Konzerne am Pranger

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Geschrieben von: Yvonne von Hunnius, St. Gallen 28.01.09
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Davos - In Davos eine Public-Eye-Auszeichnung zu erhalten, ist keine Ehre: Jury und Internet-Öffentlichkeit prangern 2009 bei den Bernischen Kraftwerken und dem US-Bergbaukonzern Newmont Mining massive Verstösse gegen ethisches und nachhaltiges Management an. Der Preis wird zum fünften Mal von der Erklärung von Bern am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos verliehen, zum ersten Mal gemeinsam mit Greenpeace Schweiz.

Die Veranstalter der Public-Eye-Initiative wollen manchen Managern internationaler Unternehmen eine Ohrfeige verpassen. Die beiden Organisationen „Erklärung von Bern“ und Greenpeace verleihen den Schmähpreis am Rande des Weltwirtschaftsforums (WEF). Kapitalismuskritik steht in Davos somit gleich zu Beginn auf der Tagesordnung. In diesem Jahr „gewinnen“ zwei Unternehmen, die gleich beide zentralen Kriterien der Schmähpreis-Vergabe erfüllen: „Sie haben kein soziales und kein ökologisches Gewissen“, sagt Cécile Bühlmann, Präsidentin von Greenpeace Schweiz. Die Bernischen Kraftwerke (BKW) und der US-Bergbaukonzern Newmont Mining sind die traurigen Gewinner.

Bergbaukonzern zerstört Umwelt

Newmont Mining wird wegen der Missstände beim Goldminen-Projekt in Ost-Ghana angeprangert, bei dem Umwelt- und Menschenrechts-Vergehen angeklagt werden. Unter anderm wurden 10000 Kleinbauern zur Umsiedlung gezwungen, 70 Hektar Wald eines Waldschutzreservats zerstört und Fäkalien in die Flüsse entsorgt. Der Konzern mit einem Umsatz von 5,5 Millionen Dollar hatte bereits bei Projekten in Peru und Indonesien die Folgen für die Umwelt ignoriert und Aktivisten eingeschüchtert. „Charakter ist wie Schwangerschaft, er kann nicht versteckt werden“, sagt dazu Daniel Owusu-Koranteng, Direktor der Minenbetroffenen-Organisation WACAM in Ghana. Er stand für die Opfer des Unternehmens auf der Bühne.

Saubermänner verstromen Kohle

Die Bernischen Kraftwerke haben den Preis in der Schweizer Kategorie gewonnen. Laut Inge Stemmer könne die Abkürzung auch für „Beschleunigter Klima-Wandel“ stehen. Sie ist Mitglied einer Bürgerinitiative für saubere Energie in Norddeutschland. Just vor ihrer Haustür, im niedersächsischen Dörpen, planen die BKW für 1,6 Milliarden Euro ein Kohlekraftwerk, obwohl bereits drei Viertel der Bevölkerung eine Petition gegen das Kraftwerk unterschrieben hat. Dabei wird derzeit bereits genug Strom im Landkreis Emsland produziert, und zwar aus sauberer Windenergie. Ein Kohlekraftwerk brauche es nicht. Gerade die ökologisch orientierte Werbung des Unternehmens in der Schweiz stehe zu dieser schwarzen Realität im Widerspruch, so die Wertung der Jury.
Gewinner, die als Gewinner bezeichnet werden können, gab es erstmalig auch. Die beiden kolumbianischen Gewerkschaftsführer Jairo Quiroz Delgado und Freddy Lozano erhielten einen „positive award“ für ihren Einsatz. Die Arbeitsbedingungen der Arbeiter in der Kohlemine El Cerrejon haben sich entschieden verbessert, nachdem die Gewerkschaft in einem Schulterschluss insbesondere mit europäischen Organisationen auf die Missstände aufmerksam gemacht hat.

Kapitalismuskritiker fühlen sich bestätigt

Zur Verleihung des Negativ-Preises waren zwei prominente Kapitalismuskritiker gekommen. Der deutsche Christdemokrat Heiner Geissler und die Schweizer SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger sahen sich in ihrer Systemkritik bestätigt. Das System wackle immer stärker. Umso eindringlicher wetterte Geissler gegen die „Vergötzung des Marktes“ und die „Geldgier, die die Hirne der Manager aufgefressen“ habe. Der ehemalige Bundesminister und Generalsekretär der CDU ist seit 2007 Mitglied der Globalisierungs-Gegner von Attac. Susanne Leutenegger nannte gestern das Weltwirtschaftsforum ein „ideologische Agentur“, die die Herausbildung der Finanzkrise mitunter beschleunigt habe.

Bösewicht verleiht Preis

Die „Erklärung von Bern“ vergibt den Preis schon zum fünften Mal. Neu sitzt die Umweltschutzorganisation Greenpeace Schweiz mit im Boot. Greenpeace-Präsidentin Bühlmann: „Menschenrechte sind zwingend an ökologische Werte gebunden.“ Das gemeinsame Ziel: „Die Mächtigen an ihre Verantwortung erinnern.“ Und ein bisschen Glamour kann dabei auch in schlechten Zeiten nicht schaden. Die Preise übergab Anatole Taubman, der Schweizer Bösewicht im aktuellen Bond-Film „Ein Quantum Trost“. Trost und Hoffnung sollen die Public Eye-Schmähpreise gleichermassen sein. So sieht es zumindest der Redner Owusu-Koranteng aus Ghana: „Die Erde stirbt nicht – sie wird umgebracht. Und die Leute, die sie umbringen, haben Namen und Adressen.“ Einige davon sind gerade in Davos.

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