Das grösste Rohstofflager der Schweiz liegt im Wald. Jedes Jahr wachsen rund zehn Millionen Kubikmeter Holz nach, doppelt so viele wie geerntet werden. Holz ist ein Baustoff, der gut trägt und dämmt, darauf besinnen sich nun langsam wieder die Bauherren. Sie setzen allerdings weniger auf traditionelle Blockbauten, als auf Fertigmodule des modernen Holzbaus. Bis zu eine Stunde feuerfest Seit wenigen Jahren entstehen auch Hochbauten aus Holz. Die Schweiz liess 2006 ein Gebäude mit sechs Geschossen zu. In intensiven Forschungsarbeiten war zuvor die Brandsicherheit nachgewiesen worden. Auch in Grossstädte hält der Holzbau Einzug: In London steht inzwischen ein neunstöckiges Appartementhaus. Auf das betonierte Erdgeschoss wurden Holzmodule für 29 Wohnungen gesetzt. Holzlabel: In Innenstädten wachsen auch Mischbauten in die Höhe. Sie haben beispielsweise ein Skelett aus Beton und Stahl, aber eine dämmende Fassaden aus Holz. Sicherheitsfragen stehen solchen Konstruktionen heute nicht mehr entgegen. Je nach Geschosszahl, Nutzung und Lage kann verbautes Holz dem Feuer 30 bis zu 60 Minuten Widerstand leisten, dies wurde wissenschaftlich nachgewiesen. Der Einbau von Fluchtwegen, unbrennbaren Decken, Brandmauern oder Sprinkleranlagen kann zudem die Sicherheit erhöhen. Holzfassaden effektiv schützen Mit einigen Tricks lässt sich ein Holzhaus auch vor Witterungseinflüssen schützen: Ein Betonunterbau bis auf Kniehöhe kann Spritzwasserschäden am Sockel verhindern, ebenso ein herausragendes Dach. Laut der Experten von Lignum reichen diese Vorkehrungen, um das Holz dauerhaft gegen Umwelteinflüsse zu wappnen. Langfristigkeit stellt das älteste Holzhaus der Schweiz unter Beweis: Es wurde im 12. Jahrhundert gebaut. Es ist ein natürlicher Prozess, dass unbehandelte Fassaden sich mit der Zeit verfärben – bis sie nach fünf bis zehn Jahren ein einheitliches Silbergrau annehmen. Die unregelmässigen Tönungen in der Zwischenzeit empfinden manche als störend. Inzwischen ist es möglich, die Patinabildung mit Hilfe von Pilzen zu beschleunigen. Das Holz und die Konstruktion sollen weder beim natürlichen Ergrauen, noch bei der beschleunigenden Methode Schaden nehmen. Neu sind auch Imprägnierungsverfahren durch Nano-Technologie. Eine Schicht mit winzigen Teilchen lässt Regen vom Holz perlen, ohne dessen Atmungsfähigkeit zu beeinträchtigen. Allerdings gebe es noch keine Langzeiterfahrungen mit Nanotechnologie im Holzschutz, gibt Michael Meuter zu bedenken. Dies sorge für eine gewisse Zurückhaltung bei den Konsumenten. Schutz vor Witterung bieten auch Dickschichtlasuren und deckende Anstriche. Es gibt sie in verschiedenen Farbnuancen. Vorteilhaft seien helle Farbtöne, sagt Bernhard Furrer, Technik-Experte bei Lignum. Unter dunklen Farben heizen sich die Hölzer auf. Holz als nachhaltige Ressource nutzen Michael Meuter schätzt, dass etwas mehr als zwölf Prozent der Neubauten in der Schweiz in Holz errichtet werden. Zwei Drittel des verbauten Holzes gehen in den Wohnungsbau. Meuter hofft, dass sich der Holzbau auf einen Anteil von 30 Prozent entwickelt, wo er in Österreich heute schon ist. Angst um den Schweizer Waldbestand müsste niemand haben. „Mehr Holz als den Zuwachs darf man sowieso nicht herausnehmen – das ist das Prinzip der nachhaltigen Holzwirtschaft. Würde aber mehr Holz benötigt, könnte es ohne weiteres eingeführt werden.“ |