Das Baumsterben im Westen der USA zwischen Nord-Arizona und dem Südwesten Canadas hat sich seit den 1980er Jahren verdoppelt. Diese alarmierenden Ergebnisse einer geologischen Studie (USGS) wurden jüngst im Wissenschaftsjournal „Science” veröffentlicht.
„Die Durchschnitts-Temperaturen im amerikanischen Westen sind über ein Grad Fahrenheit in den letzten Jahrzehnten gestiegen”, sagt Phil van Mantgem. Der Wissenschaftler ist stellvertretender Leiter des nationalen geologischen Teams (USGS), das eine aktuelle Studie mit weit reichenden Ergebnissen erarbeitet hat. Van Mantgem: „Der Temperaturunterschied mag wenige aufhorchen lassen - doch sogar diese kleine Veränderung reicht, um die winterliche Schneedecke dünner werden zu lassen, eine frühere Schneeschmelze einzuleiten und um die sommerliche Dürre zu verlängern.
Nadelhölzer besonders bedroht
Längere Dürrezeiten lassen verschiedene Baumarten sterben - vor allem Pinien, Tannen und weitere Nadelhölzer auf allen Höhenlagen. Die Konsequenzen: Von schlichtem Artensterben bis hin zu Wäldern, die der Atmosphäre eher CO2 zufügen als absorbieren. „Alarmierend ist bei diesen hohen Baumsterbe-Raten, dass ein fließender Wandel stattfinden könnte”, sagt Jerry Franklin von der Washington University, der bei der Studie mitwirkte. „Die Wälder können sich auf einem niedrigeren Biomasse-Level wieder stabilisieren, was zur Folge hätte, dass weniger Kohlenstoff in den Wäldern gespeichert würde.
Weniger Aufforstung als Baumsterben
Noch schlimmer ist, dass sich ein Teufelskreis anbahnt, wie Experten betonen. Das warme Wetter vermindere das Wachstum von Trieben. Van Mantgem erklärt: „Genauso wie in jeder Menschengruppe in jedem Jahr ein paar von uns gehen, so sterben jährlich auch einige Bäume in einem Wald. Doch unsere Langzeit-Beobachtung zeigt deutlich, dass das Baumsterben sich verstärkt, während man die Wiederaufforstung nicht forciert hat.” Dieser besorgniserregende Trend könnte die pittoreske Landschaft des Westens radikal und nachhaltig verändern. „Baumsterbe-Raten sind wie Zinsen eines Bankkontos - die Effekte vergrößern sich von mal zu mal”, sagt Nate Stephenson, ein weiterer USGS-Wissenschaftler. „Eine Verdopplung der Baumsterbe-Rate könnte das Durchschnitts-Alter der Bäume halbieren und auch die Durchschnitts-Größe beeinflussen.” Schädlinge haben Aufwind
Stephenson befürchtet ebenso, dass verbleibende Bäume geschwächt oder ganze Wälder anfällig für Krankheiten werden könnten, sodass zudem auf diese Art und Weise tausende Bäume zum Opfer fallen. Die Amerikaner nennen dieses Waldsterben „die backs” - ausgelöst beispielsweise durch Mehltau-Befall. Dadurch wurden bereits große Waldbestände in Amerikas Südwesten, in Colorado, British Columbia und Kanada zerstört. Stephenson erläutert: „Das ist eine unserer größten Sorgen. Was, wenn die von uns beobachtete Entwicklung nur das Vorspiel zu größeren Veränderungen unserer Wälder ist?” Wärmere Temperaturen könnten schon waldschädigenden Insekten helfen, über den Winter zu kommen - und das bedeutete, dass großflächiger Befall im Sommer möglich wäre. So traten Borken-Käfer in Zusammenhang mit höheren Temperaturen im Westen verstärkt auf. Die Studie beschäftigte sich auf der Suche nach Gründen für das Waldsterben bewusst weder mit Luftverschmutzung noch mit Waldbränden. Ironischerweise könnte das Abholzen von Bäumen eine Lösung zur Rettung der Wälder sein, meint Mit-Autor der Untersuchung, Pete Fulé. „Wir müssen diesen Verlust nicht einfach hinnehmen”, sagt Fulé. „Wälder auszudünnen, kann die Fähigkeit der Bäume stärken, Wasser und andere Nährstoffe aufzunehmen. Das lässt sie dem Waldbrand und auch dem Borkenkäfer eher standhalten.” Klima-Studien lassen aufhorchen
Die Nachricht über das Baumsterben folgte zwei Studien, die erst Mitte Januar im akademischen Journal „Nature” erschienen waren. Eine Untersuchung der Universität von Kalifornien und der Harvard Universität fand heraus, dass die Jahreszeiten zwei Tage früher als noch vor 50 Jahren einsetzen. Eine andere Studie von Wissenschaftlern der Universität von Washington besagt, dass die Temperaturen der Antarktiks um ein halbes Grad in den letzten 50 Jahren gestiegen sind. Diese Veränderung mag so klingen, als hätte sie kaum Konsequenzen. Doch wie auch die kleine Temperatursteigerung in den Wäldern des amerikanischen Westens große Effekte hat, so wird es sich hier verhalten. Beeinflusst wird voraussichtlich in großem Ausmaße, wie Luft und Meerwasser rund um den Globus zirkuliert.
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