Thomas Veser: In welcher Grössenordnung kann bei Sanierung und Neubau von Gebäuden Energie eingespart werden? Paolo Bertoldi: Etwa 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs in der EU gehen auf das Konto von Gebäuden. Nicht für Wohnzwecke genutzte Gebäude und Anlagen, darunter Büros, Schulen, Universitäten oder Flughäfen, benötigen davon etwa ein Drittel. Werden bereits vorhandene Gebäude optimal saniert und Neubauten nach den entsprechenden Anforderungen errichtet, lassen sich in der Regel bis zu 25 Prozent Energie einsparen. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies, dass von den im Jahr 2006 für Gebäude in Europa verwendeten 467 Millionen Tonnen Öleinheiten 116 Millionen Tonnen eingespart werden könnten. Forschen am Lago Maggiore Thomas Veser: Welche Schritte werden dazu nötig sein? Paolo Bertoldi: Um die Effizienz von Gebäuden zu steigern, braucht man eine Vielzahl technologischer, aber auch politischer Massnahmen. Wenn es etwa um neue Gebäude geht, dann sind die Baurichtlinien wichtig. Bei der Optimierung vorhandener Gebäude können die Besitzer vor allem durch finanzielle Anreize überzeugt werden. Wegen des Klimawandels und steigender Energiepreise müssen sich alle EU-Mitgliedsstaaten auf Sparmassnahmen konzentrieren– solche Programme gibt es seit einigen Jahren in allen EU-Ländern in ähnlicher Ausprägung. Thomas Veser: Was können Unternehmen einsparen? Paolo Bertoldi: Gebäude bestehen aus verschiedenen Systemen, etwa für Heizung, Kühlung, Beleuchtung und Informationstechnologie. Nehmen wir nur einmal die Beleuchtung, da lassen sich im Vergleich zu einem alten System heutzutage etwa 70 Prozent Energie einsparen. In bestehenden Gebäuden liegt das gesamte Einsparpotenzial im Allgemeinen bei 25 bis 30 Prozent. Um ein praktisches Beispiel zu nennen: Wenn ein Unternehmen seine Gebäude mit einer einmaligen Investition von einer Million Euro effizient umbauen lässt, kann es seine Energierechnung, die bislang bei 200.000 Euro Euro lag, um 70 000 Euro reduzieren. Nach rund 15 Jahren hat es die Investitionskosten wieder hereingeholt, und ab dann beginnt das Sparen. Thomas Veser: Was erwarten Sie von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik? Paolo Bertoldi: Die drei Bereiche müssen eng zusammenarbeiten. Die Forschung entwickelt neue Lösungen. Die Wirtschaft setzt sie in Produkte um und steuert die nötigen Finanzmittel bei. Und die Aufgabe der Politik ist es, günstige Rahmenbedingungen zu schaffen, damit künftig in diese Technologien investiert wird. Thomas Veser: Wo werden wir Europäer in 15 bis 20 Jahren technologisch stehen? Paolo Bertoldi: Meiner Meinung nach sind die wichtigen Technologien, die wir benötigen, bereits vorhanden, fast alle befinden sich heute schon auf dem Markt. Damit lässt sich sicherstellen, dass Gebäude optimal beheizt, gekühlt und beleuchtet werden und dass sie auch richtig wärmegedämmt sind. Die Forschung hat den überwiegenden Teil der zu bewältigenden Arbeit geleistet. Jetzt geht es darum, die Resultate anzuwenden. Von hoher Bedeutung ist sicherlich auch eine gute Integration dieser Technologien – ihre Effizienz lässt sich nämlich mit Hilfe eines durchdachten Gebäudemanagementsystems noch weiter verbessern. |