenhub. Wir haben da zwei Aktivitäten, die wir unterstützen. Von der Physik ist das vielversprechend, von der Umsetzung noch neu.
Steffen Klatt: Wieviel stecken Sie in Forschung und Entwicklung?
Frank Mastiaux: Das ist ein recht erheblicher Betrag, pro Jahr 60 Millionen Euro.
Steffen Klatt: Sie haben nicht Geothermie genannt.
Frank Mastiaux: Wir haben uns das angeschaut. Es gibt eine kleine Eon-Einheit, die lokale Projekte betreibt. Auf grossem Niveau ist das nicht unsere Priorität. Das ist nicht unsere DNA. Das ist etwas, der bohrt oder der spenglert. Das ist etwas für Chevron oder für den Spengler.
Steffen Klatt: Beschränken Sie sich auf Deutschland?
Frank Mastiaux: Ganz im Gegenteil. Unsere natürliche Plattform ist der Globus.
Steffen Klatt: Grösser geht es nicht?
Frank Mastiaux: Das heisst nicht, dass wir überall sein wollen. Theoretisch, wenn wir ein interessantes Projekt angeboten bekommen, dann lehnen wir es nicht deshalb ab, weil es irgendwo auf der Welt ist. Wir suchen uns die Standorte aber sehr genau aus. Unsere Schwerpunkte sind derzeit Europa und die USA. Durch Masdar rückt aber auch der Mittlere Osten und Nordafrika in den Fokus. In Asien sind wir durch unsere Kohlendioxidzertifikate präsent. Asien kann man nicht ignorieren. Da wächst das Geschäft schnell. Es kommt nur auf den Zeitpunkt an, zu dem man einsteigt.
Zur Person: Frank Mastiaux ist Chef von Eon Renewables, der 2007 gegründeten Tochter des Düsseldorfer Energiekonzerns. Der promovierte Chemiker war vor seiner Zeit bei Eon unter anderem Chef des weltweiten Flüssiggasgeschäfts von BP.
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