Ab 2010 geht es weiter

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Geschrieben von: Steffen Klatt, St. Gallen 05.02.09
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Die Krise hat auch die erneuerbaren Energien getroffen. Doch Miroslav Durana von Credit Suisse Private Banking geht davon aus, dass die erneuerbaren Energien Ende 2009 oder Anfang 2010 wieder auf den bisherigen Wachstumspfad zurückkehren. Die Krise werde aber zu einer Konsolidierung der Industrie führen, sagt der für alternative Energien zuständige Analyst. Steffen Klatt: Die erneuerbaren Energien haben lange einen rasanten Aufschwung erlebt. Mit einem Mal werden sie abgebremst. Warum?

Miroslav Durana: Die harte Bremse hat mehrere Gründe. Zuerst kam die Kreditbremse der Finanzindustrie. Unter dieser Kreditkrise hat auch die Industrie der alternativen Energien gelitten. Damit stehen weniger finanzielle Mittel für die weitere Entwicklung dieser Industrie zur Verfügung. Das hat man im vergangenen Jahr klar festgestellt.

Steffen Klatt: Sind die erneuerbaren Energien also nicht anders betroffen als andere Wirtschaftszweige?

Miroslav Durana: Sie sind ähnlich betroffen wie andere Branchen. Die alternativen Energien sind allerdings nicht so stark verbunden mit den Konjunkturzyklen.

Steffen Klatt: Gibt es auch interne Gründe der Branche, die zur Krise beigetragen haben? Gibt es Wachstumsschwierigkeiten, die gelöst werden müssen?

Miroslav Durana: Es gibt Wachstumsschwierigkeiten auch in dieser Branche. Die Branche ist sehr jung und hängt stark von staatlichen Anreizen ab.

Steffen Klatt: Wichtige Staaten wie Deutschland und Spanien haben ihre Subventionen zurückgefahren…

Miroslav Durana: Sie haben ihre Subventionen zurückgefahren, weil die Branche wettbewerbsfähiger geworden ist. Die Branche generiert eigene Mittel und ist damit auch weniger abhängig von diesen Subventionen. Spanien und Deutschland haben diese Subventionen deshalb verringert. Aber andere Staaten in Europa, China und die USA subventionieren weiter. Das wird zur weiteren Entwicklung beitragen.

Steffen Klatt: Sind die verschiedenen erneuerbaren Energien gleichermassen betroffen von der Krise?

Miroslav Durana: Nein. Die Wasserkraft wurde praktisch nicht betroffen. Sie ist ein reifer Sektor. Am meisten sind Solar und Wind betroffen. Gerade Solar hängt stark von Subventionen ab.

Steffen Klatt: Sind grosse wie kleine Projekte betroffen? Vor allem die Sonnenkraft besteht nicht nur aus grossen Kraftwerken in Spanien, sondern auch aus kleinen Photovoltaik-Anlagen in Zürich.

Miroslav Durana: Es hängt grundsätzlich von der Qualität der Projekte ab. Wenn die Qualität stimmt und die Rendite gesichert ist, dann ist das Projekt nicht so stark von der Kreditkrise betroffen, unabhängig von seiner Grösse.

Steffen Klatt: Wann wird die Pause des Wachstums der erneuerbaren Energien beendet sein?

Miroslav Durana: Wir erwarten, dass diese Pause gegen Ende dieses Jahres oder im Laufe des nächsten Jahres endet, weil wir mit einer ökonomischen Erholung im weitesten Sinne rechnen. Dann wird die Nachfrage nach erneuerbaren Energien wieder steigen. Das Jahr 2009 dürfte aber ein schwieriges Jahr für die erneuerbaren Energien sein. Sie werden wachsen, aber nicht mehr mit den gleichen Raten wie in den vergangenen Jahren.

Steffen Klatt: Mit welchen Wachstumsraten rechnen Sie für 2009?

Miroslav Durana: Das hängt vom Subsektor ab. Die Kapazitäten des Windsektors dürften zwischen 12 und 15 Prozent wachsen. Im Solarsektor sind es vielleicht 15 Prozent. Die Umsätze werden flacher wachsen. Sie werden global zwischen 0 und 10 Prozent zulegen.

Steffen Klatt: Wird das zu einer Konsolidierung der Branche führen?

Miroslav Durana: Das ist richtig. Es wird zu einer Konsolidierung führen. Das heisst, nur diejenigen Unternehmen und Projektentwickler, die eine solide Basis und ein solides Portfolio an Produkten haben, werden überleben. Wir rechnen damit, dass es 2010 weniger Unternehmen in diesem Bereich geben wird.

Steffen Klatt: Schon in den vergangenen Jahren sind grosse Unternehmen in den Bereich eingestiegen, die sich lange zurückgehalten haben. Das waren Energieversorger wie Eon oder Zulieferer wie Bosch. Wird sich diese Tendenz fortsetzen?

Miroslav Durana: Ja, das erwarten wir. Denn die grossen Stromversorger müssen sich diversifizieren. Sie werden auch im Bereich alternative Energien dabei sein. Ihr Vorteil ist es, Kapital zur Verfügung zu haben.

Steffen Klatt: Während die Kleinen den Nachteil haben, schnell gewachsen zu sein und wenig Kapital zur Verfügung zu haben…

Miroslav Durana: Erstens das, und zweitens sind sie noch stark von externem Kapital abhängig. Wer jetzt kein privates oder staatliches Kapital zur Verfügung gestellt bekommt, wird möglicherweise nicht überleben können.

Steffen Klatt: Welches sind die Märkte der Zukunft?

Miroslav Durana: Das sind vor allem China und Indien.

Steffen Klatt: Werden auch neue Technologien Märkte erschliessen?

Miroslav Durana: Entwicklungsländer profitieren vom Kyoto-Protokoll, in dessen Rahmen Industrieländer Technologien und Kapital zur Verfügung stellen. Damit entstehen neue Märkte.

Steffen Klatt: Wird nach der Krise das Wachstum mit den früheren Raten zurückkehren oder ist der Goldrausch vorbei?

Miroslav Durana: Ich würde das nicht Goldrausch nennen, sondern eher einen Basiseffekt. Wenn man von einem tiefen Niveau aus wächst, scheinen die Wachstumsraten beeindruckend. Je höher das Niveau ist, von dem man aus wachsen will, desto kleiner sind die Wachstumsraten. Die Konsolidierung in der Industrie wird zudem die Zahl der Unternehmen verringern.

Steffen Klatt: Hat auch Credit Suisse als Folge der Finanzkrise die Mittel für die erneuerbaren Energien gekürzt?

Miroslav Durana: Credit Suisse ist auf mehrfache Weise als Investor in diesem Sektor tätig. Einerseits ist dies im Private-Equity-Bereich, andererseits im Kapitalmarktbereich. In diesen Bereichen wurden die Investitionen eher nicht gekürzt. Natürlich wurden sie verringert durch die Kurskorrekturen.

Steffen Klatt: Wie ist Credit Suisse in den erneuerbaren Energien engagiert?

Miroslav Durana: Ende 2007 hatten wir etwa 2,2 Milliarden Franken in diesem Bereich investiert. Die grössten Investitionen hatten wir damals im Kapitalmarktbereich. Im Credit Suisse Global Future Energy Fund hatten wir etwa 300 Millionen Franken. Im Bereich Private Equity sind wir in verschiedenen Unternehmen beteiligt.

Steffen Klatt: Hält Credit Suisse an diesen Investitionen fest?

Miroslav Durana: Wir bleiben dabei. Wir sehen die Kreditkrise nur als eine kurzfristige Krise an, die ein bis zwei Jahre dauern könnte, aber keine strukturelle Krise für die weitere Entwicklung von Alternativen Energien darstellt.

Steffen Klatt: Kommt diese Krise den erneuerbaren Energien vielleicht sogar zugute?

Miroslav Durana: Sicherlich. Die Industrie wird sich konsolidieren. Nur solide Unternehmen überleben. Das schafft diesen Unternehmen die Möglichkeit, weiter stark zu wachsen.


Zur Person:

Dr. Miroslav Durana ist Direktor und Chef Alternative Energien der Credit Suisse Private Banking. Vor seinem Eintritt bei der Zürcher Grossbank 2005 arbeitete er für die Genfer Privatbanken Union Bancaire Privée und Lombard Odier Darier Hentsch. Er hat an den Eidgenössischen Technischen Hochschulen Lausanne und Zürich und an der Universität von Lausanne studiert. Er hält zwei Patente in der Nanotechnologie.


Das Interview wurde während des World Future Energy Summit im Januar in Abu Dhabi geführt.

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