Grün bleibt sexy

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Geschrieben von: Steffen Klatt, St. Gallen 21.01.09
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Die Krise trifft auch die Umweltindustrie und die erneuerbaren Energien. Doch viele Unternehmen rechnen mit einem rasant wachsenden Markt und Milliardeninvestitionen. Die zögerliche Kreditvergabe vieler Banken bildet die Achillesferse der „grünen“ Wirtschaft.

Geschäftsleute sollten ihre Gefühle möglichst nicht zeigen, jedenfalls nicht in aller Öffentlichkeit. Doch als Tony Blair auf die Amtseinführung von Barack Obama zu sprechen kam, jubelten die weit über tausend Unternehmensvertreter im grossen Saal des Messezentrums von Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Der ehemalige britische Premierminister beendete mit seiner Rede den „World Future Energy Summit“, eine dreitägige Konferenz führender Unternehmen der erneuerbaren Energien und der Umwelttechnologien.

USA und Europa: Frische Milliarden vom Staat

Die „grüne“ Wirtschaft hat Grund zu jubeln. In Abu Dhabi wurde mit Wohlwollen vermerkt, dass Obama die erneuerbaren Energien – Wind und Wasser – bereits im ersten Teil seiner ersten Rede als Präsident erwähnte. An der Konferenz selbst wies Dan Arvizu, Chef des nationalen US-Laboratoriums für erneuerbare Energien, darauf hin, dass Obama in den nächsten zehn Jahren 150 Milliarden Dollar für erneuerbare Energien ausgeben will. Das wären zehn Mal mehr als bisher. Und bei der Energiewirtschaft bleibt es nicht: Obama plant, die Energieeffizienz von 75 Prozent der Bundesgebäude zu verbessern.

Ähnlich in Europa. Der dänische Energiestaatssekretär Hans Jörgen Koch wies auf das Ziel der EU hin, den Anteil der erneuerbaren Energien bis 2020 auf 20 Prozent zu steigern, also zu verdreifachen. Sein eigenes Land, gemeinsam mit Deutschland und  Spanien Vorreiter, will bis 2020 einen Anteil von 30 Prozent erreichen. Heute sind es immerhin 17 Prozent – vor wenigen Jahrzehnten wurde sämtliche Energie aus fossilen Brennstoffen hergestellt.

 

China und Golf: Keine Bremsspuren

 

Der dritte grosse Markt ist China. Darauf weist Steve Sawyer hin, Generalsekretär des Weltwindrates, der Interessenvertretung der Windindustrie. Dieser Markt wachse ungebrochen weiter. „Die Krise ändert daran nichts.“

Auch der ölreiche Mittlere Osten setzt auf „grün“. Sultan Al Jaber, Chef des staatlichen Unternehmens Masdar und damit Bauherr der gleichnamigen Ökostadt, bekräftigte das Bekenntnis Abu Dhabis zur „grünen“ Wirtschaft – dem niedrigen Ölpreis und damit sinkenden Einnahmen zum Trotz. Das Emirat hatte 2006 beschlossen, für 22 Milliarden Dollar ein Zentrum der „grünen“ Wirtschaft aufzubauen. „Damals lag der Ölpreis bei 44 Dollar pro Fass“, sagt Sultan Al Jaber. Nach den Höhenflügen der Zwischenzeit liegt er wieder dort.

Auch Unternehmen investieren Milliarden

Kein Wunder, dass die Unternehmen an ihren Investitionsplänen festhalten. Der US-Mischkonzern General Electric will seine Ausgaben für die grüne Wirtschaft – vor allem für die Verwertung von Kohlendioxid, die Energieeffizienz und die Wasserwirtschaft – bis 2010 auf 1,5 Milliarden Dollar verdoppeln. „Grün ist profitabel“, sagt GE-Vizepräsident Steve Fludder. Mit ähnlichen Grössenordnungen darf Frank Mastiaux rechnen, Chef der Anfang 2008 gestarteten Eon Renewables. Die in den erneuerbaren Energien tätige Tochter des Düsseldorfer Energieriesen hat ein Investitionsbudget von 1,5 Milliarden Euro jährlich. „Das bleibt trotz Krise so.“

Krise ist denn in dieser Branche ein relativer Begriff. „Vor der Krise hatten wir ein Wachstum von 40 Prozent“, sagt Ditlev Engel, Chef des dänischen Windanlagenbauers Vestas. „Jetzt liegt es bei 25 Prozent.“ Damit wächst der Weltmarktführer allerdings schneller als der Markt. Die installierte Windkraft ist in diesem Jahrzehnt durchschnittlich mit 28 Prozent gewachsen – 2008 eingeschlossen. Ein führender Analyst einer grossen europäischen Bank rechnet für 2009 nur noch mit gut zehn Prozent, und zwar in der Kapazität. Aufgrund des Preisdrucks könnte das Umsatzwachstum sogar stagnieren. Doch bereits 2010 sollte das Wachstum wieder anziehen.

Aus der Nische ins Zentrum

Die Achillesferse der erneuerbaren Energien liegt in der Finanzierung durch die Banken. In den USA etwa erhielten Investoren für ihre Projekte vom Staat Steuererleichterungen. Diese konnten sie an profitable Banken verkaufen. Heute gibt es mangels profitabler Banken keinen Markt mehr für solche Steuererleichterungen. Doch längerfristig denkende Kapitalgeber sind im Rennen geblieben. Marcel Brenninkmeijer investiert seit 2002 mit seinem Schweizer Fonds „Good Energies“ pro Jahr 350 Millionen Euro – Geld der C&A-Eignerfamilie Brenninkmeijer. Er glaubt an den Erfolg. Klimawandel und steigender Energiebedarf würden Investition in erneuerbare Energien und die Energieeffizienz von Gebäuden langfristig profitabel machen. So sieht es auch der indische Investor Vinod Khosla. „Grün ist keine Nische mehr.“ Die Umweltindustrie sei ins Zentrum der Wirtschaft gerückt.

Der nachhaltige Wandel geht trotz Krise weiter. Er ist zum globalen Geschäftsfeld geworden.

 

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