Mit dem Staat an den Start

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Geschrieben von: Lisa Louis, Paris 26.01.09
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Paris - Ab 2011 will Renault-Nissan mit drei Modellen auf den Massenmarkt für Elektroautos in Frankreich und anderen Ländern gehen. Dafür hat das Unternehmen mit Batterie- und Strom-Produzenten Kooperationen vereinbart. Der Staat soll Unterstützung für den Start auf dem Massenmarkt zusichern.Sie sind nicht die Ersten, aber sie könnten die Grössten werden: Renault-Nissan plant, 2011 zwei Elektroautos auf den europäischen Markt zu bringen – Versionen des Nutzfahrzeugs Renault Kangoo und des Familienautos Berline. 2012 soll ein Stadtauto auf Basis des Clio oder des Modus hinzukommen. Damit will der viertgrösste Automobilhersteller der Welt mit Sitz in Boulogne-Bilancourt bei Paris bei den emissionsfreien Flitzern die Pole-Position einnehmen. Eine Strategie, die sinnvoll erscheint angesichts der Erwärmung der Erdatmosphäre. Doch ohne staatliche Hilfen könnte das Projekt ins Stottern geraten, befürchten Beobachter.

Streben nach Vorreiterrolle

Eine Studie zu alternativen Antriebsformen gibt den Bestrebungen des französischen Autoherstellers Recht. Patrick Chiron hat für die Beratungsfirma Eurostaf im Dezember den Markt untersucht: „Renaults grosser Vorteil ist, dass es einerseits das erste Unternehmen ist, das Elektroautos in grosser Menge produzieren wird. Der Ruf des Vorreiters ist ihm sicher.“ Zum anderen habe sich das Unternehmen durch Kooperationsabkommen grosse Kapazitäten geschaffen. Zusammengearbeitet werden soll mit dem Lithium-Ion-Batterien-Hersteller Nippon Electric Company (NEC) und dem französischen Stromproduzenten Electricité de France (EDF).

Reichweite ist das Problem

Diese Kooperationspartner sollen Lösungen für das Problem der geringen Reichweite von Elektroautos finden. Bis jetzt schaffen die meisten von ihnen nicht mehr als 180 Kilometer pro Aufladung. Es gibt zwar Ausnahmen, doch nur zu horrenden Preisen. Experten, wie Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center of Automotive Research in Gelsenkirchen, zweifeln auch noch an der Lebensdauer dieser teuren Batterien.

Durch die Kooperation mit NEC sollen ab 2011 rund 200.000 Elektro- und Hybridautos mit leistungsfähigen Lithium-Ion-Batterien versorgt werden. Zusammen mit EDF will Renault bis dahin ein flächendeckendes Netz von Aufladestationen in Frankreich errichten. „Dort können Fahrer ihr Auto in 20 Minuten aufladen oder ihre Batterie auswechseln lassen“, sagt Matthieu Tenenbaum, stellvertretender Direktor des Elektroauto-Programms bei Renault.
In Israel dreht sich das breit angelegte Projekt „Project Better Place“ des ehemaligen SAP-Vorstands Shai Agassi um den Batteriewechsel. Und Renault soll auch hierfür Autos liefern. Bis 2011 soll ein landesweites Netz an Ladestationen fertig sein. Unterstützt wird das Projekt von der israelischen Regierung mit deutlichen Steuerleichterungen beim Kauf von Elektroautos.

Elektroauto braucht Beistand

Hilfe vom Staat braucht auch der Elektromarkt in Frankreich, findet Ökoauto-Experte Chiron: „Es ist sehr wichtig, dass alternative Antriebe weiterhin gefördert werden“, sagt er und bezieht sich auf Massnahmen wie das Bonus-Malus-Programm der französischen Regierung. Dabei bekommen Käufer von Autos, die weniger Kohlendioxid ausstossen, eine Prämie vom Staat. Käufer von  Umweltsündern müssen draufzahlen. Ausserdem hat Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy erst kürzlich 400 Millionen Euro staatliche Hilfen für die Entwicklung emissionsarmer Autos versprochen.
Matthieu Tenenbaum von Renault bestätigt die wichtige Rolle des Staates: „Im Moment brauchen wir dessen Beistand, um den Markt für Elektroautos in Gang zu bringen“, sagt er. Nötig sind solche Programme vor allem auf kurze Sicht: „Wenn die Elektroautos auf den Markt kommen, sind sie noch nicht stark genug, um mit dem Verbrennungsmotor mitzuhalten“, meint Chiron. Die ersten Modelle würden deshalb mit wenig bis gar keinem Gewinn verkauft. Auf längere Sicht hingegen würde die Herstellung von Elektroautos sich rechnen: „Ab 2015 dürfte sie rentabel sein.“ Der Preis sollte dann nur noch etwa zehn Prozent über dem vergleichbarer Modelle mit Verbrennungsmotor liegen. Zurzeit sind Elektroautos noch bis zu 30 Prozent teurer. Laut Sophie Charvet, Projektmanagerin bei Espace Mobilités Electriques, einer Vereinigung, die sich für alternative Antriebsformen einsetzt, ist der Preis immer noch kaufentscheidend. Charvet: „Vielen Interessenten sind die jetzigen Preise einfach noch zu hoch.“

Hybrid- oder Elektro-Antrieb?

Der Anteil der Elektroautos soll laut der Meinung einiger Experten von jetzigen drei auf 20 Prozent steigen – binnen elf Jahren. Immer mehr Autohersteller würden mit der Zeit nicht mehr auf Hybrid- sondern auf Elektro-Antriebe setzen. Autoexperte Dudenhöffer widerspricht dieser gängigen Ansicht und sieht eine rosige Zukunft für das Hybrid-Auto. In diesen Modellen befindet sich sowohl ein Verbrennungsmotor als auch ein Elektroantrieb. „Reine Elektroautos bleiben ein Nischenprodukt, nach unseren Schätzungen werden sie künftig rund zehn Prozent des Absatzes ausmachen“, sagt Dudenhöffer. Einig sind sich die Experten in einem Punkt: Für die Entwicklung alternativer Antriebsformen spielt der Ölpreis eine grosse Rolle. Bleibt er bei ungefähr 40 Dollar pro Barrel, dann seien beide Varianten Ladenhüter, so Dudenhöffer. Sein französischer Kollege Chiron schätzt die magische Schwelle auf 80 Dollar pro Barrel: „Hierunter sind Elektroantriebe einfach nicht wettbewerbsfähig“, sagt er.

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